Spurensuche in Barmbek

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Der 1878 geborene Schriftsetzer Max Cohn war im Vorstand seiner Hamburger Gewerkschaft und mit der Mitgliedsnummer 100 ebenfalls im Vorstand der Baugenossenschaft der Buchdrucker. Im vorauseilenden Gehorsam wurde er schon im September 1934 von seinen Genossen aus der Genossenschaft gedrängt. Das offizielle Schreiben seiner Baugenossenschaft, das aus Unrecht Recht machte, erreichte ihn nicht mehr. Max Cohn starb bereits im Frühjahr 1938. Seine Tochter emigrierte im gleichen Jahr nach England. Dort heiratete

Schüler treffen Nachfahren und erleben Geschichte

Barmbek. Schüler der Franz-von-Assisi-Schule gingen in Barmbek an Orte der Geschichte und trafen Nachfahren von NS-Verfolgten. Durch neue Perspektiven wurde die Geschichte fast greifbar.
80 Jahre ist es her, da ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichskanzler. Damit waren alle Dämme gebrochen. Hitler und seine Gesinnungsgenossen verwandelten in kürzester Zeit ganz Deutschland in einen Staat in dem bürgerliche Freiheit weitgehend verschwand – ganzen Bevölkerungsgruppen wurde offiziell und per Gesetz jede Lebensberechtigung abgesprochen. Familien, die Hamburg mitgeprägt hatten, deren Söhne im Ersten Weltkrieg für ‚Kaiser und Reich‘ ihr Leben gelassen hatten, verloren alle Rechte, wurden verfolgt, deportiert, ermordet. Juden waren es nicht wert, Deutscher zu sein.

Viele Orte erinnern an die Geschichte

So wurde aus der ‚Hallerstraße‘ (benannt nach dem Senator und Bürgermeister Hamburgs Nicolaus Ferdinand Haller) 1936 die Ostmarkstraße.
Der Barmbeker Ralph Giordano veröffentlichte 1982 Die Bertinis, die Lebensgeschichte einer Hamburger Familie mit teilweise autobiografischen Zügen. Über 30 Jahre sind seither vergangen. Was damals fast Allgemeingut war, droht in Vergessenheit zu geraten. Auch in jungen Menschen keimt vielerorts wieder nationalsozialistisches Gedankengut auf. Die junge Historikerin Stephanie Kowitz-Harms (35) bietet Spurensuche in Hamburg an. Denn noch gibt es viele Orte in der Hansestadt, die an die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihre Vernichtung erinnern. Mit der Klasse 9b der katholischen Franz-von-Assisi-Schule hat sie in einer Pilot-Projektwoche ganz konkrete Spuren jüdischen Lebens in Barmbek aufgespürt.
Nach einem eintägigen Auftaktworkshop haben sich die Schüler in kleinen Gruppen in ihrem Stadtteil umgesehen, haben, nun aufmerksam geworden, Barmbek mit anderen Augen gesehen. Dabei wurden sie fachlich und medienpädagogisch unterstützt. Die notwendige technische Ausstattung in Form von iPads, Foto- und Videokameras sowie Schnittstellenrechnern wurden gestellt. Während die Klassenkameraden in Barmbek unterwegs waren, trafen sich Chiara Lea Balic, Denz-Carlo B. Soliman und Vassilios Natsidis im Museum für Arbeit mit Norma van der Walde. In England als Kind jüdischer Emigranten geboren, berichtete sie, von Chiara sensibel befragt, anschaulich aus dem Leben ihrer Eltern und Großeltern. Beim gemeinsamen Betrachten der von ihr mitgebrachten Fotos und Dokumente und beim Gang durch die Sonderausstellung ‚Baugenossenschaften‘ wird die Zeit wieder greifbar, in der Juden es nicht wert war, Deutsche zu sein. Eine Zeit, die nie vergessen, die nie wiederkehren darf. (fjk)

Weitere Informationen im Internet unter: juedische-spuren-hamburg und www.geschichtomat.de
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