Altenpfleger und Bewohner geraten aneinander

Anzeige
Heimbewohner mit dem Finger auf die Brust getippt. Prozess wegen Körperverletzung Symbolfoto: thinkstock

Pfleger steht wegen Körperverletzung vor Gericht

Von Martin Jenssen
Barmbek
Altenpfleger Benjamin S. (29) hatte am 14. November keinen guten Tag. In einem Seniorenheim am Barmbeker Markt sollte er bei Karsten S. (62), einem Bewohner des Heims, einen Verbandswechsel vornehmen. Dabei gerieten Pfleger und Patient in einen heftigen Streit. Um seinen Argumenten mehr Gewicht zu geben, stieß der Altenpfleger dem Senior mehrfach mit dem Finger auf die Brust. Heimbewohner Karsten S. ist Bluter. Er erlitt durch die Fingerstupser sechs Hämatome auf seiner Brust. In Begleitung seiner Schwester meldete er sich bei der Polizei und zeigte den Altenpfleger an. Als Beweis legte er Fotos von den Hämatomen vor; Bilder, die er selbst vor einem Spiegel aufgenommen hatte.
Wegen Körperverletzung musste sich der Altenpfleger deshalb vor dem Amtsgericht Barmbek verantworten. In seiner Einlassung räumte er sein Fehlverhalten ein. Benjamin S.: „Während des Verbandswechsels kam es zu einem Streit um eine unserer Putzfrauen. Dabei habe ich die Fassung verloren. Ich habe ihm mit dem Finger auf die Brust getippt. Das hätte ich nicht tun dürfen, zumal mir seine Krankenakte bekannt ist.“ Gestritten hatten Pfleger und Patient um das Verhalten einer dunkelhäutigen Putzhilfe, die sich weigerte, das Zimmer des Seniors weiterhin zu säubern. Der alte Herr machte den ebenfalls dunkelhäutigen Pfleger dafür verantwortlich. Er habe ihr dazu geraten Die Putzfrau hatte jedoch einen guten Grund, das Zimmer von Karsten S. nicht mehr zu betreten. Kleinlaut gestand der pflegebedürftige Heimbewohner vor Gericht ein, dass er die Putzfrau schwer beleidigt hatte. Während sie bei ihm das Zimmer säuberte, hatte er ihr verboten, den Teppich hochzuheben. Dabei hatte er sie mit den Worten beschimpft: „Der Teppich ist teurer als Sie!“ Später hatte er sich dafür bei ihr entschuldigt. Sie wollte aber trotzdem nicht mehr bei ihm putzen. Benjamin S. durfte trotz des Vorfalls weiter in dem Seniorenheim arbeiten. Es ist ihm aber zur Zeit noch verboten, das Zimmer von Karsten S. zu betreten. Der schwerkranke Patient hat noch Angst vor dem Pfleger. „Eine Entschuldigung des Pflegers könnte ihm diese Angst vermutlich nehmen“, sagt Gabriele F., die Schwester des Opfers. „Das wäre für ihn sicher eine Beruhigung.“ „Seniorenheime sind sehr sensible Bereiche“, kommentierte die Vorsitzende Richterin. Ihr Kompromiss, der wieder Frieden im Seniorenheim schaffen soll: Benjamin S. soll einen Entschuldigungsbrief an Kersten S. schreiben. Außerdem muss er 500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Sobald das erfolgt ist, wird das Verfahren gegen den Pfleger eingestellt.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige