800 Jahre Maler-Handwerk

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Eine Zwei-Farben-Motivrolle Fotos: Silhan

Arbeitstechniken und Lebensweisen vieler Generationen

Von Holger Silhan
Billwerder. Klein aber fein. So präsentiert sich am Ortsrand von Billstedt (Billwerder Billdeich 72) das Deutsche Maler- und Lackierermuseum. Mitglieder der Lackierer-Innung Hamburg fassten im Mai 1981 den Entschluss, ein Museum zu gründen, um wertvolles Kulturgut zu sammeln und auszustellen. Der Hauptverband des Deutschen Maler- und Lackierer-Handwerks begrüßte die Hamburger Initiative, stimmte der gefassten Aufgabe spontan zu. Auch die Hamburger Behörde für Kultur zeigte sich von der Idee begeistert und stellte als Ausstellungsraum das unter Denkmalschutz stehende „Billwerder Glockenhaus“ aus dem Jahr 1600 zur Verfügung. Am 18. Mai 1984 wurde das Museum offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Eine Erweiterung des Hauptgebäudes folgte im Jahr 2002. Während im Glockenhaus der „geistige“ Hintergrund des Malerhandwerks dargestellt wird, beherbergt die auf der gegenüberliegenden Straßenseite erbaute „Tenne“ technisches Arbeitsgerät der letzten Jahrhunderte. Bei der Tenne handelt es sich um eine Reet gedeckte Scheune aus dem Jahre 1649. Sie stammt ursprünglich aus Kirchwerder, wurde 1942 unter Denkmalschutz gestellt und 1986, nach der Neuaufstellung am Billwerder Billdeich, dem Maler- und Lackierermuseum zur Nutzung überlassen.
Der erste Besucherblick in der Tenne fällt spontan auf den roten „Tempo Boy“ aus den 50er Jahren. Ein Dreirad Transportfahrzeug, Bj. 1951, mit acht PS und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 40 Stundenkilometer. Wenige Schritte weiter, der mit seinen farblich beeindruckenden Blumenranken spöttisch als „Punschbowle“ bezeichnete Gesellschaftswagen Baujahr 1840. „Dieser Wagen beweist eindeutig die handwerklichen Fähigkeiten damaliger Wagenlackierer,“ so Rudolf Gregersen, Leiter vom Deutschen Maler- und Lackierer-Museum. Besonders aufschlussreich auch die Darstellung einer komplett eingerichteten Malerwerkstatt aus dem Jahr 1600, sowie einer Werkstatt, in der die Tapetentechnik seit Erfindung des Rollenpapiers um 1850 dargestellt wird. „Um 1600 waren Maler überwiegend damit beschäftigt, Schutzschilder mit den Wappen der Ritter zu verzieren oder Heiligenbilder für die Kirche zu malen. Die dafür nötigen Farbpigmente wurden mit Hilfe von Farbmühlen oder Reibsteinen produziert. Als „Grundstock“ der Farbe Weiß diente Kreide von der Insel Rügen, Ocker-Farben stammten aus gelber, französischer Erde und die Farbe Grün aus dem grünen Erdreich in Böhmen. Zur Nutzung der Farbe wurde fein gemahlenes Erdreich in Bindemittel eingerührt,“ erklärte Rudolf Gregersen.
Beeindruckend der Fahnen- und Zunftsaal, mit malerisch herausragenden Wandflächen unterschiedlicher Gestaltung. Besonderes Schmuckstück im Museum, die um 1630 farbenprächtig und inzwischen neu restaurierte Holzdecke in der Balkondiele, sowie die im gleichen Jahr entstandene Deckenbemalung mit Rundmedaillons, Ranken -und Tiermotiven.
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