Was wird aus der „Burg“?

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Im Jahr 2004 wurde die Bugenhagen-kirche geschlossen. Seither wird sie als Theater „Die Burg“ genutzt Foto: Archiv/ba
 
Burg-Intendantin Jennifer Rettenberg - hier vor historischem Uhrwerk im Glockenturm - will das Theater erhalten

Zu teuer: Kirchenkreis gibt 2016 die Bugenhagenkirche der Stadt zurück

Hamburg. Eigentlich läuft es gerade richtig gut für das Theater „Die Burg“. Intendantin Jennifer Rettenberg hat in der Bugenhagenkirche eine lebendige Kulturszene etablieren können, mit eigenen Produktionen und Gastspielen, mit tollem Kinderprogramm, Kulissenbau für andere Theater und Firmenevents. Die Zuschauer wissen das Angebot zu schätzen. 2014 kamen 23.000 Besucher, bis April bereits 20.000 und bis Ende 2015 rechnet die Intendantin mit 30.000, „vorsichtig geschätzt“.
Doch eine dringend notwendige langfristige Planungssicherheit ist für das Privattheater nicht in Sicht, im Gegenteil: 2016 wird der Kirchenkreis Ost die Immobilie an die Stadt zurückgeben. Der Grund: Die Kirche muss sparen. Deshalb stehen ihre Immobilien auf dem Prüfstand. „Ziel ist es, eine notwendige Anpassung des Gebäudebestandes an deutlich gesunkene Mitgliederzahlen zu schaffen. Die Bugenhagenkirche, die sich im Besitz des Kirchenkreises befindet, steht deshalb zur Disposition“, sagt Wolfgang Främke, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost. „Alle Überlegungen und Prüfungen auf andere kirchliche Nutzungen brachten nicht die Ergebnisse, die Bugenhagenkirche auch finanziell auf Dauer halten und mit einer sinnvollen kirchlichen Aufgabe füllen zu können.“ Das Besondere an der Immobilie sei, „dass sie auf städtischem Grund steht und wir als Kirche lediglich ein Nutzungsrecht zu kirchlichen Zwecken haben. Diese Möglichkeit sehen wir nicht mehr und geben deshalb das Gelände mit seinem denkmalgeschützten Gebäude an die Stadt zurück.“
Nun ist die Stadt gefragt. „Die Kulturbehörde, der Stadtteilrat Barmbek sowie der Kulturausschuss HH-Nord haben sich für den Erhalt des derzeitigen Betriebes ausgesprochen,“ erklärt Intendantin Rettenberger.

Kulturbehörde sucht Weg

„Die Kulturbehörde würde die Fortsetzung der bisherigen Nutzung sehr begrüßen“, bestätigt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. „Mit der Burg ist ein kleines Zentrum für Kulturschaffende entstanden und gleichzeitig ein attraktives Kulturzentrum. Die Kulturbehörde sucht daher mit allen Beteiligten nach einem Weg, die kulturelle Nutzung weiterzuführen.“
Doch zuständig ist die Finanzbehörde, und die hat möglicherweise andere Pläne. Im Gespräch als Investor ist laut Rettenberger die freie evangelische Eastside-Gemeinde.
„Sie plant ebenfalls kulturelle Veranstaltungen, die sich aber in einigem von den unseren unterscheiden werden. Eine Besucheranzahl wie die unsere sehe ich da nicht.“ Sie hofft nun darauf, dass der Investor sich für ein anderes Angebot des Kirchenkreises entscheiden wird. Die Intendantin sieht ein Grundsatzproblem im Umgang der Stadt mit kirchlichen Immobilien. In der Abmachung von 1870 sei vereinbart worden, dass die Kirche von der Stadt Land für ihre Gebäude bekomme, zum gemeinen und kirchlichen Nutzen. Bei nichtkirchlicher Nutzung falle das Gebäude an die Stadt zurück. „Würde die Stadt diese Vereinbarung lockern, könnte die Kirche durchaus auch kulturelle Veranstaltungen durchführen.“
Ob 2016 im Theater die Lichter ausgehen werden? Jennifer Rettenberger will dagegen weiter kämpfen: „Da ich in den letzten drei Jahren bewiesen habe, dass durch den kontinuierlichen Betrieb das Interesse der Öffentlichkeit gestiegen ist und dass es möglich ist, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, bitte ich eindringlich um die Rettung und Hilfe für die Burg.“ Unterstützung bekommt sie jedenfalls auch von Intendanten-Kollegin Isabella Vertès-Schütter, die auch SPD-Bürgerschaftsabgeordnete ist: „Die Burg ist Spielstätte, Anlaufstelle für Theatermacher und längst auch ein kulturelles Zentrum für Barmbek. Gemeinsam sollte es gelingen, eine tragfähige Lösung zu finden, die über die Spielzeit 15/16
hinausreicht.“ (leu)
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