Wer zimmert Max Bahr wieder zusammen?

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Der Max Bahr-Markt auf dem ehemaligen HEW-Gelände (hier ein Archivbild kurz vor der Fertigstellung) Fotos: Burmeister
 
Viele Kunden schätzten den Service: Im Februar 2006 ließ die Firma Max Bahr sogar ihre Kunden von der alten Filiale in den neu eröffneten Baumarkt an der Bramfelder Chaussee chauffieren

Nach der Insolvenz der Baumarktkette läuft die Suche nach neuem Investor. Ergebnisse ab September

Von Britta Burmeister
Bramfeld. In vielen Regalen fehlt bereits die Ware, einige Kunden drücken betreten ihr Bedauern aus, andere fragen ungeniert nach Schnäppchen: Im Max Bahr-Markt in Bramfeld herrscht gefasste Krisenstimmung.

Als Ende Juli die Nachricht durch die Medien ging, dass die Baumarkt-Kette Max Bahr Insolvenz anmelden musste, war die Betroffenheit vor allem in Bramfeld groß. „Max Bahr – Baumarkt seit 1879“. Jeder im Stadtteil kennt diesen Fünfwortsatz, den eine männliche Reibeisenstimme so unerschütterlich in den Raum hämmert, dass vor dem inneren Auge des Baumarktbesuchers sofort die geballte Kompetenz einer ganzen Handwerker-Dynastie lebendig wird. Tatsache ist, dass aus dem kleinen Bramfelder Handwerksbetrieb in den vergangenen 60 Jahren ein Konzern mit einer komplizierten gesellschaftsrechtlichen Struktur geworden ist. 2007 wurden die 78 Baumärkte der Firma Max Bahr an den Praktiker Konzern verkauft. Für die acht Praktiker-Gesellschaften wurden bereits am 11. Juli Anträge auf Eröffnung der Insolvenzverfahren gestellt. Zu dieser Gruppe gehören auch 54 ehemalige Praktiker-Filialen, die im Zuge des Sanierungsprozesses in Max Bahr-Märkte umgeflaggt wurden. Die Insolvenzanträge für die drei Gesellschaften, zu denen die 78 Max-Bahr-Baumärkte gehören, gingen am 26. Juli beim Amtsgericht Hamburg ein. Als vorläufiger Insolvenzverwalter für diesen Teil des Konzerns wurde der Rechtsanwalt Dr. Jens-Sören Schröder bestellt. Er arbeitet seither eng mit den Rechtsanwälten Udo Gröner und Christopher Seagon zusammen, die das Insolvenzverfahren für die übrigen Gesellschaften des Praktiker-Konzerns leiten. Um möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze der Praktiker- und Max-Bahr-Baumärkte zu sichern, wird nun nach einem neuen Investor gesucht. In diesem Prozess werden die Juristen durch das Investmenthaus Macquarie Capital begleitet. Das Insolvenzberaterteam zeigt sich zuversichtlich, eine Lösung zu finden: „Insbesondere Max Bahr ist eine etablierte und funktionierende Marke und auch für Praktiker gibt es Interessensbekundungen. Wir sind für kon-
struktive Lösungen offen, um die bestmögliche Lösung für Beschäftigte, Gläubiger und die weiteren Beteiligten zu erreichen“, so die Juristen. Mit ersten Ergebnissen rechnen sie allerdings nicht vor Anfang September. Die Filialen der Praktiker- und Max-Bahr-Baumärkte sind weiterhin geöffnet. Kurzfristiges Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb sowohl bei Praktiker als auch bei Max Bahr zu stabilisieren. Eine gute Nachricht konnte zu Beginn der Woche immerhin verkündet werden: Die Juli-Gehälter können schneller als erwartet ausgezahlt werden.

Wurzeln in Bramfeld

In keinem anderen Hamburger Stadtbezirk ist die Firma Max Bahr so verwurzelt wie in Bramfeld. 1879 gründete Johann Jacob Heinrich Bahr an der Ecke Herthastraße/Bramfelder Chaussee (damals noch Hamburger Straße) im damals noch dörflichen Bramfeld eine Stellmacherei. Zunächst wurden hier Wagenräder und Wagengestelle gefertigt. Als die Stellmacherei Ende der 20-er Jahren an Bedeutung zu verlieren begann, beschloss Max Bahr, Sohn des Firmengründers, zusätzlich mit Holz zu Handeln. Mitte der 1950-Jahre reagierte der damalige Geschäftsführer Peter Möhrle auf den beginnenden Heimwerkerboom und erweiterte nach amerikanischem Vorbild das Sortiment. In den Folgejahren entwickelte sich aus dem alten Holzhandel im Bramfelder Ortskern ein vielseitig sortierter Heimwerkermarkt, der von Bramfeld aus auf Expansionskurs ging. 1971 wurde das alte Fachwerkhaus, das Johann Jacob Heinrich Bahr einst für 5400 Mark gekauft hatte, abgerissen. Es entstand der gelbe Flachdachbau, den die meisten Bramfelder noch gut erinnern werden. Als Anfang des neuen Jahrtausends die Planungen für die Neugestaltung des Bramfelder Ortskerns begannen, erklärte sich die Firma Max Bahr bereit, das Grundstück im Stadtteilzentrum aufzugeben. Auf dem ehemaligen HEW Gelände an der Bramfelder Chaussee enstand ein Neubau, der den aktuellen Ansprüchen an einen modernen Baumarkt genügen konnte. Am 28. Februar 2006 wurde der Max Bahr-Markt im Bramfelder Orstkern für immer geschlossen. Das Gebäude wurde 2008 abgerissen. An seiner Stelle steht heute die Marktplatz Galerie Bramfeld.
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