Trauer zwischen den Kulturen

Anzeige
Trauerbegleiterin Ijeoma Agu möchte mit einer neuen Gruppe Unterstützung geben, wenn Menschen zwischen zwei Kulturen in Trauer sind Foto: Gemeinholzer/wb

Hilfsangebot wendet sich an Migranten

Hamburg. „Mein Eindruck ist, dass in Deutschland viel leiser getrauert wird als etwa in Afrika“, sagt Ijeoma Agu. Die Trauerbegleiterin, die selbst Deutsch-Nigerianerin ist, möchte Migranten mit einem neuen Angebot des Instituts für Trauerarbeit (ITA) einen Raum bieten, wo sie so trauern können, wie sie es aus ihrer Herkunftskultur gewohnt sind.
„In Nigeria ist es ein Fest, an dem die ganze Dorfgemeinschaft teilnimmt. Es wird Totenwache gehalten, wie es auch hier früher auf dem Dorf üblich war. Ich habe das als etwas sehr Positives und Lebendiges erlebt“, erzählt die 43-Jährige. Auch würden die Toten später durch Rituale immer wieder ins Leben geholt und bei wichtigen Festen nicht ausgeschlossen.
In der neuen Trauergruppe für Menschen zwischen zwei Kulturen möchte Ijeoma Agu Migranten nicht nur ermöglichen, ihre eigenen Rituale auszuleben. Auch die Frustration darüber, anders, deplatziert zu sein in seiner Trauer, möchte die 43-Jährige in der Gruppe auffangen. „Es geht darum, einen Weg zu finden, zu verarbeiten, dass man zwei Kulturen lebt“, sagt die Trauerbegleiterin.

„Männer und Frauen sind hier herzlich willkommen.“
Ijeoma Agu


Wichtig ist ihr, dass sich die Teilnehmer über alle Fragen austauschen können, die im Zusammenhang mit der Trauer auftauchen. Diese Fragen reichen häufig sehr tief und können die gesamte Person erschüttern.
„Wenn jemand stirbt, tritt die eigene Identität wieder in den Vordergrund: Wo gehöre ich hin, wo schlägt mein Herz? Viele Menschen, die hierher gekommen sind, fühlen sich zerrissen“, weiß Ijeoma Agu. Wenn ein Angehöriger stirbt, sei es vielen Migranten zudem nicht möglich, zu ihrer Familie fahren, um sich zu verabschieden und gemeinsam zu trauern. „Das müssen sie dann hier alleine tun.“
In der neuen Gruppe können Migranten Gleichgesinnte treffen, Halt finden und etwas Gemeinsames auf die Beine stellen. Die Treffen finden an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat von 19 bis 21 Uhr in der Bogenstraße 26 in Eimsbüttel statt. Die Teilnahme kostet 15 Euro pro Abend, Ermäßigungen sind möglich. Ein Vorgespräch bei der Anmeldung
(Tel.: 36 11 16 83; E-Mail: info@ita-ev.de) ist obligatorisch.
Noch etwas ist Ijeoma Agu besonders wichtig: „Männer und Frauen sind hier herzlich willkommen.“ Angesprochen sind alle Altersgruppen von 18 Jahren aufwärts. Wenn Familien mit minderjährigen Kindern sich an ITA wenden, verweist der Verein auf seinen Kooperationspartner „Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg“, der Tür an Tür mit ITA Trauergruppen für Kinder und Eltern anbietet.
Trauerbegleiterin Ijeoma Agu ist bei beiden Vereinen engagiert. „Ich könnte nichts anderes machen“, sagt sie. (ag/wb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige