Egoshooter sind ein Werkzeug des Teufels

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(Foto: br1dotcom - flickr.com)

Immer wieder nach einem Amoklauf o. ä wird das komplette Leben des Täters von der Presse durchleuchtet und nach einem Grund für die schreckliche Tat gesucht. Oftmals wird hier nach einfachen - plakativ darstellbaren - Gründen gesucht, die auf einfachste Weise eine Ursache darzustellen scheinen.

Neben den Songtexten diverser Rock- und Gothicbands, steht immer wieder das Thema Egoshooter im Fokus der Kritik. Scheinbar liegt hier der Grund für die Tat ja förmlich auf der Hand. Der Spieler rennt aus der Egoperspektive, bewaffnet mit einer Waffe in der Hand, sinnlos meuchelnd durch die Gegend und wird hierdurch abgehärtet und/oder geübt, die virtuelle Schießerei auch einmal in echten Leben nachzuempfinden.

Groß ist immer der Aufschrei wenn ein solches – evtl. sogar indiziertes – Spiel bei einem Täter gefunden wird. Das dies – insbesondere bei jungen Amokläufern - nahezu immer der Fall ist, rührt schon allein aus der Tatsache, dass Videospiele – wie Egoshooter – mittlerweile einen festen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben und dadurch allgegenwärtig sind. Hier hat sich über die letzten Jahre eine Unterhaltungsindustrie gebildet, die der Filmindustrie von Hollywood in nichts nachsteht. Im Gegenteil, schickt sich die Videospielindustrie in Teilen sogar an, die Filmindustrie zu überflügeln. Triple-A-Titel, wie der Online Shooter Mercelite oder die Call-of-Duty-Reihe, zeigen dieses alljährlich eindrucksvoll auf. Alleine in England und USA verkaufte sich „Call of Duty – Modern Warfare 2“ beispielsweise am ersten Tag bereits 4,7 Millionen mal.

4,7 Millionen potentielle Amokläufer an nur einem Tag, wenn man den Argumenten einiger Politiker glauben darf, die den Kausalzusammenhang zwischen Egoshooter und Amoklauf gar nicht in Frage stellen, sondern als gegeben verbalisieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in den öffentlichen Diskussionen oftmals nur noch Videospiele als Wurzel allen Übels deklariert werden. Gewalttätige Filme – die in den 80ern und 90ern noch für alle Gewalttaten herhalten mussten – scheinen gänzlich aus der Ursachensuche herausgefallen zu sein.

Der Grund scheint ebenfalls darin zu liegen, dass die aktuellen Generationen mit diesem Thema aufgewachsen sind und – evtl. aus eigener Erfahrung – wissen, dass es hier nicht zwingend einen direkten Zusammenhang zu Gewalttaten geben muss. Vielleicht wandelt sich das ganze in 20-30 Jahren erneut – diesmal Pro-Videospiele - und irgendein anderes neues Medium muss als Ursache für Amokläufe herhalten.

Der Mensch ist scheinbar immer auf der Suche nach einfachen Möglichkeiten die immer komplexere und sich schneller ändernde Welt zu verstehen. Oftmals bleibt hier ein vernünftiges Auseinandersetzen mit dem Thema auf der Strecke und es wird auf das angeblich naheliegende eingehackt.

Der Regisseur Michael Moore verglich 2002 die Vorwürfe – Videospiele seien Schuld am Columbine-Schul-Massaker – damit, dass auch Bowling für Amokläufe verantwortlich sein könnte, da die beiden Täter am Vorabend Ihres Amoklaufes gemeinsam bowlen gegangen waren.
Oder aber man könnte vor Gericht schlussfolgern, dass ein Messerstecher ja gar keine andere Chance gehabt hat, da er ja bereits seine Butterbrote immer mit einem Messer geschmiert hat.

Diese beiden Argumente sind allerdings ähnlich platt wie die Pauschalaussage, dass Egoshooter ein Werkzeug des Teufels seien.
Die Ursache für Amokläufe und andere Gewalttaten lassen sich nicht durch einfaches „Schwarz-Weiß-Denken“ ermitteln, sondern bedürfen ein tiefes und zeitintensives Auseinandersetzen mit unser Gesellschaft und insbesondere dem Persönlichkeitsprofil und Umfeld des Täters.
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