Zwischen Kastanien und Kaninchen

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In den Morgenstunden ist der Betrieb am Modellbootbecken noch überschaubar Foto: sg
 
Seit über drei Jahren als Revierleiterin im Park unterwegs: Marieke Schulz-Gerlach Foto: sg

Marieke Schulz-Gerlach ist Chef-Gärtnerin im Stadtpark und engagiert sich für die grüne Lunge der Hansestadt

Barmbek Ein heißer Wochentag im August: Wer nicht arbeitet, weilt im Urlaub. Oder im Stadtpark. Am Modellbootbecken trotzen einige Jogger der Sommerhitze, während ein Radfahrer eine Pause macht und sich auf einer Bank niedergelassen hat. Eine Spaziergängerin freut sich derweil über die vielen bunten Sommerblumen in den Beeten. Ausgewählt hat sie Marieke Schulz-Gerlach (37), die sich seit April 2012 um die Pflanzenwelt im Park kümmert.
Das Büro der Revierleiterin befindet sich auf dem Betriebshof am Südring. Von hier aus ist sie im Stadtpark mit einem durchschnittlich siebenköpfigen Team unterwegs. Im Frühling oder Herbst sind es auch schon mal 14 Leute. Doch zuständig ist sie längst nicht nur für den Stadtpark: Ihr Gebiet ist deutlich größer und umfasst unter anderem auch die Grünflächen in Eppendorf und der City-Nord.
Kaum ein Tag ist wie der andere. „Am Winterhuder Kai gibt es ein großes Loch in der Erde, könntest du da mal jemanden hinschicken“, fragt ein Kollege. Ein anderer erkundigt sich, wie man mit einer Linde vorgehen soll, die von Brandkruste befallen ist, einem starken, Holz zersetzenden Pilz. „Das sollten wir unbedingt im Auge behalten“, rät Schulz-Gerlach. Ein Puppenspieler möchte auf dem Loogeplatz spielen, ein Ortstermin wird angesetzt. „Im Sommer werden viele Nutzungsanträge gestellt“, sagt Schulz-Gerlach. „Dann vergewissere ich mich, dass die Grünflächen keinen Schaden nehmen.“ Im Stadtpark gedeihen zwar viele der grünen Schützlinge von Schulz-Gerlach prächtig, doch es gibt auch Sorgenkinder. Die Schäden durch die Miniermotte gehen zurück, doch mittlerweile werden die Kastanien von einer bakteriellen Krankheit bedroht. Andere Gehölze verlieren bei starker Hitze lebendige Äste, und manchmal kippen ganze Bäume oder Sträucher und werden zu einer Gefahr für die Parkbesucher. „Viele Menschen verstehen nicht, warum Parkbäume gefällt werden müssen“, berichtet Schulz-Gerlach, die in Osnabrück Landschaftsbau und Freiraumplanung studiert hat. „Doch das hat immer gute Gründe. Und mir tut so eine Aktion auch jedes Mal weh.“
Im Brunnengarten am Südring hat Marieke Schulz-Gerlach Mangold angepflanzt. Allerdings nicht als Nutzpflanze, sondern aufgrund der dekorativen, roten Stiele. „Außerdem gehen die Kaninchen da nicht dran“, erklärt sie. „In den vergangenen Jahren blühten hier die Löwenmäulchen, doch das mussten wir aufgeben.“ Sie zeigt auf den Maschendrahtzaun, den die niedlichen Nager inzwischen offenbar überwinden können, um an ihre Delikatesse zu gelangen. Kein Werk der Kaninchen sind allerdings die dezimierten Blumenkübel am Eingang am Südring. „Die Pflanzen werden schlichtweg geklaut“, beklagt sich Schulz-Gerlach. „Manche Leute glauben offenbar, der Park sei ein Selbstbedienungsladen.“ Trotz solcher Vorkommnisse liebt Marieke Schulz-Gerlach ihre Arbeit. „Ich kann hier so vieles gestalten und dann miterleben, wie alles wächst.“ Den Rahmen geben die Boden- und Lichtverhältnisse vor. „Ich lege Form, Höhe und Farben fest, dann schauen wir, was machbar ist. Das Springkraut kommt immer wieder und verdrängt alles“, erklärt sie. „Die Stadtpark-Jubiläums-Aktion zur Entfernung eingeschleppter Arten am Ententeich hat sich schon positiv bemerkbar gemacht“.(sg)
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