Stolperfallen bekommen einen Satz „weiße Ohren“

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„Weiße Ohren“ für die Anfahrborde: Glasperlen in der Farbe sollen das Licht reflektieren und so die „Stolperfalle“ sichtbar machen Foto: Heume/Grafik: Kühn
 
Erst zwei Baumscheiben wurden fertiggestellt Foto: ruh

Nachbesserung auf der Fuhle bis Ende Juli: Bordsteine werden angemalt

Von Ruth Heume
Barmbek
Auf der Fuhle soll es jetzt Nachbesserungen geben. Die Kantsteine etwa sollen „weiße Ohren“ bekommen. Sie sehe einen „Silberstreifen am Horizont“, so drückte es Käthe Fromm vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) in der Sitzung des Sanierungsbeirats in der vorigen Woche aus. Die Teilnehmer – Vertreter von Anwohnern, Gewerbetreibenden und kulturellen Einrichtungen im Sanierungsgebiet rund um die Fuhlsbüttler Straße – würden das gerne glauben. Aber ihnen reißt langsam der Geduldsfaden. Die Bauarbeiten an der Fuhle scheinen kein Ende zu nehmen – das Wochenblatt hatte erst im Mai darüber ausführlich berichtet. Immer noch fehlen die Baumscheiben. Stattdessen: hässliche Zäune, eine undurchsichtige Verkehrssituation und vor allem Parkplatzmangel. Besonders die Einzelhändler sind sauer. Auch wenn zurzeit noch wenig darauf hindeutet: Bis Ende Juli soll der untere Bereich der Fuhle, zwischen Drosselstraße und Hellbrookstraße, fertig sein, der nördliche Teil bis spätestens Anfang Oktober. Dann sollen alle Baumscheiben montiert und die Zäune verschwunden sein. Die Fertigung der Baumscheiben aus Metall habe sich aufgrund des bestehenden Wurzelwerks als zu kompliziert erwiesen. Daher werde man diese Art nur bei 15 der insgesamt 43 Bäumen einsetzen. Für die restlichen Bäume ist eine einfachere, schnellere und vermutlich kostengünstigere Lösung geplant: Diese Baumscheiben sollen aus Basalt gefertigt werden – in Farbe und Material ähnlich den sogenannten Anfahrborden, den Wochenblatt-Lesern besser bekannt als „Kantsteine“ oder „Stolperfallen“. Auch dieses Ärgernis war ein heißdiskutiertes Thema im Sanierungsbeirat. Gerade hatte sich wieder ein Leser gemeldet, der über die Anfahrborde gestolpert war. Und auch Buchhändler Ulrich Hoffmann, Vorstandsmitglied der IG Fuhle, berichtete von einem weiteren, tragischen Fall. Der LSBG kommt nun mit einer Lösung: Die Anfahrborde werden bis Ende Juli mit „weißen Ohren“ versehen, erklärte Käthe Fromm. Das bedeutet, dass die quaderförmigen anthrazitfarbenen Borde rechts und links, sowie an den Stirnseiten, mit weißer Farbe versehen werden. Auf diese Farbe werden zusätzlich Glasperlen gestreut, die einen reflektierenden Effekt haben. Vielen Mitgliedern des Sanierungsbeirats ist das nicht genug. Sie fordern stattdessen Fahrradbügel oder gar die völlige Abschaffung der Stolperfallen. Für Fahrradbügel sei jedoch zwischen den Parkplätzen und dem Radweg kein Platz. Und die Abschaffung der Hindernisse würde dazu führen, dass Autos zu weit auf den Bürgersteig fahren, so Käthe Fromm. Sie bleibt dabei, auch was die unübersichtliche Regelung an der Einfahrt der Drögestraße angeht: Es sei nun mal eine neue und ungewöhnliche Situation. Daran müssen sich alle erst gewöhnen und dementsprechend die Augen offenhalten. Ein weiterer Stein des Anstoßes war die Kleinbepflasterung an den Häuserwänden. Steine hatten sich gelockert, breite Fugen waren entstanden, die sich schnell mit Zigarettenkippen gefüllt hatten. Hier wurde jedoch bereits Abhilfe geschaffen. Die Fugen wurden mit Beton gefüllt und mit Epoxidharz abgeschlossen. Die Arbeiten sind weitestgehend beendet. Wird die Fuhle also nun endlich bald zu der geplanten attraktiven Flaniermeile? Einige der Einzelhändler sind da anderer Meinung. Beklagt wird weiterhin das helle Pflaster, das sehr schmutzempfindlich sei. Zusätzliche Reinigungsmaßnahmen seien aber nicht im Budget, bestätigte Jasmin Castro Frenzel vom Bezirksamt. Das größte Problem jedoch, so Fischhändler Thomas Giesler, sei die reduzierte Zahl der Parkplätze. Das Fischgeschäft Giesler ist seit 1982 am Standort. Die Fuhle sei „ein einziger Problembereich“, so Giesler. Viele seiner Kunden wohnten im Norden Hamburgs und kämen auf dem Heimweg vorbei, um ihre Einkäufe zu tätigen. Jetzt blieben diese Kunden mangels Parkplätzen aus. Allerdings wurde das Parkproblem auf dem Empfehlungsportal Yelp bereits 2010 von einem Kunden bemängelt. So heißt es dort: „Was hab’ ich hier schon fluchend meine Runden gedreht. Aber für Fisch von Giesler nehme ich das schon einmal in Kauf“. Es gibt jedoch nicht nur negative Stimmen. Rüdiger Wendt, Bezirksabgeordneter (SPD), betonte, er erhalte durchaus auch positive Rückmeldungen von Bürgern. Zur Problematik auf der Hufnerstraße – hier fehlt noch der Radstreifen zwischen Drosselstraße und Drögestraße stadtauswärts – äußerte Käthe Fromm, dieser Teil werde erst nach Abschluss der Hochbauten am Barmbeker Bahnhof in Angriff genommen. Solange müssen sich Anwohner wohl damit abfinden, dass Radfahrer den Bürgersteig benutzen. Zur geänderten Einbahnstraßenregelung in der Diesterwegstraße schließlich, erklärte Carolin Ahrens von der BIG Städtebau, diese Regelegung sei seinerzeit im Beteiligungsverfahren explizit so gewünscht worden.
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3 Kommentare
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 07.07.2016 | 20:51  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 10.07.2016 | 10:39  
392
Michael Kahnt aus Barmbek | 26.07.2016 | 10:06  
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