Volksbund distanziert sich

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Der tempelartige Bau ist zentraler Punkt des Kriegsgräberfeldes auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Hier liegen Täter und Opfer der NS-Diktatur durcheinander. Foto: Biehl

Runder Tisch und Arbeitsgruppe: Aufklärung über „Krieger-Ehrenallee“ notwendig

Ohlsdorf. Die „Gemengelage“ auf dem Kriegsgräberfeld des Ohlsdorfer Friedhofes soll jetzt aufgearbeitet werden. Das hat sich eine Arbeitsgruppe vorgenommen, die kürzlich zu diesem Thema tagte. Wie das WochenBlatt berichtet hatte, wurden auf einer in den 1950er-Jahren gestalteten Fläche an der „Krieger-Ehrenallee“ unter dem Schild „Deutsche Soldatengräber“ auch zahlreiche Opfer der NS-Diktatur bestattet. Dieser Zustand ist bereits vor 20 Jahren in einem Buch dokumentiert worden und wird mindestens ebenso lange von Historikern kritisiert. Doch bisher gab es keine Beschilderung oder sonstwie geartete Information, die vor Ort auf die Opfer hinweist.
Das soll sich nun ändern. Nach dem WochenBlatt-Bericht lud der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VB) zu einem Runden Tisch. Der VB hatte die Anlage gestalten lassen. Die Hamburger VB-Sprecherin Dr. Ulrike Dorfmüller distanziert sich heute von der Gestaltung des Gräberfeldes und spricht von „verherrlichender Ästhetik“ und „Kalte-Kriegs-Metaphorik“. Vor diesem Hintergrund diskutierten jetzt Vertreter des VB, der Landeszentrale für politische Bildung, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), des deutschen Auschwitz-Komitees, der Gedenkstätte Neuengamme sowie der Friedhofsverwaltung über Lösungsmöglichkeiten. Eingangs habe ein früherer leitender Verwaltungsmitarbeiter erläutert, wie es zu dem Durcheinander auf dem Gräberfeld gekommen sei, sagte Dorfmüller dem WochenBlatt auf Nachfrage: „In der Nachkriegszeit wurden offenbar von den einzelnen Friedhöfen viele Gebeine angekarrt, und die Ohlsdorfer waren schlichtweg überfordert mit der richtigen Zuordnung.“
Die Teilnehmer des Runden Tisches seien sich schnell einig gewesen, dass die Aufarbeitung für ein Schüler- oder Studentenprojekt zu diffizil sei: „Wir werden damit einen Historiker beauftragen. Er beginnt im kommenden Jahr mit seiner Arbeit. Öffentliche Mittel stehen bereit“, sagte Ulrike Dorfmüller. Doch schon jetzt werde im Rahmen einer kleinen Arbeitsgruppe mit der Entwicklung einer Info-Tafel und eines erläuternden Faltblattes begonnen, so Dorfmüller: Diese Materialien sollen künftig an dem zentralen Punkt der Gräberanlage zu finden sein: an dem monströsen Tempelbau, der mit pathetischen Erinnerungsschwüren deutsches Soldatentum verherrlicht. (bcb)
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