Umstrittene Themen auf Tagesordnung

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Landarbeiterhäuschen-Mieter Sven Feldt liebt das idyllische Areal und will es unbedingt erhalten Foto: Barth

Busbeschleunigung, Pergolenviertel, „Langer Jammer“: die Bezirksversammlung am 19. März könnte hitzig werden

Hamburg-Nord So einige Themen, die in den vergangenen Monaten die Emotionen hoch kochen ließen, stehen in der nächsten Bezirksversammlung Hamburg-Nord am Donnerstag, 19. März, auf der Tagesordnung, die um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Bezirksamtes, Robert-Koch-Straße 17, beginnt. Die Einbindung von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in die „Busoptimierung“, als Busbeschleunigung vielfach in der Kritik, im Hofweg und in der Papenhuder Straße zum Beispiel sowie Planungen am Borgweg. Auch das Bürgerbegehren für den Erhalt des alten Brauhauses, das bereits abgerissen wurde, und die drei Kastanien davor, die schon gefällt sind, werden Thema sein.
Dabei geht es um Zulässigkeitsprüfungen. Über den Fahrradverkehr in der Sierichstraße wird ebenfalls gesprochen – und über ein großes Bauvorhaben, das bereits für Ärger sorgte.

Gericht macht Weg für Bezirks-Chef frei


Es gibt Neues zum Pergolenviertel: Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hat in einem Beschwerdeverfahren entschieden, dass die Bezirksversammlung des Bezirksamts Hamburg-Nord über die Zustimmung zum Bebauungsplan „Pergolenviertel“ trotz des dagegen gerichteten Bürgerbegehrens entscheiden darf. Mit dem Bürgerbegehren „Eden für Jeden“ soll erreicht werden, dass die Bezirksversammlung ihre Zustimmung zu einem Bebauungsplan verweigert, mit dem im Pergolenviertel die Voraussetzungen für eine Wohnbebauung geschaffen werden. Auf dem Areal befinden sich gegenwärtig Kleingartenanlagen (das Wochenblatt berichtete). Nachdem der Senat das Bezirksamt angewiesen hatte, das Bebauungsplanverfahren zügig durchzuführen, hat das Bezirksamt das Bürgerbegehren aufgrund der Bindungswirkung der Senatsanweisung für unzulässig erklärt.
Hiergegen ist eine Klage bei dem Verwaltungsgericht Hamburg anhängig. Bezirksamtsleiter Harald Rösler: „Die Gerichtsentscheidung zu unseren Gunsten habe ich so erwartet. Jetzt kann die Bezirksversammlung am Donnerstag endlich die Beschlussfassung vornehmen, die sie ursprünglich schon für Dezember letzten Jahres angesetzt hatte. Durch die Klage wurde das Verfahren aber so verzögert, dass der reguläre jährliche Kündigungstermin für Kleingärten Anfang Februar nicht mehr erreicht werden konnte. Der Bau der mit dem Plan vermachten 1.400 Wohnungen, davon 60 Prozent öffentlich gefördert, wird sich dadurch voraussichtlich verschieben.“

„Langer Jammer“ steht auch auf der Agenda


Weiter auf der Tagesordnung: der „Lange Jammer“ an der Hebebrandstraße. Die Piraten wollen eine Unter-Denkmalschutzstellung der alten Landarbeiterhäuschen.
Auch Sven Feldt ist höchst gespannt, was mit den zehn Landarbeiterhäuschen passiert. Der Mieter aus der Hebebrandstraße 8 meldete sich nach einem Bericht im Wochenblatt bei der Redaktion. Feldt zeigte sich höchst erstaunt, dass die über hundert Jahre alten Häuschen nicht schon unter Denkmalschutz stehen. „Ich wollte schon ein paar Mal Veränderungen vornehmen, zum Beispiel einen höheren Gartenzaun aufstellen - aber das wurde mir von der Wohnungsverwaltung SAGA GWG untersagt.“ Es solle alles einheitlich bleiben, habe man das damals begründet.
Mittlerweile haben Finanzbehörde und SAGA mitgeteilt, dass der „Lange Jammer“ doch nicht – wie zuerst verkündet – in den Besitz der Wohnungsbaugesellschaft übertragen wurde. Behördensprecher Daniel Stricker bedauert die Fehlinformation. Richtig sei: „Die Flächen und Immobilien Hebebrandstraße 8 befinden sich weiterhin im Eigentum des Landesbetriebes Immobilienmangement (LIG). Derzeit laufen Gespräche über eine zukünftige Nutzung der Flächen, die nach dem Bebauungsplan Barmbek Nord 13 von 2006 für eine höherwertige MK-Nutzung (Kerngebiet) vorgesehen sind.“ Diese Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen, sodass Stricker hier noch keine weitergehenden Auskünfte geben kann.

Häuser stark verfallen


Was genau bedeutet die Kerngebietsausweisung „MK-Nutzung“? Katja Glahn vom Bezirksamt klärt auf: „Kerngebiete dienen vorwiegend der Unterbringung von Handelsbetrieben sowie der zentralen Einrichtungen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Kultur. Wohnen ist ausnahmsweise erlaubt.“
Nun scheint auch klar, weshalb der LIG die seit Jahren leerstehenden vier Häuser weder sanierte noch weiter vermietete. Laut Mieter Sven Feldt habe es nämlich etliche Interessenten gegeben, die gerne auch alles selbst Instand gesetzt und saniert hätten. Auch das von ihm und seiner Mutter nebenan bewohnte Häuschen benötigen dringend eine Sanierung: „Die Wände sind feucht und es schimmelt.“ Sven Feldt und seine Mutter wohnen seit den 1970er Jahren im „Langen Jammer“. Der 41-Jährige ist hier aufgewachsen und noch immer begeistert von dem kleinen Idyll mitten in Barmbek-Nord. „Das wäre wirklich schlimm, wenn das hier alles abgerissen würde“, sagt er und will sich jetzt auch – wie der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sven Tode, die Geschichtswerkstatt Barmbek und die Willi-Bredel-Gesellschaft – für den Schutz und Erhalt der Landarbeiterhäuschen stark machen.
Der LIG – respektive ihr Sprecher Daniel Stricker – jedenfalls betrachtet das Areal als „Potentialfläche, auf der nach B-Plan eine höherwertige Nutzung entstehen soll. Dies ist auch stadtentwicklungspolitisch gewollt. Insofern würde eine langfristige Neuvermietung keinen Sinn ergeben, wenn man mittelfristig eine andere Nutzung anstrebt.“
Die Piraten stellen am Donnerstag einen Antrag für den Denkmalschutz der Häuserzeile. (ba)
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5 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 19.03.2015 | 06:20  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 23.03.2015 | 07:08  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 24.03.2015 | 09:03  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 18.05.2015 | 09:35  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 20.05.2015 | 08:11  
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