„Unsere Schule ist einmalig!“

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Heino Schäfer hat die Oberstufe an der Winterhuder Reformschule mit aufgebaut und leitet sie seither. „Wir sind mächtig stolz auf unseren ersten Abi-Jahrgang. Alle 48 Schüler haben bestanden, zehn von ihnen mit einer Eins vor dem Komma.“ Foto: Busse

Zehn Jahre Winterhuder Reformschule: Oberstufenleiter Heino Schäfer im Interview

Hamburg. Heino Schäfer (52) ist Lehrer an der Winterhuder Reformschule (WIR). Mit dem WochenBlatt sprach der Leiter der Oberstufe über die Besonderheiten und die Herausforderungen an einer Schule, die anders ist als andere.

WB: Herr Schäfer, bevor Sie vor drei Jahren an die Reformschule kamen, waren Sie als Lehrer für Französisch und Latein an einem katholischen Gymnasium in Hamburg tätig. Was bedeutete der Wechsel für Sie?
Schäfer: Eine völlige Umstellung! Aber es hat mich auch unglaublich gereizt. Die Tätigkeit an der WIR erfordert von Lehrern mehr Teamarbeit untereinander genauso wie mit den Schülern.
Hier kann nicht jeder einfach seinen Stoff durchziehen, man ist viel mehr miteinander vernetzt und muss flexibel reagieren können. Gleichzeitig ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern leichter, entspannter und freudiger.

WB: Was unterscheidet die WIR von den Schulen, die die meisten von uns kennen und selbst erlebt haben?
Schäfer: Eine Schule wie unsere ist einmalig. Die Reformschul-Initiative, die vor über zehn Jahren auf die damalige Gesamtschule zukam, wollte Schule von Grund auf verändern. Sie wollte immer eine ‚Schule für alle‘ sein – ohne Wettkampf, wer der Beste ist. Wir gehen davon aus, dass jeder unterschiedliche Begabungen und Leidenschaften hat, auf die man aufbauen kann. Außerdem verzichten wir soweit es geht auf Zensuren. Die gibt es nur in der 4., 9. und 10. Klasse und in der Oberstufe. Wir sind weg von der starren Fächereinteilung. Stattdessen wird der jahrgangsübergreifende Projekt-
unterricht ganz großgeschrieben, in dem die Schüler eigene Schwerpunkte setzen und Fachkompetenzen entwickeln.

WB: Was bringt das für den einzelnen Schüler?
Schäfer: „Weil alle Kinder, alle Jugendlichen sich in ihren Kenntnisse und in ihrem Können unterscheiden und verschiedene Lerntypen sind, ist es aussichtslos, gleichförmige Klassen zu erwarten. Jahrgangsgemischte Lerngruppen wie in unserer Grundschule, in Stufe 5 bis 7 und Stufe 8 bis 10 hingegen nutzen diese Vielfalt: Man lernt sich in unterschiedlichen Positionen kennen und erlebt sich auch selbst in verschiedenen Rollen. Ich war zum Beispiel in meiner Klasse immer der Jüngste und Kleinste. Diese Festlegung gibt es hier nicht, weil die Stellung immer wechselt.“
WB: Über die Herausforderungen, denen sich die Schüler der 8. bis 10. Klassen stellen, ist schon viel berichtet worden. Welche Herausforderungen werden an die Schule selbst gestellt und wo sehen Sie die größten Erfolge?
Schäfer: Ob Alpenüberquerung, Arbeiten auf dem Bauernhof oder Actionfilm drehen: Unsere Schüler lernen in den drei Wochen, an Grenzen zu kommen und sie zu überwinden. Ähnlich geht es uns auch. Es brauchte 2003 großen Mut, das gesamte System umzustellen und sich Freiheiten zu nehmen, die sich andere Schulen nicht nehmen. Nach wie vor ist es mordsmäßig viel Arbeit und kein einfacher Weg. Dazu gehört viel Herzblut und ein entschlossenes Kollegium. Unter unserem Schulleiter Martin Heusler hat sich ein starkes gemeinsames Gefühl entwickelt, aus dem heraus viel entstanden ist. Meilensteine sind sicher die Fusion von Grund- und Gesamtschule und der Aufbau der Oberstufe nach dem Reformschulkonzept.

WB: Dieses Jahr haben die ersten Schüler hier ihr Abitur gemacht. Was zeichnet sie Ihrer Meinung nach besonders aus?
Schäfer: Unsere Schüler, auch diejenigen, die mit der Haupt- oder Realschule abschließen, zeichnet es aus, dass sie über den eigenen Tellerrand blicken und aus verschiedenen Perspektiven auf einen Sachverhalt gucken können. Sie können gut ihre Arbeitsergebnisse präsentieren, denn das üben sie bei uns seit der Grundschule. Und sie haben eigene Interessen entwickelt, weil sie keinen fertigen Stoff vorgesetzt kriegen. Das alles macht sie fit für das, was später kommt. Sie überlegen sich sehr bewusst, was sie tun wollen. Von den Abiturienten haben sich übrigens viele für einen Auslandsaufenthalt entschieden.

WB: Welches sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Schäfer: An erster Stelle steht der Wunsch an die Behörden nach Planungssicherheit, die uns bei unserer weiteren inhaltlichen Entwicklung unterstützt. Dabei sind wir zuversichtlich, denn der Schulsenator betrachtet uns mit Wohlwollen. Außerdem freuen wir uns darauf, dass noch in diesem Jahr unsere neue Drei-Feld-Sporthalle eröffnet wird. Als nächstes nehmen wir den Neubau für die Oberstufe mit Aula und einem Teil der Grundschule in Angriff.
Interview: Christina Busse


Für Interessierte bietet die Winterhuder Reformschule, Meerweinstr. 26-28, folgende Info-Termine:
„Infoabend Oberstufe, für angehende Zehntklässler und ihre Eltern“, am Dienstag, den 15. Oktober, um 19 Uhr in der Pausenhalle „Eltern informieren Eltern, für Eltern angehender Fünftklässler“, am Donnerstag, 28. November, um 19.30 Uhr in der Pausenhalle „Eltern informieren Eltern, für Eltern angehender Vorschüler und Erstklässler“, am Donnerstag, 5. Dezember, um 19.30 Uhr in der Pausenhalle
„Tag der offenen Tür“, am Sonnabend, 11. Januar, von 11 bis 14 Uhr Mehr im Internet unter: sts-winterhude

2003 ging die damalige Gesamtschule Winterhude mit zwei 5. Klassen und neuem Konzept an den Start. Ihr Ziel: Eine staatliche Schule zu sein, an der alle Kinder nach reformpädagogischen Grundsätzen lernen. Nach zehn Jahren ist daraus die Winterhuder Reformschule mit rund 1.200 Schülern geworden – von der Vorschule bis zur Oberstufe. Das Besondere: Es wird jahrgangsübergreifend gelernt, die Schülern arbeiten sehr individuell und projektorientiert. Die Ganztagsschule mit angeschlossenem Hort, an der ein Haupt- oder Realschulabschluss genauso wie das Abitur möglich ist, gilt unter Experten als beispielhaft und findet in ganz Deutschland Beachtung.
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