Jugendliche Flüchtlinge machen Theater

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Für die Darsteller und Macher gab es nach einer gelungenen Vorstellung von „Paradise now“ im Kulturpalast Billstedt viel Applaus Foto: C. Yaman

Stück „Paradise now“ im Kulturpalast Billstedt bewegt Zuschauer

Von Cetin Yaman
Billstedt
Das Thema Flüchtlinge gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Mit den zunehmenden Kriegsgebieten steigt auch die Anzahl der Flüchtlinge hierzulande. Wie es den jugendlichen Flüchtlingen hier ergeht, steht im Mittelpunkt des Theaterstücks „Paradise Now“, das im Kulturpalast Hamburg in Billstedt am vergangenen Wochenende aufgeführt wurde. Die Aufführung ist eine Kooperation des Vereins „für soziales e. V.“ mit der Stiftung Kulturpalast“ und der HipHop Academy Hamburg.
Jedes Jahr flüchten Jugendliche aus der ganzen Welt, um in Europa ihre neue Heimat zu finden, häufig ohne Eltern, große Geschwister oder andere Bezugspersonen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Krieg, Armut, Unterdrückung, die Suche nach einem besseren Leben. Was sind ihre Träume, Sehnsüchte, Ängste, Phantasien? Wie unterscheiden diese sich von deutschen Jugendlichen oder sind es etwa dieselben? Genau um diese Fragen geht es in dem Projekt „Paradise NOW“, das mit Sprechtheater, Bewegung, Tanz und Musik umgesetzt wurde.
Jugendliche aus Afghanistan, Iran, der Türkei und Somalia begegnen dabei Jugendlichen aus Deutschland, die hier aufgewachsen sind. In dem von Regisseur Lutz Pickardt geleiteten Bewegungstheater wird eine realistische Situation von verschiedenen jugendlichen Flüchtlingen und ihrem Leben in Deutschland dargestellt. Neben Szenen, die in einem Jugendzentrum spielen, wird auch auf eindrucksvolle Art das Kriegsgeschehen auf der Bühne und im Saal nachempfunden.
Diese Momente hinterließen bei einigen den stärksten Eindruck: „Das war sehr bewegend, da wurde mir erst deutlich, was ihr erleben musstet“, sagte eine Besucherin beim anschließenden Publikumsgespräch mit den Darstellern. Ein anderer Zuschauer fand den Satz „Glaubt ihr, wir machen das aus Spaß und verlassen unsere Heimat?“ besonders emotional berührend.
Regisseur Pickardt, der aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls einer Akteurin selbst mitspielte: „Dieses Theater ist unsere Antwort auf Pegida“.
„Paradise now“ wurde in drei Monaten von den Jugendlichen eingespielt. Anfang Oktober fand das Casting zu dem Stück, seitdem änderte sich die Besetzung einige Male. „Es war nicht ganz einfach, da es auch mit dem Dolmetschen mal klappte und mal nicht. Aber mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden. Es war eine unglaublich tolle Leistung, die diese Jugendlichen hingelegt haben. Einer von den Darstellern ist 16 Jahre alt und war vier Jahre in seinem Leben auf der Flucht“, so Pickardt. Die Besucher schlossen sich dieser Einschätzung an: „Ich war richtig geflasht, das habt ihr super toll gemacht. Eine sehr mutige Darstellung, vielen Dank dafür“, lautete eine Stimme aus dem Publikum. Viel Szenenapplaus erhielten auch die Tanzeinlagen zu der eingespielten Hip-Hop Musik, Darsteller Sadegh Bayat präsentierte sogar eine Rap aus Afghanistan.
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