Tempo 30 für gesunden Schlaf?

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Die Straße Braamkamp in Winterhude zählt zu den lautetesten im Bezirk Hamburg-Nord. Die Grünen fordern 30 km/h nachts, Verkehrsbehörde prüft die Eignung Foto: Barth

Behörden haben Lärm der Hauptverkehrswege im Visier. Hamburger Straße in Barmbek ist am lautesten

Hamburg-Nord 92 Straßenzüge im Bezirk sind nachts zu laut. Das ergab eine Anfrage der Grünen Hamburg-Nord an den Senat, die von der Innen- und der Umweltbehörde beantwortet wurde. Hamburgweit hat die Verkehrsbehörde 40 Straßen im Visier, bei denen nachts der Lärm durch Tempo 30 gedrosselt werden soll. In den 92 Straßen in Nord liegt der Dezibelwert über 60 dB(A), dem von Hamburg festgelegten Wert, dessen Überschreitung Lärmminderungsmaßnahmen zur Folge haben müssen. Die Grünen fordern eine nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h. Christoph Reiffert, umweltpolitischer Sprecher der Nord-Grünen: „Hamburg hat ein Lärmproblem, das zum größten Teil auf dem Straßenverkehr beruht. Hier muss schneller gehandelt werden. Denn besonders nächtlicher Lärm macht krank. Menschen, die dadurch an Schlafstörungen leiden, haben ein höheres Risiko zu erkranken.“ Das Beispiel Berlin zeige, dass es ganz einfach sein kann, so der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Norden, Thorsten Schmidt. Dort gelte an immer mehr großen Straßen nachts ein Tempolimit von 30 km/h.
Nach einer sogenannten EU-Umgebungsrichtlinie sind Lärmaktionspläne gefordert, die 2009 zur Einrichtung von Lärmforen führten. Derzeit werden Pilotmaßnahmen durchgeführt. Keine davon liegt in Hamburg-Nord. Eine vorgesehene Maßnahme Braamkamp wurde nicht umgesetzt. Dabei ist der Braamkamp nachts die lauteste Straße in Winterhude und Eppendorf. Die Werte schwanken zwischen 61 und 67 dB(A). Auch auf der Fuhlsbüttler Straße war das Pilotprojekt geplant, wurde dann aber nicht umgesetzt. Spitzenreiter bei den lautesten Straßen ist die Hamburger Straße in Barmbek, an der bis zu 69 Dezibel ermittelt wurden.
Gleich 24 der 92 Straßen aus Hamburg-Nord mit Werten von bis über 61 dB(A) liegen in Winterhude, Alsterdorf, Groß Borstel und Eppendorf. Hohe Werte wurden auch an der Barmbeker Straße, der Tarpenbekstraße (bis 66) und der Hudtwalckerstraße (bis 65) gemessen. Die weiteren Straßen: Borgweg, Borsteler Chaussee, Deelböge, Eppendorfer Baum, Eppendorfer Landstraße (Ludolf- bis Martinistraße), Eppendorfer Marktplatz, Heinickestraße, Hoheluftchaussee (Neumünstersche Straße bis Eppendorfer Weg), Lenhartzstraße, Lokstedter Weg, Maienweg, Martinistraße, Mühlenkamp, Nedderfeld, Ohlsdorfer Straße (Winterhuder Marktplatz bis Himmelstraße), Rosenbrook, Sengelmannstraße (Brabandstraße bis Alsterdorfer Markt), Spreenende und Winterhuder Marktplatz. Christoph Ploß von der CDU Hamburg-Nord ist gegen den Vorschlag der Grünen: „Wer Hauptverkehrsstraßen zu Tempo-30-Zonen macht, sorgt dafür, dass sich der Verkehr in die Wohnstraßen verlagert. Das ist der völlig falsche Weg.“
Die Verkehrsbehörde prüft schon die Möglichkeit nächtlicher Tempolimits, wie Sprecher Richard Lemloh dem Wochenblatt bestätigt. Allerdings nicht alle Straßen, bei denen eine erhöhte Lärmbelastung vorliegt.
Zunächst werden die 40 nach den Berechnungen am stärksten belasteten Straßen in Hamburg bearbeitet – dazu gehören im Bezirk Nord auch der Braamkamp, Hudtwalcker Straße und Ohlsdorfer Straße, Tarpenbekstraße, Wartenau, Mühlendamm, Nordschleswiger Straße und Am Schulwald. Die Hamburger Straße in Barmbek ist allerdings nicht dabei. „Die genannten Straßen werden derzeit auf die Eignung zur Absenkung der nächtlichen Höchstgeschwindigkeit untersucht“, so Lemloh. (ch/ba)
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