Zu viel Lärm an der Fuhle

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Mittags an der Fuhlsbüttler Straße: U-Bahn und Autoverkehr sorgen für Lärm. Foto: Burmeister

Lärmaktionsplan soll Abhilfe schaffen: Tempo 30 auf der Fuhlsbüttler Straße?

Von Britta Burmeister

Barmbek. Güterzüge dröhnen über die Brücke an der Hufnerstraße. Ein Flugzeug befindet sich über der Saarlandstraße im Landeanflug auf den Flughafen Fuhlsbüttel. Mehrere Lkw treten vor der roten Ampel in der Habichtstraße in die quietschenden Bremsen. Flugzeuge, Güterumgehungsbahn, Schwerlastverkehr – diese Geräuschkulisse gehört zum Barmbeker Alltag. Lärm gehört zu den Umwelteinflüssen, die nicht nur störend, sondern nachweislich gesundheitsgefährdend sind.

EU-Richtlinie

Um diesem Problem Herr zu werden, trat im Jahr 2002 die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm – kurz auch EU-Umgebungslärmrichtlinie genannt – in Kraft. Städte und Gemeinden mit mehr als 250.000 Einwohnern wurden damit verpflichtet, bis 2007 strategische Lärmkarten auszuarbeiten, auf deren Basis dann in den Folgejahren ein Maßnahmenpaket zur Lärmvermeidung und/oder zum Lärmschutz erarbeitet werden sollte.
Den 15 Gründungsmitgliedern des Vereins „Lärmschutz für Barmbek und Dulsberg“, der im März 2007 am Lämmersieth gegründet wurde, kam die Gesetzgebung der EU entgegen. Endlich wurde ein Thema in den Fokus des politischen Interesses gerückt, das ihnen schon lange im wahrsten Sinne des Wortes schlaflose Nächte bereitet hatte. „Seit wir angefangen haben, hat sich sehr viel getan“, findet die Vereinsvorsitzende Vera Mewing heute. Sie selbst wohnt direkt neben der Güterumgehungsbahntrasse, die 2008 „ertüchtigt“ wurde. Selbst nachts donnern seither alle 10 bis 12 Minuten bis zu 650 Meter lange Güterzüge mit 80 km/h an ihrem Schlafzimmerfenster vorbei.
In vielen Gesprächen mit Politik, Verwaltung und Vertretern der Deutschen Bahn hat der Verein inzwischen sein primäres Ziel erreicht: Der größte Teil der Bahntrasse wurde inzwischen mit Lärmschutzwänden ausgestattet. Lediglich im Umfeld des U- und S-Bahnhofes Barmbek klafft noch eine Lücke in der schlafrettenden Wand.

Schutzwand geplant

In einem Brief der Deutschen Bahn AG vom April 2012, der dem WochenBlatt in Kopie vorliegt, heißt es dazu: „Für die letzte Wand entlang der Güterumgehungsbahn im Abschnitt Lämmersieth bis Hellbrookstraße werden die Arbeiten 2013 beginnen und voraussichtlich im ersten Quartal 2014 abgeschlossen sein.“
In der Entwurfsfassung des Lärmaktionsplanes, den die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Ende Oktober vorgestellt hat, nimmt das Thema Schienenverkehr nur ein vergleichsweise kurzes Kapitel ein. Das 126-seitige Schriftstück ist auf der Basis der Lärmforen entstanden, die in den Jahren 2009 und 2010 in allen Stadtbezirken stattgefunden haben. Ausgewertet wurden 800 Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern. In Barmbek-Nord wurde nun ein Abschnitt der Fuhlsbüttler Straße zum Pilotprojekt erklärt. Zwischen der Ring 2-Brücke im Norden und der Hellbrookstraße im Süden sind laut Lärmkarte 830 Anwohner in den Nachtstunden von einem Lärmpegel zwischen 55 und 60 Dezibel betroffen. Tagsüber passieren etwa 21.500 Kraftfahrzeuge diesen Straßenabschnitt. Das größte Lärmminderungspotenzial sehen die Autoren des Lärmaktionsplanes in der Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindgkeit auf 30 km/h. Ein 2,5 Meter breiter, überfahrbarer Mittelstreifen soll dafür sorgen, dass Autofahrer intuitiv den Fuß vom Gas nehmen und langsamer fahren. Für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität wird außerdem empfohlen, den Baumbestand zu verdichten und den ruhenden Verkehr durch klare Parplatzmarkierungen neu zu ordnen.
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