Wer zerstört die Nester?

Anzeige
Simon Hinrichs ist aktiver „Gänsepapa“. Jedes Jahr beringt er junge Graugänse wie hier am Osterbekkanal Foto: wb
 
Graugänse leben seit über 20 Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Seit drei Jahren wurden deren Nester zerstört Foto: Haas

Seit 2011 schlüpfte kein Graugans-Küken mehr am Inselteich an der Mittelallee

Von Waltraut Haas
Ohlsdorf
Seit über zwei Jahrzehnten brüteten immer acht bis zehn Paare im Brökelmoor auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Ganz besonders hat es ihnen der Inselteich an der Mittelallee angetan. Denn Graugänse bevorzugen geschützte, von Wasser umgebene Plätze für ihren Nachwuchs.
Doch seit drei Jahren scheint hier der Frieden mit beginnender Brutsaison gestört. Zwar tummeln sich Grauganspaare auf dem Gewässer oder auf den Rasenflächen an der Mittelallee. „Doch eines ist rätselhaft: Immer bei Brutbeginn finden wir verlassene und zerstörte Nester, das Gelege zerstreut.“ So hat es Simon Hinrichs zusammen mit Gänsefreunden beobachtet. Füchse oder andere Raubtiere kämen als „Täter“ nicht in Frage, sie würden die Eier fressen. Also wer dann? Etwa Menschen, die Graugänse nicht leiden mögen?
„Wir wollen niemanden verdächtigen oder gar beschuldigen, eher die Ursache herausfinden: Immerhin seit 2011 schlüpfte kein einziges Küken mehr auf der Insel.“ Simon Hinrichs ist seit zehn Jahren aktiver Gänseschützer. In seinem Alltag berufstätig als Kaufmann bei einer Krankenkasse, verbringt er seine Freizeit auf dem Rad durch ganz Hamburg und beobachtet zusammen mit über 30 Gleichgesinnten seine Schützlinge. Bei der Vogelwarte Helgoland bekam Hinrichs sogar eine Beringungslizenz. An der Ringnummer erkennt er „seine“ Tiere. „Daduch lässt sich viel herausfinden über die Graugänse, ihre Sozialstrukturen und ihre Zugstrategien.“ Sein Wissen teilt er mit Interessierten im Netz.
„Graugänse waren nach dem Krieg in Hamburg fast ausgestorben“, erklärt der Fachmann. Erst in den 1960er Jahren konnte die Art durch Auswilderungen erfolgreich wieder angesiedelt werden. Gefährdet ist sie noch immer, allen voran durch Menschen: Abschüsse von 642 Graugänsen und von 254 Kanadagänsen vermelden die Jäger auf Hamburger Stadtgebiet im Jagdjahr 2013/2014.
Wird auch der Ohlsdorfer Friedhof bejagt? Gärtnermeister Herbert Blümke, 35 Jahre im Amt, habe sich früher auch um jagdliche Belange gekümmert und nur, wenn nötig, Niederwild bejagt, erklärt der Sprecher der Friedhofsverwaltung Lutz Rehkopf. Doch seitdem Blümke sich vor fünf Jahren in den Ruhestand verabschiedete, wurde die Jagd ganz eingestellt. „Die Graugänse genießen die Friedhofsruhe“, so Rehkopf weiter. „Ebenso wie die anderen 97 Vogelarten, die auf dem Ohlsdorfer Friedhof heimisch sind.“ Auch bei Rehkopf erkundigen sich öfter besorgte Besucher nach den Gänsen. „Die Tiere pendeln einfach immer mal wieder zwischen Cordesteich und Inselteich“, lautet Rehkopfs Erklärung.
Simon Hinrichs jedoch bleibt skeptisch, sogar über eine Fotofalle für Wildtiere dachte er schon nach, die rätselhafte Brutstörungen dokumentieren könnten. Denn seit wenigen Tagen hätten wieder einige Gänsepaare mit der Brut begonnen. Genau vier Wochen dauert es, bis die Küken schlüpfen, nach der Berechnung des Gänse-Experten schlüpfe der Nachwuchs also pünktlich zu Ostern. „Das hätte doch was.“ Simon Hinrichs und Kollegen würden sich freuen. Bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Jahr alles gut geht.

Weitere Informationen: www.gans-hamburg.info
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige