Als „Neger“ bepöbelt

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Elke W. (78) soll einen elfjährigen Jungen als „Neger“ bepöbelt haben Symbolfoto: thinkstock

78-Jährige muss wegen Beleidigung 100 Euro Strafe zahlen

Barmbek/Bramfeld In Bramfeld ist Elke W. (78) ein Original. Viele Menschen kennen die alte Dame, die mit ihrem alten Fahrrad durch den Stadtteil fährt und durch das Sammeln von Flaschen ihre karge Rente aufbessert. Jetzt stand sie in Barmbek vor dem Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihr Beleidigung und Körperverletzung vor. Sie soll einen elfjährigen dunkelhäutigen Jungen als „Neger“ beleidigt und das Kind sogar geschlagen haben.
Wegen dieser Vergehen erhielt die alte Dame einen Strafbefehl über eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro. Dagegen setzte sie sich zur Wehr. Deshalb kam es jetzt zu der Gerichtsverhandlung. Laut Strafbefehl soll Elke W. am Nachmittag des 9. Januar 2014 in der Berner Chaussee in Höhe der Bushaltestelle Hohnerkamp den dort auf dem Radweg stehenden elfjährigen Jim (Name geändert) mit den Worten: „Neger, du stehst im Weg, geh mal in dein Land zurück, bleib lieber nicht in Deutschland“ angesprochen haben. Außerdem soll sie dem Kind unmittelbar danach zwei Ohrfeigen versetzt zu haben.
Vor Gericht stellte sich der Vorfall ein wenig anders da. „Jawohl, ich habe den Jungen als ‚Neger‘ bezeichnet“, gibt die Angeklagte zu. „Aber zuvor hatte mir der Junge den Radweg versperrt. Ich hatte mehrmals geklingelt, aber er ging nicht aus dem Weg. Als ich anhielt sagte er zu mir: Alte Nutte, was willst du eigentlich. Da ist mir das Wort ‚Neger‘ so raus gerutscht. Ich habe mich gleich danach bei dem Jungen entschuldigt! Geschlagen habe ich den Jungen aber nicht.“
Auch Jim, inzwischen zwölf Jahre alt, gesteht dem Gericht: „Ja, es stimmt, ich habe böse Worte gesagt!“ Er sieht dabei verschämt zu Boden. „Ich habe zu ihr gesagt: Geh weg, du hässliche alte Frau!“ Das Wort „Nutte“ will er nicht gebraucht haben. An die Schläge erinnert er sich zunächst nicht – doch dann kommt offensichtlich die Erinnerung zurück: „Ja ja, sie hat mir links und rechts eine geklatscht!“



Ein weiterer Junge, der damals vor der Polizei aussagte, kann sich kaum noch an den Vorfall erinnern. Geschlagen habe die alte Dame nicht, erklärt er. Und er bestätigt, dass Jim das Schimpfwort „Nutte“ ab und zu in der Schule verwendet. Für den Anwalt der Angeklagten ist die Sache eindeutig. „Geschlagen wurde nicht und die wechselseitigen Beleidigungen haben sich kompensiert“, erklärt er und fordert „Freispruch“ für seine Mandantin. Elke W. sei in einer Zeit aufgewachsen, als der Ausdruck „Neger“ normal gewesen sei. Auch Schriftsteller wie Erich Kästner oder Astrid Lindgren hätten dieses Wort in ihren Büchern verwendet.
Die Richterin sieht es anders. Sie verurteilt die alte Dame zu einer Geldstrafe von 100 Euro. „Was Astrid Lindgren und Erich Kästner früher geschrieben haben, ist für die heutige Zeit nicht relevant“, erklärt sie in der Urteilsbegründung. Das Wort „Neger“ sei eine die Ehre verletzende Beleidigung. Strafverschärfend sei es, dass mit diesem Wort in diesem Fall ein Kind beleidigt worden sei. „Streichen Sie dieses Wort aus ihrem Sprachschatz!“, ermahnt die Richterin die Angeklagte schließlich. (je)
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6 Kommentare
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Marco Rossero aus Sülfeld | 24.04.2015 | 05:04  
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Marco Rossero aus Sülfeld | 24.04.2015 | 05:20  
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Karl Martell aus Eilbek | 25.04.2015 | 11:01  
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Erich Heeder aus Billstedt | 27.04.2015 | 16:00  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 27.04.2015 | 16:35  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 27.04.2015 | 17:09  
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