Kunst ist Kommunikation

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Das Werk zur Flüchtlingsproblematik ist eine Collage, die Heeder zur aktuellen Sperrung der Balkan-Route erstellt hat Fotos: Grell

In Mümmelmannsberg verwurzelt: Erich Heeder stellt seit 30 Jahren aus

MÜMMELMANNSBERG. Erich Heeder ist Künstler und mit dem Stadtteil Mümmelmannsberg seit Jahrzehnten verbunden. Lange hat er selber dort gewohnt, und seit 30 Jahren ist er Mitglied des offenen Ateliers, das in einem ausrangierten Keller der Saga ihren Unterschlupf gefunden hat.

Mit langen, etwas zotteligen Haaren, Schiebermütze und großer Statur ist Heeder schon auf den ersten Blick ein Typ, den man nach dem Zusammentreffen nicht wieder vergessen wird. Sein ironisches Lachen und der humoristische aber auch ernsthafte Blickwinkel, mit dem er die Geschehnisse beobachtet, regen ihn zu seinen skurrilen Kunstwerken an, die er jetzt in dem winzigen Atelier der Künstlergruppe ausstellt.

Viel zu klein scheint der Raum für die großartigen Ideen, die Erich Heeder in seinen Arbeiten mitteilen möchte. „Es ist schwer, irgendwo ausstellen zu können, wenn man nicht schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hat oder viel Geld mitbringt“, so Heeder, der dennoch die kleinen Hürden des Künstlerdaseins mit einem Wink von sich weist. Erich Heeder war einmal Zentralheizungsbauer, „bis die Kunst zu mir kam“, erinnert sich der bildende Künstler bescheiden.

Heute erstellt er Collagen mit Tiefgang und erzählt Geschichten, die nicht nur aus dem Stadtteil stammen, sondern die ganze Nation betreffen. Ein großes Foto einer Flüchtlingsfamilie prangt an der Wand – mit Stacheldraht überzogen. Es erinnert an die Sperrungen der Grenzen auf der Balkan-Route in Richtung Europa. Ein paar Stofffetzen hängen bereits symbolisch für das Scheitern der Geflüchteten am Draht. „Rot für das Blut der Verwundeten und grün für die gebliebene Hoffnung“, erklärt der Künstler aus Mümmelmannsberg. Eine Lady, die einen Joint raucht und dabei einen Frosch auf der Schulter sitzen hat, betitelte Heeder mit „Lieber einen Frosch auf der Schulter, als…“.

Es ist eines seiner Anliegen, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und in Bewegung zu bringen. Schon deshalb hat Erich Heeder, der ursprünglich aus einem Dorf in der Nähe von Hannover stammt, auch viele Projekte zusammen mit Bewohnern des Stadtteils organisiert. Wer kreativ ist, der könne jederzeit zum Künstler werden, davon ist der 63-Jährige überzeugt.

Wer Interesse hat, zum offenen Atelier zu kommen und mitzumachen, wenn die Mitglieder in der Malschule gemeinsam kreativ werden, kann einfach vorbeikommen. „Alles hier ist ganz unkonventionell und offen“, betont Heeder. Man müsse sich weder zur Teilnahme an Kursterminen verpflichten, noch Mitglied werden. Erich Heeder ist nicht nur ein Künstler aus Leidenschaft, sondern vor allem darauf aus, andere mitzureißen und zu eigenen kreativen Werken zu motivieren. Kunst, „das ist vor allem auch Kommunikation“. (kg)

Offenes Atelier Mümmelmannsberg, Hohe Holl 22,
Telefon 712 88 24 oder 713 60 46
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 16.06.2016 | 17:57  
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