Uhus in Hamburger Kleingarten

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„Heimat“-Bewohner freuen sich über seltenen Besuch

Hamburg. Sie sind immer noch die Sensation: Schon seit Mitte Juli werden sie regelmäßig gesehen. Zwei junge Uhus tummeln sich, gerade flügge geworden, im Kleingartenverein „Heimat“, zwischen der Alten Wöhr und der City Nord gelegen. Ab und zu sitzen sie zusammen, um den Tag zu verschlafen, als bevorzugtes Versteck dienen Baumkronen, umgeben von
Dickicht. In der Dämmerung gehen sie jedoch getrennt auf die Jagd, und verspeisen ihre Beute – Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Tauben – auch unter Beobachtung der Kleingärtner.

Uhus beobachten

„Die Uhus waren schon länger abends auf dem seit Jahren leerstehenden BP-Gebäude zu sehen“, weiß die passionierte Kleingärtnerin Rita Weschenbach. Mit einer Video-Kamera hält sie ihre Beobachtungen fest. Auch Garten-Kollegin Petra Burmester geht gerne abends auf die Pirsch, notierte zwölf Begegnungen mit den Uhus, meistens in den Gärten, einmal sah sie ein Tier auch auf dem Senvion-Gebäude. „In der City Nord tummeln sich ja viele Kaninchen und Tauben, auf die haben sie es abgesehen.“ Und zum Kröpfen ihrer Beute kämen sie gerne in die Gärten. „Sie lieben wohl unseren Wildwuchs“, sagt Maria Nitkowski. In ihrem Garten tummeln sich viele Schmetterlinge, gerade hat sie Molche und eine blaugrüne Mosaikjungfer im Teich beobachtet, eine riesige Libelle, in Hamburg selten geworden. Während Lioba Klaas neben einem Uhu auch sieben Bienenvölker beherbergt, ebenso ein Hornissennest. Auch Uwe Puttfarcken gibt dem Wildwuchs eine Chance, 176 wilde Pflanzenarten hat er schon in und um seinen Garten gezählt. 41 Vogelarten seien schon erfasst worden, davon 32 Brutpaare. Fehlen noch die Uhus, die hier heimisch werden könnten. Die Kleingärtner überlegen, ob eine künstliche Nisthilfe in hohen Bäumen für sie sinnvoll sei. Denn demnächst soll das ehemalige BP-Gebäude abgerissen werden, das den Altvögeln seit Jahren als Brutplatz dient. Aber auch die Kleingärten der „Heimat“ und der südlich gelegenen „Barmbeker Schweiz“ sollen ab Ende 2015 dem Bauprojekt Pergolenviertel weichen. Wogegen die Parzelleninhaber seit 2012 protestieren (das Wochenblatt berichtete). Nachdem in der vorigen Woche die Frist für Eingaben endete, läuft weiterhin eine Online-Petition „für den Erhalt der Klimaschutzzone Pergolenviertel“auf eden-fuer-jeden.de (wh)

Info:
Erst 1993 gäbe es wieder einen Brutnachweis in Hamburg, nachdem sie hier schon im 19. Jahrhundert ausgerottet wurden, sagt der Nabu-Vogelexperte Marco Sommerfeld. „Die Vögel stammen von in Schleswig-Holstein Anfang der 1980er Jahre ausgewilderten Tieren und breiten sich im Norden Hamburgs allmählich aus.“
Über die „Kleingärten-Uhus“ berichtet der Hamburger Vogelexperte Gerhard Brodowski auf seiner Website ausführlich: brodowski-fotografie.de(wh)
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