Teures Wohnen in Barmbek?

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SPD-Bürgerschaftsabgeordneter Dr. Sven Tode im Interview

Barmbek. Ein Wohnungsmarktgutachten im Auftrag des Bezirksamtes Nord brachte einiges Überraschendes über Barmbek und Dulsberg zutage (das WochenBlatt berichtete). Dass Barmbek als Single-Metropole gilt, ahnte man schon: Der Anteil von Singlewohnungen liegt bei 70 Prozent. Vor allem junge Neuhamburger finden die beiden Stadtteile attraktiv. Nur jeder zehnte Haushalt ist ein Familienhaushalt, 43 Prozent davon sind alleinerziehende Familien. Über Einsichten und Aussichten des Gutachtens sprach das WochenBlatt mit Dr. Sven Tode (SPD), Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft.

WochenBlatt: Was war die überraschendste Erkenntnis aus dem Gutachten?
Dr. Sven Tode: Überraschend war für mich, wie sehr vor allem Barmbek in den letzten Jahren ein junger Stadtteil geworden ist. Das belebt die Stadtteile natürlich. Andererseits wird es in Barmbek für Familien mit Kindern immer schwieriger, hier herziehen oder bleiben zu können. Und auch für manch Ältere wächst offenbar der Druck, Barmbek zu verlassen. Das sind alarmierende Befunde.

Welche Bedeutung hat das zu erwartende Wachstum für die Stadtteile?
Das Wachstum belebt die Stadtteile. Und mehr Menschen mit zum Teil höheren Einkommen schaffen natürlich mehr Kaufkraft, das ist vor allem gut für den lokalen Einzelhandel und die Infrastruktur. Das Risiko sehe ich hauptsächlich darin, dass angestammte Bewohnerinnen und Bewohner verdrängt werden, die sich, zum Beispiel in Folge von energetischen Sanierungen, irgendwann die erhöhten Mieten nicht mehr leisten können.

Beide Stadtteile haben einen hohen Anteil an jungen Bewohnern. Was braucht es, um sie dazu zu bewegen, in den Stadtteilen zu bleiben?
Was wir dringend brauchen, sind mehr größere Wohnungen, die auch für junge Familien mit geringeren und normalen Einkommen bezahlbar sind. Deshalb drängen und achten wir darauf, dass bei den großen Neubauvorhaben vor allem solche Wohnungen entstehen. Auch die Zusammenlegung von kleinen Wohnungen im Bestand zu größeren ist eine gute Möglichkeit, die wir fördern werden. Und was wir natürlich auch brauchen, ist eine gute Infrastruktur für junge Familien, also vor allem Kitas und Schulen. Deshalb freue ich mich, dass es uns in diesem Jahr gelungen ist, in Barmbek-Süd in der Humboldtstraße 89 eine neue Stadtteilschule einzurichten.

Wie kann Politik auf den Wohnungsmarkt einwirken?
Wir haben den Neubau angekurbelt und dabei einen Mindestanteil von 30 Prozent geförderten, also günstigen Mietwohnungen durchgesetzt. Wir kämpfen auf Bundesebene für Verbesserungen im Mietrecht, die den erlaubten Mietanstieg stärker begrenzen. Und wir werden mindestens in einem größeren Gebiet in Barmbek-Nord eine sogenannte soziale Erhaltensverordnung auf den Weg bringen, mit der die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen erschwert und damit die Verdrängung von Bewohnern verhindert wird.

Was wünschen Sie sich darüber hinaus für Barmbek und Dulsberg?
Ich wünsche mir, dass Barmbek und Dulsberg einerseits ihr typisches Gesicht behalten mit den herrlichen Rotklinkerbauten, andererseits moderne Stadtteile mit neuen, passenden Gebäuden und einer modernen Infrastruktur sein werden. Ich wünsche mir, dass das gute Kulturangebot weiter wächst, vor allem durch die Anbauten beim Bürgerhaus und der Zinnschmelze, die wir möglich gemacht haben. Ich wünsche mir eine fertig sanierte, attraktiv runderneuerte Gegend rund um den Barmbeker Bahnhof und die Fuhlsbüttler Straße, mit einem starken Einzelhandel und einer guten Nahversorgung für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Und ich wünsche mir, dass wir mit der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und junge Eltern weit vorangekommen sein werden – bei allen U- und S-Bahnhöfen werden wir das bis 2020 umsetzen.
Interview: Misha Leuschen
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