Zwiespältige Gefühle

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Am Zugang Große Horst zum alten Anzuchtgarten: Anwohnerin Ilka Mamero (li.) und Martina Lütjens (CDU) wollen die Flüchtlinge in Ohlsdorf willkommen heißen und nach Kräften unterstützen Foto: Barth
 
Auf dem 1,8 Hektar großen Gelände des alten Friedhof- Anzuchtsgartens soll die Unterkunft gebaut werden Foto: Barth

Das Wochenblatt beim Ortstermin in Ohlsdorf, bevor 700 Flüchtlinge kommen

Ohlsdorf Es ist die Zahl, die manchen der 800 Bewohner des idyllischen Neubaugebiets am Erna-Stahl-Ring beunruhigt: 700. Soviele Flüchtlinge sollen gleich gegenüber, auf dem 1,8 Hektar großen Gelände des ehemaligen Anzuchtgartens vom Friedhof Ohlsdorf, untergebracht werden. Ende des Jahres sollen die ersten 250 in der Straße Am Anzuchtgarten einziehen

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Offiziell bekannt wurden die Pläne am vorigen Dienstag. Durchgesickert war die Nachricht bereits am Abend zuvor. In Ohlsdorf funktionieren Nachbarschaft und Austausch. Die CDU-Sprecherin des zuständigen Regionalausschusses, Martina Lütjens, die selbst in Klein Borstel lebt, war vom Bezirksamtsleiter Harald Rösler informiert worden. In einer Pressemitteilung kritisierte sie die geplante Zahl der Flüchtlinge. Lütjens bezweifelt, dass Kita und Schule vor Ort die vielen Kinder aufnehmen können. „Für meine Meinung musste ich ganz schön Schelte einstecken“, gesteht die Bezirkspolitikerin gegenüber dem Wochenblatt. „Selbstverständlich“ sei sie für eine Unterbringung der Flüchtlinge – aber „im stadtteilverträglichen Maß.“
Ähnliche Befürchtungen wurden dann auch bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Wochenblatt von einigen Anwohnern geäußert. „Die Gefühle sind irgendwie ambivalent“, sagt eine Anwohnerin, „einerseits will man helfen, andererseits macht man sich Gedanken, wie viel das eigene Grundstück dann noch wert sein wird.“ Das findet Margarethe Hüttenberger – seit 43 Jahren Klein Borstelerin – eher „lächerlich“. Sie meint zudem, dass der Stadtteil durchaus 700 Neubürger verkrafte. Auch Anwohner Ingo Herzke erklärt: „Wir sollten das als Chance sehen, die homogene Wohnstruktur hier aufzubrechen.“
Eine andere Anwohnerin fordert: „Ich will richtig und frühzeitig informiert werden, dann weiß ich mit der Situation auch gut umzugehen.“ Für mehr Aufklärung macht sich auch eine Mutter stark, deren Töchter „durchaus diffuse Ängste“ hätten. Und da ist noch Diethelm Zeller, der in die Runde der etwa 30 Anwesenden wirft: „Vor 70 Jahren haben wir zwölf Millionen Flüchtlinge aufgenommen, und die wurden sogar zwangseinquartiert. Wir müssen einfach helfen!“
„Richtig“, bekräftigt Ilka Mamero, die sowohl im Heimatverein als auch in der Interessengemeinschaft (IG) Klein Borstel aktiv ist: „Wat mutt, dat mutt“ sei die Devise. „Für uns scheint die Sonne sehr hell und wir können dazu beitragen, dass es den Menschen, die vor Krieg und Elend flüchten, auch ein Stück weit besser geht!“ Tatsächlich haben sich viele Nachbarn nach Bekanntwerden der Nachricht spontan als Initiative vernetzt – jetzt wurde die Internetseite www.klein-borstel-hilft.de freigeschaltet. Hier soll künftige Hilfe organisiert und gebündelt werden.
Am 6. September wollen auf dem Flohmarkt an der Stübeheide Aktive informieren und „Klein-Borstel-hilft“-Sticker verteilen. Und alle warten gespannt auf die offizielle Info-Veranstaltung von Bezirksamt und Sozialbehörde sowie Vertretern von „Fördern und Wohnen“, am Dienstag, 15. September, 17.30 Uhr, in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule, Schluchtweg 1. (ba)

Weitere Infos: Initiative Klein Borstel hilft
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