Betrug im Namen der „Hamburger Tafel“

Anzeige
Achtung Trickbetrüger: So ähnlich sah der Überweisungsträger zugunsten der Tafel aus. Das Wochenblatt hat ihn nachempfunden Grafik: wb
Hamburg: Bramfelder Straße 102 b |

Angebliche Gewinner sollten Geld an die Organisation überweisen.Trickbetrüger missbrauchen guten Ruf des Hamburger Vereins

Von Franz Josef Krause
Hamburg-Barmbek
Eigentlich wäre es für Christian Tack, den ehrenamtlichen Geschäftsführer der Hamburger Tafel, ein Grund zur Freude: Da haben in den vergangenen Wochen 17, ihm völlig unbekannte Menschen aus dem südwestdeutschen Raum jeweils gut 200 Euro auf das Haspa-Konto der Tafel überwiesen. Geld, das dort im Prinzip gut aufgehoben wäre. Allerdings trugen alle Überweisungen den Hinweis auf ein Aktenzeichen, mit dem weder Tack noch der Mitarbeiter der Haspa, dem das zuerst aufgefallen war, etwas anfangen konnten.

Falsche Juristin am Telefon

Recherchen ergaben schnell, dass die vermeintlichen Wohltäter nicht der Tafel, sondern sich selbst Gutes tun wollten. Denn Telefonate mit einigen Absendern des Geldes erbrachten immer die gleiche Geschichte. Eine Frau Doktor der seriösen Kanzlei Siegel & Partner aus Hamburg – die es dort noch nie gegeben hat – teilte den erstaunten, oft älteren Bürgern am Telefon mit, dass sie bei einem Gewinnspiel so richtig Glück gehabt hätten. Stolze 48.000 Euro – manchmal sogar mehr – warteten darauf, überwiesen zu werden. Einfach so! Es gäbe nur eine kleine Hürde. Bevor der Geldstrom fließt, möge der Gewinner doch bitte den lächerlichen Betrag von gut 200 Euro auf ein völlig unverdächtiges Konto bei der Haspa überweisen und ein bestimmtes Aktenzeichen mit angeben. Ein Aktenzeichen, das ist doch sicher seriös, denn Verbrecher, so weiß doch jeder, kennen keine Akten. Danach, so die Bitte der Frau Doktor, möge man sie kontaktieren.

Tafel gibt Geld zurück

Wer das tat, der wurde mit der nächsten Hürde vor dem Reichtum konfrontiert. Der Gewinner müsse seinem Glück sozusagen nochmals auf die Sprünge helfen. Denn, so die Frau Doktor, anders könne das Geld von dem zuvor genannten Haspa-Konto nicht an ihn überwiesen werden. Lächerliche 2.000 Euro seien nun bei einer Berliner Bank mit einem Begünstigten im östlichen Ausland zu zahlen. Wer da noch nicht stutzig wurde, machte vermutlich folgende Rechnung auf: 48.000 Euro abzüglich 2.200 Euro ergeben 45.800 Euro. Haben oder nicht haben ergibt sogar 91.600 Euro! So entschieden sich einige für „haben“. Einen scharfen Rechner konnte Tack gerade noch rechtzeitig von der Zahlung abhalten „Ich habe mir gerade die 2.000 Euro zusammengeborgt“, berichtete der „Glückspilz“ fast enttäuscht, bedankte sich aber, dass ihn der Mann von der „Tafel“ vor Schaden bewahrt hat. Inzwischen haben alle „Wohltäter“ das Geld von der Tafel zurück – einer versprach sogar, es nun als Spende zu überweisen.

Freiwillige Spenden immer willkommen

Wer der Hamburger Tafel tatsächlich Gutes tun möchte, für den hat Tack einen Tipp: „Einfach Geld auf das Konto IBAN DE 6520 0505 5012 1713 0515 überweisen. Es müssen gar nicht 200 Euro sein. Wir versenden aber gern Spendenbelege, wenn die Anschrift genannt wird.“

Weitere Infos: Hamburger Tafel
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige