HSV in Not – Nord-Klub schon jetzt in der Krise?

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Das Lachen vergeht ihm allmählich: HSV-Trainer Bruno Labbadia plagen Sorgen auf und neben dem Spielfeld. Bildquelle: Fingerhut – 98931956 / Shutterstock.com

Für den bedeutendsten norddeutschen Fußballverein läuft es noch nicht rund. Der Hamburger SV steht bereits zu Anfang der neuen Saison in jener Tabellenhälfte, die er in den letzten drei Spielzeiten nur allzu gut kennengelernt hat. Doch nicht nur die schlechten sportlichen Ergebnisse machen Trainer Bruno Labbadia zurzeit zu schaffen, es sind auch Verletzungssorgen und Geschehnisse außerhalb des Spielfelds, welche die norddeutsche Gemütsruhe beim HSV belasten. Droht eine erneute Krisensaison?

Als hätte der Hamburger Sportverein mit nur einem Punkt aus nunmehr zwei Spielen nicht bereits genug Sorgen, verletzte sich jüngst auch noch Außenverteidiger Dennis Diekmeier. Der 26-Jährige zog sich während des Trainings einen Faserriss in der Wade zu und wird mindestens zwei Wochen ausfallen. Dies zumindest ergab eine Untersuchung im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Diekmeier, der diese Saison seinen so sichergeglaubten Stammplatz an Gotuku Sakai verlor, gibt sich nichtsdestotrotz kämpferisch: „Ich hatte schon deutlich schwerere Verletzungen, das wirft mich nicht um.“ Und dennoch: Im Kampf um den Stammplatz auf der rechten Abwehrseite erscheint die Verletzung nicht sonderlich förderlich.

Lediglich ein Bundesligaspiel und insgesamt 24 Spielminuten absolvierte Diekmeier bis dato. Trotzdem bedeutet die Verletzung für das Team eine erhebliche Schwächung, denn der HSV hat auch auf anderen Defensivpositionen mit erheblichen Personalsorgen zu kämpfen.

Leistungsdaten von Dennis Diekmeier 2015/2016


Spiele: 22
Spielminuten: 1.440
Tore: 0
Vorlagen: 0
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0



Mit Johan Djourou fiel im letzten Spiel gegen Leverkusen ein weiterer wichtiger Mann für die Defensive aus. Nachdem auch Lewis Holtby nach 66. Minuten das Feld gegen Leverkusen verlassen musste, kam der nach wochenlanger Pause noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte stehende Albin Ekdal auf das Spielfeld. Kein Wunder also, dass allmählich kritische Töne laut werden, die vor allem auf die Transferpolitik von Beiersdorfer abzielen.

Hat Beiersdorfer sich verkalkuliert?

Bruno Labbadia bewertet die derzeitige Personalsituation beim Hamburger SV gewohnt nüchtern: „Die Situation ist nicht optimal, aber das kann man nicht ändern.“ Manch kritische Stimme verweist allerdings darauf, dass man vor der Saison durchaus Handlungsoptionen gehabt hätte. Zuletzt verpflichtete Beiersdorfer zwar Linksverteidiger Douglas Santos für 6,5 Mio. Euro, ein defensiver Allrounder ist dieser aber nicht.

„Hätte es einen Spieler gegeben, der uns substanziell verstärkt hätte und finanzierbar gewesen wäre, hätten wir ihn verpflichtet“, so der Vorstandsvorsitzende des HSV. Um den Dortmunder Matthias Ginter hatte sich Beiersdorfer vergeblich bemüht, auch Rodrigo Caio konnte der HSV-Funktionär nicht von einem Wechsel zum Nord-Klub überzeugen und konstatiert: „Wir wollten keinen Transfer machen, nur um den Kader aufzufüllen. Dadurch mindern wir sonst auch die Weiterentwicklung unserer Spieler. Und das kann nicht unser Ziel sein.“

Und so wird sich der HSV bereits in den ersten Spielen der neuen Saison durchbeißen müssen. Trotz der Personalsituation gelang dies trotz der 1:3-Niederlage letzten Samstag gegen Bayer Leverkusen aber doch ganz gut – zumindest bis zur Einwechslung des bis dato unbekannten finnischen Stürmers Joel Pohjanpalo, der den HSV mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von nur 15 Minuten ins Verderben stürzte. Für die Leverkusener kommt die überraschende Form des jungen Finnen, der am Dienstag 22 Jahre alt wurde, zum Start der Champions League gerade recht. Ob es auch für die heutige Startelf gegen ZSKA Moskau reichen wird, ist allerdings unklar: „Auszuschießen ist natürlich nichts. Ich denke über alles nach, was die Aufstellung angeht“, erklärte Bayer-Trainer Roger Schmidt.

