Tempo 30 auf der Fuhle gefordert

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Ginge es nach dem Verkehrsclub Deutschland, sollten Autofahrer auf der Fuhlsbüttler Straße durchgängig 30 km/h fahren Foto: Steiffert
 
Thomas Hübener vom VCD Foto: privat

Verkehrsclub (VCD) fordert „langsame Basisgeschwindigkeit“ und Abschaffung der Schrägparkplätze

Von Misha Leuschen
Barmbek
Bauarbeiten, Staus, zugeparkte Radwege – Anwohner und Verkehrsteilnehmer leiden schon seit Monaten unter den Zuständen an der Fuhlsbüttler Straße. Nun fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) durchgehend Tempo 30 auf der Fuhle, um Anwohner und Verkehrsteilnehmer zu entlasten. Das Wochenblatt sprach mit VCD-Vorstandsmitglied Thomas Hübner.

Wochenblatt: Mehr Sicherheit, weniger Lärm, ein flüssigerer Verkehr, bessere Übersichtlichkeit sind gute Argumente für Tempo 30. Welche Argumente sprechen dagegen?
Thomas Hübener: Als Argument für die Beibehaltung der aktuellen Tempo-50-Regelung wird meist der Wirtschaftsverkehr und die letztlich ausgefahrene Geschwindigkeit (‚Man muss ja vorankommen‘) als Ausdruck individueller Freiheit genommen. Rational geht es aber darum, möglichst zügig vom Start- zum Zielpunkt zu kommen und da zählt die Durchschnittsgeschwindigkeit. Die ist in einer Straße wie der Fuhle mit so vielen Interessen mit Tempo 30 gleichmäßiger und sicherer zu erreichen. Verkannt wird auch, dass gerade in der Fuhlsbüttler Straße Menschen leben, arbeiten und einkaufen. Sie haben Interesse an einem sicheren Lebensraum.

WB: Der VCD fordert Tempo 30 als Basisgeschwindigkeit in Ortschaften, weil der ständige Tempowechsel den Verkehr unübersichtlich macht. Konterkariert eine Einzelmaßnahme von Tempo 30 auf der Fuhle dieses Ziel?
Hübener: Sie kann nur eine Zwischenlösung sein. Wir haben seit unserem fast 30jährigen Bestehen das Ziel formuliert, dass es diese Basisgeschwindigkeit mit verantwortbaren Ausnahmen geben soll. Langsam öffnet sich die Politik für diese Argumentation. Da helfen zunächst Einzelbeispiele wie die Fuhle, an denen man erleben kann, dass Tempo 30 gar nicht so bedrohlich ist.

WB: Welche Erfahrungen hat man in HH bereits mit Tempo 30 auf einer Hauptverkehrsstraße gemacht?
Hübener: Ein gutes Beispiel ist der Alte Teichweg, der beständig eine Tempo-30-Strecke ist. Viele Argumente wurden damals vor der Einführung abgewogen. Zu Stauzeiten käme man auch bei Tempo 50 nicht schneller als bei Tempo 30 voran. Der Sicherheitsaspekt kommt zum Tragen, wenn bei Verkehrsfluss beispielsweise zwischen Radverkehr und Autoverkehr nur geringe Geschwindigkeitsunterschiede sind.

WB: Nochmal zurück zur Fuhle. Sie kritisieren das Schrägparken als eine Unfallquelle für Radfahrer. Was ist in Ihren Augen eine Alternative?
Hübener: Das Schrägparken ist eine Antwort der Verkehrsplaner auf den heute vorhandenen Parkplatzbedarf. Wenn man weiß, dass es am Zielort kaum Parkplätze gibt, überlegt man sich schon, ob man für das Paket Butter oder die Pommes das Auto bemüht. In der Fuhlsbüttler Straße wurden Fuß-, Fahrrad- und Busverkehr gestärkt, damit sie eine echte Alternative sind. Also sollte man auch darauf vertrauen, dass diese Maßnahme wirkt. Kurz: Weniger Parkplätze wären eine weitere Stärkung der Alternativen.

WB: Sie sehen die Querungsmöglichkeiten für Fußgänger an der Fuhle als problematisch. Warum?
Hübener: Fußgänger haben andere Wege als die übrigen Verkehrsteilnehmer. Es gibt ängstliche und mobilitätsbehinderte Menschen. Zebrastreifen und Ampeln werden von den meisten Autofahrern noch respektiert. Die heutigen ‚Querungshilfen‘ mit Sprunginseln vermitteln eine Scheinsicherheit bzw. machen es vielen Menschen unmöglich, eine Straße zu queren. Sie müssen lange Wege zurücklegen, um an ein nahes Ziel zu gelangen.
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