Weiter Streit um „Neue Mitte“

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Freundlicher Protest der Steilshooper vor der „blauen Kachel“ Fotos: Haas
 
Bezirkschef Ritzenhoff: eher zurückhaltend, aber unnachgiebig Foto: wh

52 Bäume sollen gefällt werden. Platz wird nicht autofrei

Hamburg. Kunstvoll arrangierte Protestplakate konnte Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff schon am Eingang der Martin Luther King-Kirche studieren. Seiner Einladung zur Info-Veranstaltung über die „Neue Mitte“ waren rund 130 Steilshooper gefolgt, gespannt auf den lange erwarteten Dialog über die Zukunft des umstrittenen Platzes. „Unter großen Bäumen ist gut ruhen“ lautete etwa ein chinesisches Sprichwort auf einem der Plakate, ergänzt um die Steilshooper Variante: „Ohne große Bäume ist gut parken.“

Nachpflanzung geplant

Doch der Streitpunkt bleibt unverändert am Ende des Info-Abends – trotz viermonatiger Bedenkpause: Allein 52 Bäume sollen der Gestaltung des Platzes im nördlichen Abschnitt des Schreyerrings geopfert werden. Sechs größere Platanen würden auf der neuen Markt- und Eventfläche nachgepflanzt. Zusätzlich soll die Fehlinghöhe nicht mehr befahrbar sein, auch hier und im Verlauf des Schreyerrings würden weitere Bäume gefällt, auf öffentlichem und privatem Areal. Zwei Gründe sprächen für die notwendigen Baumfällungen: Sie dienen einmal der „Neugestaltung des Zentrums“.
Zum zweiten hätten sie „rein pflegerischen Charakter“, etliche Platanen seien zudem verkümmert. Andere müssten eben für die Neuanordnung von Parkplätzen weichen, die auf der neuen „Piazza“ entfallen. Neu ist, dass der Abschnitt „einspurig befahrbar“ bleibt, der ursprünglich autofrei werden sollte. Das sind die Kernpunkte eines Referats vom Berliner Landschaftsarchitekten Lorenz Dexler. Seine Firma Topotek1 ist seit 2007 mit der Überplanung des neuen Platzes betraut. Öfter wird Dexler unterbrochen von kritischen Zwischenfragen. Kein anderes Projekt habe er so lange geplant, so oft überarbeitet und öffentlich vorgestellt, betont der Planer. „Und ich habe es mir mit keinem Baum leicht gemacht.“ Protestrufe und Beiträge aus dem Publikum werden jetzt zunehmend lauter.

Kein Kompromiss

Die eigens engagierte Moderatorin lässt zwar große Umsicht walten. Hier könnten jedoch nicht alle Meinungen und Geschmacksfragen ausdiskutiert werden, versucht sie zu beschwichtigen, irritiert dabei aber eher diskussionsfreudige Gäste. Auch die Beiträge von mit der Planung befassten Mitarbeitern des Bezirksamtes stimmen sie keineswegs ruhiger. So erntet Thorsten Hohenstein etwa Protest, als er auch noch die „notwendige Schaffung von Sichtachsen“ als einen Grund der Baumfällungen anführt. Im Februar wurden sie noch mit neu zu verlegenden Versorgungsleitungen begründet. Von Sachzwängen ist die Rede: Dass schon viel Geld in die Planung investiert wurde und 3,8 Millionen Euro einfach rausgeschmissen würden, wenn die Arbeiten im Herbst nicht wie geplant starten. Kein Kompromiss ist in Sicht, als Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff die Veranstaltung beendet. Beiläufig betont er noch, dass die Petition von Steilshooper Baumfällgegnern bei der Bürgerschaft inzwischen vom Eingabenausschuss geprüft sei und sich als haltlos erwiesen habe. Wegen der Petition waren – wie berichtet – die bereits begonnenen Baumfällungen Ende Februar zunächst ausgesetzt worden.
Dem lebhaften Protest der Steilshooper Bürger schließt sich Claudia Folkers an. „Auch ich liebe Bäume, sie bringen uns die Luft zum Atmen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bezirksfraktion Wandsbek. „Hier fragt sich auch, wieso ein Platz mit durchfahrendem Autoverkehr und nur noch rudimentärem Baumbestand zum Verweilen einladen soll?“

Noch Diskussionsbedarf

Folkers ist sich einig mit Julian Georg, dem Vorsitzenden der Links-Fraktion in der Bezirksversammlung. Er plädiert für eine zügige Umgestaltung des Platzes, allerdings bei Erhaltung der Bäume. Er sei erstaunt über die Grünen, die sich nicht gegen die Baumfällungen wenden, „nur um neue Betonplatten zu verlegen.“ Georg und Folkers monieren die Aktenführung ebenso wie die Informationspolitik der Bezirksverwaltung. Wegen großen Diskussionsbedarfs meldete Georg das Thema an zur „Aktuellen Stunde“ bei der Bezirksversammlung am kommenden Donnerstag,
9. Juli. (wh)
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2 Kommentare
53
Bernhard Lang aus Steilshoop | 08.07.2015 | 00:46  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 13.07.2015 | 11:27  
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