Freias Herz schlägt fürs Rugby-Ei

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Ein Leben ohne Rugby kann sich Freia Gatchell nicht vorstellen. Praktisch: Die Rugby-Arena im Stadtpark ist nur ein paar Minuten von ihrer Barmbeker Wohnung entfernt Foto: Thomas Hoyer

Seit 25 Jahren gehört die Ex-Nationalspielerin und Barmbekerin zur Elite des körperbetonten Rasensports

Mehr als ein Vierteljahrhundert betreibt sie ihren Sport, und sie ist noch lange nicht müde. Die Rede ist von Ex-Rugby-Nationalspielerin Freia Gatchell, die mit dem FC St. Pauli nicht weniger als sechsmal Deutsche Meisterin wurde und mit ihrem Team derzeit wieder bei den Besten mitmischt.

Der Rugbyport wurde der Barmbekerin gleichsam in die Wiege gelegt. Vater Jens Michau, ein ehemaliger Spieler des FC St. Pauli, der sich seit Ende seiner aktiven Karriere als Nachwuchs- und Frauentrainer um den Club verdient macht, nahm seine Kinder schon früh mit auf den Sportplatz. Bereits als Vierjährige wurde Klein-Freia Vereinsmitglied, und schon einige Monate später bestritt sie ihr erstes Spiel in einer gemischten D-Jugendmannschaft (heute „U8“). Der Auftakt zu einer langen, sehr erfolgreichen Rugbykarriere. „Ich habe kürzlich mal einen Film von meinen Anfängen gesehen. Das war alles noch nicht so effektiv“, schmunzelt Freia Gatchell. „In einer Szene ist mein Vater am Spielfeldrand fast über mich gefallen. Ich stand nur passiv an der Seite und habe neugierig zugeschaut.“

In den folgenden Jahren ging es dann steil bergauf. Bis 15 spielte sie noch in einer Jungenmannschaft, doch trainierte sie bereits parallel bei den Damen mit, zu denen sie 1998 endgültig überwechselte. Zu dieser Zeit dominierten der FC St. Pauli und der SC Neuenheim (Heidelberg) den deutschen Frauenrugby, trafen dabei sechsmal in Folge im Meisterschaftsfinale aufeinander. Noch im gleichen Jahr durfte Freia erstmals Endspielluft schnuppern, doch unterlag ihr Team den Heidelbergerinnen mit 12:26. Und auch ein Jahr später langte es nur zur Vizemeisterschaft. Dann aber durfte die damals 17-jährige Gymnasiastin erstmals über den Titel jubeln, dem noch fünf weitere folgenden sollten.

Mehrere Saisons im Nationalteam

Mit ihren Leistungen auf der Position des „Gedrängehalb“ (Nummer 9), einer Verbindungsspielerin zwischen Sturm und Hintermannschaft, machte Freia auch schnell höheren Orts auf sich aufmerksam. 2001 absolvierte sie gegen Italien und die Niederlande im Rahmen der WM-Vorbereitung ihre ersten beiden von insgesamt 25 Länderspielen, und es wären sicher noch viel mehr geworden, hätte der Deutsche Rugby-Verband die Frauennationalmannschaft nicht 2006 aus Kostengründen aufgelöst. Höhepunkt ihrer internationalen Karriere war aber nicht nur die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2002 in Barcelona, sondern auch ein Auslandsengagement in der starken französischen Liga beim LMRCV Club Villeneuvois, wo Freia Gatchell den Sprung in die Stammformationen schaffte. „Der Verein suchte damals einen Gedrängehalb, ich habe nicht lange gezögert“, erinnert sich die 31-Jährige, die mit ihrer Größe von 1,60 Meter und einem Kampfgewicht von 58 Kilo als kleine wendige Spielerin ideale Voraussetzungen als Gedrängehalb mitbringt. „Ich hätte auch länger als eine Saison bleiben können, doch wollte ich mein Geschichtsstudium, dass ohnehin schon sehr unter den zahlreichen Reisen und dem vielen Training gelitten hatte, nicht vollständig aufgeben.“

Nur eine schwere Verletzung

Freia kehrte 2006 nach Hamburg zurück und spielte weiter für ihren FC St. Pauli, ehe sie 2010 ein Kreuzbandanriss im linken Knie zu einer mehrmonatigen Pause zwang, neben einem Nasenbeinbruch die einzige schwere Verletzung in ihrer Karriere. „Danach habe ich zunächst einmal eine Auszeit gebraucht und nur als Jugendtrainerin gearbeitet“, so Freia Gatchell, die seit 2013 mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Scott verheiratet ist, der früher ebenfalls im braun-weißen Dress auflief. „Doch es hat bald wieder in den Füßen gekribbelt, und in der nächsten Saison gab es ein Comeback. Rugby ist einfach eine faszinierende Sportart, die aber nur bei einem intakten Mannschaftsgefüge erfolgreich betrieben werden kann.“

An ein endgültiges Karriereende denkt die Barmbekerin, die im Athletenclub Hamburg mit 16 Kilogramm schweren Kugelhanteln zusätzlich trainiert, derzeit nicht: „Wir haben wieder ein tolles Team. Mein Spaß am Rugby ist genauso groß wie vor 25 Jahren!“ (th)

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