Von Steilshoop zurück nach Ghana

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Reverend Clement Bonsu ist 65 Jahre alt und wird sich in seiner Heimat Ghana um Kinder in „seiner“ Schule kümmern Fotos: ts

Abschied von Reverend Bonsu am 25. August in der Martin-Luther-King-Kirche

Steilshoop. „Vor zwanzig Jahren stand er plötzlich vor meiner Tür“. So einfach und doch folgenreich war die erste Begegnung von Pastor Sönke Ullrich der Martin Luther King Kirche mit Reverend Clement Bonsu aus Ghana. Der Afrikaner arbeitete damals für die Gemeinschaft der Landeskirche als geistlicher Betreuer von Ausländern in Schleswig-Holstein, bis seine Stelle gestrichen wurde. Von da an war er ehrenamtlich tätig – von der Martin Luther King Kirche aus. Er engagierte sich hauptsächlich bei der Betreuung von Flüchtlingen und Abschiebehäftlingen.
Seelsorger für
Abschiebehäftlinge
Es war ebenfalls Pastor Ullrich, der darauf drängte, dass es für den Seelsorger eine halbe Stelle geben müsse, weil es nicht angehen könne, dass andere dieselbe Arbeit machen, dafür entlohnt werden, dieser Pastor aber nicht.
Seit elf Jahren ist Clement Bonsu, der hier in Hamburg mit seiner Frau in Mümmelmannsberg wohnt, jetzt Seelsorger für Abschiebehäftlinge in den Gefängnissen Billwerder, Fuhlsbüttel und Grasmoor. Der 65-Jährige spricht Deutsch, Englisch und Akan, eine afrikanische Sprache, die vornehmlich in Ghana gesprochen wird. So kann er sich mit Häftlingen aus nahezu allen Nationen unterhalten. Manchmal sind es einfache Sorgen, welche die Männer zwischen 18 und 30 Jahren in der Abschiebehaft drücken. Der Wunsch nach einer Zigarette oder die Benachrichtigung eines Verwandten – damit konnte Clement Bonsu helfen. Doch auch Gespräche mit suizidgefährdeten Personen gehörten dazu. „Es ist eine schwere Situation für manche. Sie haben viel Geld bezahlt, um hierher zu kommen, mit der Hoffnung auf Arbeit. Nun werden sie abgeschoben, stehen auch Zuhause vor dem Nichts“, beschreibt Clement Bonsu die Situation vieler Häftlinge.
Er wird eine Schule leiten
Gottesdienste hat er mit ihnen gefeiert, aber auch vertrauliche Einzelgespräche geführt. Lange Zeit hatte er sein Büro Tür an Tür mit Pastor Sönke Ullrich in der „Blauen Kachel“. Nun arbeitet er in einem Büro in Volksdorf. Aber auch das wird bald nicht mehr so sein. Am 25. August wird der Reverend um
11 Uhr feierlich mit einem Gottesdienst in der Martin Luther King Kirche verabschiedet, an dem auch Pröbstin Isa Lübbers teilnehmen wird. Am 5. September wird Reverend Clement Bonsu Deutschland verlassen. Von Ruhestand kann bei ihm indes nicht die Rede sein: Er wird als Leiter einer von ihm selbst gegründeten Schule in Ghana weitermachen. (ts)
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