Wohnungsbau Pergolenviertel: Gärtner sind uneins

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Egbert Willing (l.), Fachamt Management des öffentlichen Raums, Moderatorin Margit Bonacker und Landschaftsplaner Peter Köster sorgten für ein konstruktives Klima Foto: Haas
 
„Ganz hübsch, aber es gibt noch eine Menge Dinge zu klären“, sagte Fred Hefti, Vorsitzender der Barmbeker Schweiz, beim dritten Kleingartenforum
Barmbek. Jetzt haben sich innerhalb des öffentlichen Wohnungsbau-Planungsverfahrens unter den Kleingärtnern mehrere Interessengruppen gebildet. Die einen wollen prozessieren („Eden für Jeden“), die anderen (Vereine Heimat und Barmbeker Schweiz) versuchen sich konstruktiv zu beteiligen. 1.400 Wohnungen sollen auf dem 32-Hektar-Areal südlich der Hebebrandstraße bis hin zur Alten Wöhr entstehen. Zugleich müssen alte Baumbestände und Grünstrukturen erhalten werden. Mit einer groß angelegten Bürgerbeteiligung geht der Spagat des Bezirksamtes Nord immerhin bald ins dritte Jahr. Im Februar sorgte die Information, ein Großteil der Gärten befinde sich auf „Kampfmittelverdachtsflächen“, für Argwohn und Unruhe. Die möglichen Bombenblindgänger erfordern eine Kampfmittelsondierung. Möglichst schonende Verfahren für die Gärten sondiert inzwischen ein Arbeitskreis im Bezirksamt, in dem Vertreter der Vereine Barmbeker Schweiz und Heimat mitarbeiten. In der vergangenen Woche scheiterte indes ein Schlichtungsversuch. Die Initiative „Eden für Jeden“ hatte Rechtsmittel eingelegt, nachdem das Bezirksamt Nord ihr Bürgerbegehren gegen die geplante Bebauung der Kleingartenflächen für unzulässig erklärt hatte. Doch die Vertrauensleute der Initiative waren ebenso wenig bereit zu Zugeständnissen wie die Vertreter der Bezirksverwaltung.
Schon Anfang April gingen die Interessengruppen hart zur Sache. Der Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung und das Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirks Nord hatten zur Informationsveranstaltung mit Plandiskussion eingeladen. Über 100 Besucher kamen in den Herntrichsaal am Alsterdorfer Markt, um über das Für und Wider des Bebauungsplans zum Pergolenviertel lebhaft zu diskutieren. Lesen Sie bitte weiter auf Seite 3.

Fortsetzung von Seite 1. Barmbek. Stadtplanungsdezernent Hans Peter Boltres war am stärksten gefordert: Sowohl bei der Darstellung des Planungsprozesses als auch bei einer Fülle von Fragen der Kleingärtner stand er Rede und Antwort. Es sei ein höchst komplexes Verfahren, betonte Boltres, deshalb seien alle Fragen zugelassen. „Wir Planer haben keine wilden Machtfantasien, wir handeln im gesetzlichen Auftrag“, entgegnete er auf argwöhnische Einwürfe. Ansonsten ging es sachlich um die langwierigen Etappen des Bebauungsplanentwurfs auf dem Weg zur endgültigen Feststellung des Plans – und um Fragen zur Lärmbelastung im künftigen Quartier etwa, zum Verlauf der Fahrradwege, zur behutsamen Verkehrserschließung oder zu den Kitas. Naturschutzexperten klärten zudem Fragen des Artenschutzrechtes: Immerhin bis zum Oktober 2013 sind besonders schützenswerte Tierarten im Planungsgebiet genau zu beobachten. Umsäumt von begrünten Pergolen sollen später mindestens 150 Parzellen wieder entstehen: auf einer Fläche von sechs Hektar in drei Gartenhöfen, von den Kleingärtnern etwas abschätzig „Obstkisten“ genannt. „Aber zuvor sollen alle unsere alt eingewachsenen Gärten platt gemacht werden.“ Daran erinnerte erbittert ein älterer Gartenfreund.
Konstruktives Miteinander
Am vergangenen Dienstag ging es im Herntrichsaal ausschließlich um rund 60 Ausweichgärten. Landschaftsplaner Peter Köster stellte seine Planung
vor: Die Fläche im alten städtischen Anzuchtgarten am Goldbekufer; Ecke Saarlandstraße. Peter Gloszat vom Landesbund der Gartenfreunde erläuterte das Vergabeverfahren der begehrten Parzellen.
Dann konnten etwa 50 Gäste – umsichtig moderiert von Margit Bonacker – Fragen klären und ausführlich Details zur Erschließung der Gärten erarbeiten: Rund um Wegesystem, Wasser- und Stromanschlüsse, Kosten für einen Bootssteg oder die Spielplatzfläche für Kinder. Hier herrschte Zuversicht unter den Gartenfreunden der Barmbeker Schweiz mit ihrem Vorsitzenden Fred Hefti. Auch Britta Tolkwitt und Katja Hellwich, beide jungen Mütter, die sich mit zwei weiteren Familien einen Kleingarten teilen, hoffen auf eine Ausweich-Parzelle. „Wir sind eine richtige Garten-WG, wir teilen uns die Arbeit und die Ausgaben.“ (wh)

Mehr Infos unter forum-pergolenviertel
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