Stolper-Irrsinn auf der Fuhle

Anzeige
Bei Dunkelheit kaum zu sehen: Wenn es dunkel wird, wird der Kantstein vom Schatten des benachbarten Autos fast verdeckt Foto: wb
 
Stefanie Steffen ist schon zweimal gestolpert. Für ein Parkticket müssen Autofahrer dreimal über den Kantstein Foto: wb
 
Wolfgang Kabelitz ist am 20. Februar schwer gestürzt. Eine Platzwunde über dem rechten Auge musste genäht werden Foto: wb

Behörde prüft, Passanten stolpern. Barmbeker berichten über Kantsteine an der Fuhlsbüttler Straße

Barmbek Von Marco Dittmer
Wie gefährlich die neuen Kantsteine an der Fuhlsbüttler Straße für Fußgänger sind, berichteten wir in der vergangenen Woche. Die deutliche Reaktion unserer Leser auf den Beitrag lässt erahnen, wie viele Stolper-Opfer es bereits gibt. Viele Briefe, E-Mails und persönliche Besuche von Lesern erreichten die Wochenblatt-Redaktion. Sie berichten von zum Teil schweren Verletzungen. Heraus kommt auch, dass in mindestens zwei Fällen die Stadt von den Unfällen erfahren hat. Dagmar Repolust schrieb einen Brief an die Behörde für Inneres und Sport. Wolfgang Kabelitz wurde versprochen, dass sein Polizeibericht vom Polizeikommissariat 31 zum Bauamt weitergeleitet wird. Beide stürzten schwer und mussten im Krankenhaus behandelt werden, keiner erhielt eine Antwort. Der Regionalausschuss Barmbek beschloss nun, die Sichtbarkeit der Steine zu verbessern.

Behörde prüft, Passanten stolpern


Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne und ein „erheblicher Motorschaden“ – nach dem Wochenblatt-Artikel über die 79 Kantsteine, die in der Fuhlsbüttler Straße als Parkplatzbegrenzung verbaut wurden, berichten Leser von ihren Erfahrungen. Besonders in der Dunkelheit, wenn die Beleuchtung der Geschäfte fehlt und die Schatten der Autos den Weg verdunkeln, sind die Kantsteine kaum zu erkennnen. Wolfgang Kabelitz ist am 20. Februar schwer gestürzt. Eine Platzwunde über dem rechten Auge musste genäht werden. Noch heute hat der 79-Jährige starke Schmerzen. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer soll nun prüfen, wie man die Sichtbarkeit der Steine verbessern kann. Dafür sind Gespräche mit Architekten geplant. Wie lange es noch dauert, bis die Situation an der Fuhle entschärft wird, ist unklar.

Barmbeker berichten über Kantsteine an der Fuhlsbüttler Straße


Schäden an Autos
Ich bin schon zweimal gestolpert, jedoch ohne Verletzungen. Aber ich bin auch Fahrradfahrer. Und hier kam es zu einem Vorfall, der hätte schief gehen können. Ich schob mein Fahrrad durch die Autos durch. Meine Füße selbst überstiegen den Kantstein, das Hinterrad jedoch brach aus und hätte fast das Auto touchiert. Ich halte diese Kantsteine für gefährlich und überflüssig. Ich bin sicher, ein weißer reflektierender Streifen hätte es auch getan. Beste Grüße aus Barmbek, Heidi Herold

Täglich Stürze
Ich wohne seit über vierzig Jahren genau gegenüber der Elefantenapotheke und kann täglich Stürze über diese idiotischen Kantsteine beobachten. Wer sich das hier ausgedacht hat, kann eigentlich nicht klar im Kopf sein! Helga Wimmer