Leistungsdaten Joel Pohjanpalo 2016/2017


Spiele: 2
Spielminuten: 30
Tore: 4
Vorlagen: 0
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0



Der HSV kann sich derartige Luxusprobleme derzeit allerdings nur wünschen, hat stattdessen noch immer mit der Niederlage zu kämpfen: „Das schüttelt man nicht so einfach ab“, kommentierte Labbadia nur einen Tag nach dem Spiel den mitunter unnötigen Punktverlust. Im Spiel gegen den Champions-League-Teilnehmer konnte der HSV immerhin mit altbewehrten Tugenden überzeugen: Zweikampfstärke, defensive Kompaktheit und die berühmten Nadelstiche in der Offensive, die Neuzugang Bobby Wood, der derzeit positiv aus der Hamburger Elf herausragt, mit der 1:0-Führung vollendete.

Zumindest in der offensiven Abteilung ist Beiersdorfer in puncto Transferpolitik also nichts vorzuwerfen, auch wenn der teuerste HSV-Neuzugang, Filip Kostic, im letzten Spiel seine Formschwäche offenbarte. Unruhig wird man beim HSV dennoch allmählich, denn noch eine Saison, in der man gegen den Abstieg spielt, möchte man beim HSV gewiss nicht erleben. Das gilt für das Hamburger Umfeld ebenso wie für die Verantwortlichen, Spieler, Trainer und Fans.

Spiel gegen RB Leipzig soll Wende einleiten


Besser soll es aber schon am Samstag werden. Dann trifft der Hamburger SV nämlich zu Hause auf die roten Bullen aus Leipzig, die fast bei jedem Auswärtsspiel auf regelrechte Hasstiraden der gegnerischen Fangruppierungen treffen. Auch die HSV-Anhänger wollen dem jungen Aufsteiger aus dem Osten einen unangenehmen Empfang bereiten.

Joachim Ranau, Leiter der HSV-Fanbetreuung, erklärte jüngst, dass viele der bereits jetzt geplanten Protest-Transparente erlaubt sein werden: „Protest und Kritik sind aus unserer Sicht absolut in Ordnung, solange bestimmte Grenzen nicht überschritten werden und niemand diskriminiert, beleidigt oder bedroht wird.“ Die HSV-Fans tun allerdings gut daran, vordergründig den eigenen Verein zu unterstützen, denn im letzten Spiel gegen die Borussia aus Dortmund hat der Bundesliga-Neuling bereits mit einem Überraschungssieg unter Beweis gestellt, dass mit ihm zu rechnen sein wird.

Auf eine gewohnt atemberaubende Atmosphäre im Volksparkstadion dürfen sich Spieler und Fans aber so oder so freuen, auch wenn diese erst kürzlich einen tragischen Verlust zu verzeichnen hatten. Der 79-jährige Unternehmer Ernst Burmeister, der erst kürzlich zum Investor beim Hamburger SV wurde und sich für 4,03 Millionen Euro 1,5 Prozent der Anteile an der HSV AG sicherte, ist am Sonntag nach einem Raubüberfall im Elbeklinikum Stade an den Folgen der Tat verstorben.

Auch wenn Burmeister, der sein Vermögen über einen Familienbetrieb mit Obst- und Gemüse-Handel aufbaute, vielen Menschen nicht bekannt war, ist davon auszugehen, dass einige HSV-Fans auch Plakate und Transparente für den Investor anfertigen werden. Der derzeit ohnehin angeschlagenen Stimmung in Hamburg dürfte dieses Ereignis gewiss nicht guttun. Womöglich resultieren die unschönen Ereignisse der letzten Tage aber auch in eine Jetzt-erst-recht-Stimmung. Zu wünschen wäre es allen Beteiligten, um nicht bereits nach drei Spieltagen in die sportliche Krise zu rutschen.

Bildquelle: Fingerhut – 98931956 / Shutterstock.com
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