Spannender Ost-West-Dialog in Barmbek

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Hamburg: Die Linke | Wer hat Angst vorm blöden Ossi?

Der alte Ost-West-Konflikt ist trotz aller Bemühungen noch lange nicht beendet, so Uwe Tippelt als waschechter Partei-Ossi aus Berlin am 18. Juni 2013 bei seinem Besuch der Barmbeker LINKEN. Vielmehr wird der Streit auch 24 Jahre nach der Wende noch immer von allerlei gegenseitigen Klischees und Vorurteilen unnötig befeuert. Es herrscht zwar Burgfriede, aber gleichwohl hat man fortwährend den Eindruck, es handele sich bislang um zwei völlig verschiedene Nachbarländer. Gleichwohl sei die Lösung darin zu suchen, den Blick zu lösen vom Einzelfall. Denn viel entscheidender seien das gemeinsame Ganze und die nötige Abstraktion sowie das Erkennen und Verstehen der politischen Zusammenhänge. Dies erfordert Arbeit. Bildungsarbeit!


Die Herleitung und Verbindung zur Sozial- und Wirtschaftspolitik hätten die Menschen in der ehemaligen DDR zwar im Rahmen ihrer zahlreichen politischen Schulungen gelernt, aber auch das hat das System der DDR letztlich nicht vor der Implosion gerettet. Natürlich kann man hier einem Zeitzeugen und gleichsam Nutznießer der DDR und der SED sofort vorhalten, er würde doch nur seine eigenen persönlichen Erfahrungen romantisieren, verkürzen und verklären. Dessen ist sich Uwe Tippelt sehr wohl bewusst. Ihm gelingt trotzdem die Abgrenzung, sowohl für sich selbst als auch für die Zuhörer. Denn, so seine Thesen, der Unterschied und Konflikt beruhe zum großen Teil darauf, dass sich für die Menschen in der alten BRD äußerlich kaum etwas geändert habe, die Einwohner der ehemaligen DDR aber im Grunde alles verloren haben, was die persönliche Lebenserfahrung eines jedes Menschen ausmache. Man sehe aber im Westen nur das Ergebnis dessen, aber kaum die politischen Ursachen, Hintergründe und Zusammenhänge, warum das so sei, so unser Gast. Natürlich werden das im Einzelnen auch immer komplexe wie kontroverse Streitthemen bleiben. Das sei aber das Wesen der Demokratie. Über Themen und Inhalte muss gestritten und diskutiert werden. Das habe die DDR bekanntermaßen nicht zugelassen – mit den bekannten Folgen.

Das Klischeebild vom „doofen Ossi“ ist ebenso absolut unzulässig. Denn vielmehr bestimme die Prägung erst den Menschen. Und ältere Menschen in Ost und West sowie in aller Welt haben naturgemäß andere Lebenseindrücke gewonnen als jene, die beispielsweise erst nach 1989 geboren oder aufgewachsen sind. Zudem stehen Partei und Gesellschaft in Ostdeutschland allein dadurch vor ganz anderen Herausforderungen als im Westteil. Dort wiederum bestimmen eigene komplexe Realitäten das Handeln. Und den Menschen in den neuen Ländern beispielsweise ihre aktuelle Betroffenheit etwa der Arbeitslosigkeit oder multipler Armut vorzuwerfen, um daraus spezielle Charakteristika abzuleiten, gehört eher ins Fach des blinden Populismus. Von einer seriösen Betrachtung und Analyse ist diese Perspektive so weit entfernt wie Hamburg von Nordkorea – politisch wie geografisch.

Insgesamt ein spannender Abend, der aber leider mit anderthalb Stunden viel zu kurz bemessen war. Eine Fortführung der Diskussion ist dringend nötig und erwünscht, zumindest in Barmbek. Idealerweise soll aus dem Besuch ein längerfristiges Projekt mit gegenseitigem Austausch werden. Es gibt also noch viel zu tun. Auch für die Bildungsarbeit der Partei.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 21.06.2013 | 15:50  
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