Beton-Poller
Schwer gestürzt bin ich an den neuen Kantsteinen der Fuhle noch nicht, wohl aber hängengeblieben. Schnelle Reaktion und mein Aikido-Training haben mich vor Schlimmerem bewahrt. Es ist genau so, wie sie schreiben, die blöden Dinger sind zu lang, wenn man zwischen den Autos durchgeht sieht man die Steine kaum, erst recht nicht nach der Dämmerung. Klassische Beton-Poller sind besser. Vor allem kann man auf denen auch sitzen – ob die versprochenen Sitzbänke an der Fuhle je gebaut werden? Jan Filter

Gefährlicher Weg
Mir ist es im März passiert. Bin über den Kantstein gefallen. Wenn sich Autofahrer ein Parkschein holen, müssen sie dreimal an den Kantsteinen vorbei. Das ist viel zu gefährlich. Auch meiner Tochter ist schon gestolpert. Diese Steine müssen wieder entfernt werden. Stefanie Steffen

Böse Stolperfallen
Ihrem Artikel kann ich nur voll beipflichten. Diese Kantsteine sind ganz „böse Stolperfallen“, die mich auch beinahe zu Fall brachten. Dieser Schwachsinn gehört sofort wieder entfernt ehe sich noch mehr Passanten die Knochen brechen! Eva Brettling

Motorschaden
Ich möchte über meine Erfahrung aus Sicht eines Autofahrers berichten. Die Idee, die Autos vom Fußgängerbereich fernzuhalten, finde ich sehr richtig! Leider lässt sich aus dem Auto der Kantstein nur ungefähr abschätzen, so dass man beim Herantasten mit dem Fahrzeug bevor die Reifen den Kantsstein erreichen – mit der Schürze noch evtl. drüber streifend – bereits seine unten, vornesitzende Servopumpe abreist, was zu einem ganz erheblichen Motorschaden führen kann. So ist es mir mit meinem Golf 3 passiert. Daher frage ich mich, welcher „Praktiker“ auf diese Idee gekommen ist? Nico Jaeger

Stein in der Stirn
Hallo, habe den Aufruf gelesen. Auch ich, Monika Voß (67), bin in der Fuhle am 23. Februar um 15 Uhr über einen Kantstein gestürzt. Auf meinem Weg wollte ich die Fuhle queren, da die Sicht aber durch Bauzäune blockiert war, bin ich völlig überraschend über einen grauen Kantstein auf mein linkes Knie und auf meine Stirn gefallen. Da meine Stirn stark blutete wollten Passanten einen Rettungswagen rufen. Mein Hausarzt entfernte einen Stein aus meiner Stirn, und versorgte meine Wunde. Ich hatte Kopfschmerzen eine kaputte Brille und Schmerzen im Knie. Monika Voß

Gehhindernisse
Ich bin froh, dass Sie dieses Thema im Wochenblatt ansprechen! Wir wohnen direkt an der Fuhlsbüttler Straße und gleich nach dem man aus der Tür raus kommt, trifft man diese Gehhindernisse. Ich bin schon mehrmals fast umgefallen, obwohl ich weiß, dass sie da sind. Es wäre schön, wenn man sie beseitigen würde. Inna Gass

Verletzungen im Gesicht
Auch ich bin fürchterlich über den Kantstein beim Verlassen des Autos gefallen. Schlimme Verletzungen im Gesicht und am Knie und starke Prellungen. Meine gute Gleitsichtbrille war hin. Brigitte Pätzel

Stellungnahme vom Verkehrsclub
Ich kann Ihnen kein weiteres konkretes Beispiel nennen. Es stellt sich aber im Vorwege der Diskussion die grundsätzliche Frage, warum überhaupt Schrägparker auf dem neu gepflasterten 'Boulevard' stehen müssen. Es ist zu befürchten, dass von verantwortlicher Seite diese Frage mit dem 'vorhandenen Parkdruck' begründet wird. Die nächste Frage wäre, warum Fußgänger nach Queren der Straße gezwungen sind, sich zwischen parkenden Autos durchzuzwängen. Das lässt sich teilweise dadurch erklären, dass die Abstände zwischen regulären Querungsmöglichkeiten zu groß sind. Zebrastreifen, die helfen könnten, werden nicht gebaut.
Vor 15 Jahren hatte die Schill-Partei durchgesetzt, dass massenhaft Poller verschwanden. Die Installation neuer Poller wird seitdem sehr zurückhaltend geplant. Im hier geschilderten Fall wären sie aber eine bessere Alternative zu den Stolperfallen. Ganz auf Barrieren zu verzichten wäre die schlechteste Lösung, wie sich auch aktuell an den Stellen zeigt, die 'wild' zugeparkt werden.

