Wo in Hamburg-Nord noch gebaut werden kann

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Oberbaudirektor Jörn Walter sprach beim 6. Fachgespräch Wohnungsbau im Bezirksamt Hamburg-Nord zum Thema Nachverdichtung Foto: Hanke

Experten diskutierten über Möglichkeiten im Bezirk. Oberbaudirektor Jörn Walter für Nachverdichtung

Hamburg-Nord Wo können in Hamburg und speziell im Bezirk Hamburg-Nord noch Wohnungen gebaut werden? Diese Frage enthält angesichts der Anzahl der Geflüchteten in Hamburg und des ohnehin starken Zuzugs in die Stadt immer höhere Brisanz. Aufgrund der begrenzten Fläche des Stadtstaates erscheint Nachverdichtung als die Lösung. Über diese Variante des Neubaus von Wohnungen wurde beim sechsten Fachgespräch Wohnungsbau im großen Sitzungssaal des Bezirksamtes Hamburg-Nord diskutiert. Oberbaudirektor Jörn Walter, Stargast des Abends, plädierte ganz entschieden für Nachverdichtung, obwohl er Hamburg als eine „sehr dünn bebaute Stadt“ bezeichnete, die in den Außenbereichen noch erhebliche Bebauungspotenziale habe. „Viele Grünflächen sind in keinem guten Zustand. Da ist wahnsinnig viel Luft“, erklärte Walter, der sich durchaus vorstellen kann, die eine oder andere „verkrautete“ Grünfläche zu bebauen. Am besten aber sei die Nachverdichtung. Von 100.000 neuen Wohnungen in den nächsten zehn Jahren würden 80.000 durch Nachverdichtung entstehen und nur 20.000 im Grünbereich, prophezeite der Oberbaudirektor. Gewisse Vorbehalte gegen die Nachverdichtung äußerte Cornelia Peters vom Amt für Naturschutz, Grünplanung und Energie in der Umweltbehörde. „Verdichtung bedeutet immer einen Verlust an Freiraum“, sagte sie und plädierte für Freiraumnutzung auf dem Dach. Warum nicht auch Kleingärten in luftiger Höhe? Stadtforscher Dieter Läpple setzte sich dafür ein, die Stadt der Zukunft nicht nur „unter der Brille des Wohnungsbedarfs“ zu sehen, sondern das ganze Quartier im Blick zu haben. Gewerbe sei aus den Vierteln hinausgedrängt worden. „Das gilt es zu reparieren“, so Läpple. Einig waren sich die Experten auf dem Podium darin, dass Nachverdichtung nur ganz individuell unter Berücksichtigung aller Akteure erfolgreich sein kann. Widerstände gibt es nämlich genug, wie Hans-Peter Boltres, Leiter des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung in Hamburg-Nord, in seinem Eingangsreferat darlegte. Von 30 kürzlich ausgeguckten Baulücken in Hamburg-Nord konnten nur fünf für ein Nachverdichtungsvorhaben genutzt werden. An der Hindenburgstraße zum Beispiel, wo der Eigentümer aber noch Vorbehalte hat, oder am Ortleppweg in Groß Borstel. Als vorbildliches Nachverdichtungsprojekt erwähnte Boltres den mit Neubau gepaarten Umbau der Bonbonfabrik an der Eppendorfer Landstraße 106 in Wohnungen. Wie kann die Nachverdichtung noch weiter vorangetrieben werden? Private Eigentümer müssten animiert werden, Grundstücke zur Verfügung zu stellen, meinte Baurechtler Peter Oberthür, der sich außerdem für den Verzicht einiger Prüfungen für die Bebauung und die gerade in Angriff genommene Aufhebung der besonders geschützten Wohngebiete nach der Baupolizeiordnung von 1938 ausspach, um Nachverdichtung voranzutreiben. (ch)
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