Wenn in der Schule Verletzte sind

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Stromschlagopfer: Eine Helferin versorgt die Strommarken an den Händen, ihre Kollegin stützt
 
Mit einem Druckverband wird die Schnittwunde am Hals versorgt Fotos: Haas

Landeswettbewerb der Schul-Sanitäter im Bildungszentrum Steilshoop. 24.000 Unfälle jährlich

Hamburg. Hochbetrieb herrschte in Sporthalle und Foyer des Bildungszentrums. Schulsanitäter aus 26 Hamburger Schulen traten hier in der vergangenen Woche gegeneinander an: zum ganztägigen Wettbewerb auf einem spannenden Parcours von Rettungsstationen. Die hier nachgestellten Unfälle hatten sich tatsächlich ereignet. In zwölf Notfallsituationen bewiesen die ehrenamtlich tätigen Schüler wie im richtigen Leben, dass sie fit sind in Erster Hilfe.

Sie agieren wie coole Profis

In Zelten müssen die Jung-Sanis täuschend echt spielende und geschminkte „Opfer“ versorgen. Schnelles Handeln ist jetzt gefragt: Was ist zu tun etwa bei einer Schnittwunde am Hals oder bei einem Beinbruch? Nach einem Stromschlag, bei akutem Bauchschmerz oder einer allergischen Reaktion? Die Teams kümmern sich professionell um ihre „Notfälle“: Ein Mädchen mit frischer Unterschenkelfraktur kämpft mit Tränen. Ein Junge leidet unter unerträglichen Bauchschmerzen. Ein anderer hat sich eine stark blutende Schnittverletzung am Hals zugezogen. In der Hand eines Unfallopfers steckt gar ein Angelhaken. Und drei Mädchen sind zunächst fast blind: nach starker Tränengasreizung im Chemieraum. Souverän sondieren die Ersthelfer zunächst die Lage. „Was ist passiert? Wo genau tut’s weh?“ Um dann sofort in aller Ruhe und in präziser Wortwahl einen Notruf abzusetzen. Die Schulsanitäter bleiben cool und wissen, was weiter zu tun ist. Sie bemühen sich um ihre Opfer, stützen sie, wenn nötig. Bis der Rettungsdienst eintrifft, gilt es, das Unfallopfer richtig zu lagern und zu beruhigen. Sie legen Notverbände an und verkürzen mit ablenkenden Gesprächen die Wartezeit. Der Test endet bei Ertönen des Martinshorns über Lautsprecher. Die Schiedsrichter haben sich indessen Punktzahlen notiert und besprechen mit den Teams, was gut gelöst und was versäumt wurde: Fenster sofort öffnen bei den Tränengasopfern etwa, oder sie schneller daran hindern, ihre Augen zu reiben. Zeit zum Wechsel, auf geht’s zur nächsten Station. „Die Schulsanitäter haben sich freiwillig ausbilden lassen und können alle selbständig in Erster Hilfe tätig werden.“ kommentiert Karin Hansen vom ASB.
Alle gewinnen bei ihren Ersthelfer-Aktionen – laufend. Einzelne Schulsanitätsdienste mit hohen Punktzahlen wurden jedoch ausgezeichnet: Ein erster Preis ging in diesem Jahr jeweils an das Team des Gymnsiums Eppendorf und an das der Stadtteilschule Winterhude.
Rund 24.000 Unfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr an Hamburger Schulen. Um eine schnelle und fachmännische Erstversorgung der Unfallopfer kümmern sich die im Schulsanitätsdienst ehrenamtlich engagierten Schüler – nach ihrer Ausbildung bei einer der vier großen Hilfsorganisationen. „Schule muss ein sicherer Ort sein. Dazu tragen die Schulsanitätsdienste bei“, sagte Beate Proll vom Landesinstitut für Lehrerbildung (LI).
Auch Fred Babel von der Unfallkasse (UK) Nord lobte die jungen Sanis: „Sie leisten einen wertvollen Beitrag zur Rettungskette. Durch ihre kompetente Erstversorgung wird manche gravierende Unfallfolge gemildert.“ Schulsanitätsdienste gibt es an 60 Hamburger Schulen. Der 9. Wettbewerb Hamburger Schulsanitätsdienste wurde ausgerichtet vom LI, der Unfallkasse (UK) Nord zusammen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der Johanniter-Jugend, dem Jugendrotkreuz und der Malteser Jugend. (wh)
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