Thomas Hübener
Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Nord e. V. (VCD)


Glück gehabt
Liebe Redaktion,
ich bin selbst 2x doll gestolpert und konnte mich zum Glück jeweils doch noch fangen, um einen Sturz zu verhindern. Der Verkäufer vom Multishop war einmal Zeuge und auch ganz erschrocken.
M. Gießler



Dagmar Repolust stolperte im Februar und stolperte schwer. Sie schrieb einen Brief an die Stadt. Eine Antwort hat sie bis heute nicht bekommen. Der Brief wurde an die zuständige Behörde, Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer, weitergeleitet, heißt es von der Innenbehörde.


Parkplatzbegrenzung an der Fuhlsbüttler Straße als Unfallquelle
Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen der Sanierung der Fuhlsbüttler Straße wurden – unter anderem – auch die neu eingerichteten Parkplätze zwischen Hellbrookstraße und Drosselstraße mit Steinschwellen versehen. Diese sind rund 15 Zentimeter hoch und über einen Meter lang, sowie zur Straßenseite hin abgeschrägt, vermutlich um Frontschäden an den einparkenden Autos zu minimieren. Das Material ist dunkel und somit sind diese Hindernisse besonders bei Dunkelheit und Nässe kaum zu erkennen. Sie können deshalb für Fußgänger, die zum Fahrbahnrand wollen, eine böse Stolperfalle werden.
Ich spreche aus Erfahrung, denn ich bin am Donnerstag, den 25. Februar über so eine Steinschwelle gestolpert, schwer gestürzt und mit dem Kopf auf dem Fahrradstreifen gelandet. Soweit ich es bisher absehen kann, hat mir dieser unfreiwillige Flug schwere Prellungen und eine Woche Krankschreibung eingebracht. In der nahe gelegenen Elefanten-Apotheke erfuhr mein Mann, dass noch mindestens zwei weitere Personen über diese Schwellen gestürzt sind. Ausgeschlagene Zähne und ein gebrochener Arm sollen die Folge gewesen sein.
Bevor noch mehr – und noch Schlimmeres – passiert, ist es aus meiner Sicht unbedingt notwendig, hier für die Verkehrssicherheit der Passanten, auch der Radfahrer und Autofahrer, die in ihr geparktes Fahrzeug einsteigen oder es verlassen wollen, zu sorgen. Ein heller, reflektierender Anstrich, durch den diese Hindernisse auch bei Dunkelheit und Nässe gut zu erkennen sind, wäre eine erste, wichtige Maßnahme. Reflektierende ‚Katzenaugen‘ in ausreichender Menge könnten eventuell auch für gute Erkennbarkeit sorgen. Sollte ich mit meinem Anliegen bei Ihnen nicht richtig sein, bitte ich um Weiterleitung an die entsprechende Stelle. Ich würde mich freuen, wenn die ‚Stolpersteine‘ möglichst schnell ‚entschärft‘ werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dagmar Repolust



Betroffene können sich auch weiterhin beim Wochenblatt unter wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de melden

Leserbriefe stellen nicht die Meinung der Redaktion dar. Eventuelle Kürzungen behalten wir uns vor. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Wenn auch Sie zu unseren Themen Stellung beziehen wollen, dann schreiben Sie bitte an das HAMBURGER WOCHENBLATT, Leserbrief-Redaktion, Postfach 70 21 51, 22021 Hamburg oder auch per Email an leserreporter@hamburger-wochenblatt.de
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
12
Gerrit Moritz aus Barmbek | 03.05.2016 | 16:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige