Mord im Bordell

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Der Angeklagte soll im Bordell den Barkeeper mit sieben Schüssen in Kopf, Nacken und Rumpf erschossen haben Symbolfoto: wb

Barkeeper im „Relax“ erschossen. Täter: Gedächtnislücke

Von Martin Jenssen
Billstedt
Im Billstedter Polizeirevier ist viel los. Aber so was hatten die Beamten zuvor noch nie erlebt: Es ist der 15. März dieses Jahres. Morgens gegen 3.50 Uhr erscheint ein junger Mann auf der Polizeiwache und legt einen Revolver auf den Tresen. Er riecht nach Alkohol, lacht verwirrt und deutet in Richtung des nahegelegen Bordells „Relax“ in der Billstedter Hauptstraße. Der Besucher ist der deutschen Sprache kaum mächtig und stammelt: „Ärger im Puff! Habe für zwanzig Minuten bezahlt und nur zehn Minuten bekommen.“
Bei dem jungen Mann handelte es sich um den Albaner Baftjar H. (23), den die Beamten sofort in Haft nahmen und der sich zur Zeit wegen Mordes vor dem Hamburger Landgericht verantworten muss. „Aus niedrigen Beweggründen“, so der anklagende Staatsanwalt, soll Baftjar H. in dem Bordell den Barkeeper „Beljo“ N. mit sieben Schüssen in Kopf, Nacken und Rumpf erschossen haben. „Als wir gegen 4 Uhr im Bordell eintrafen stellten wir bei dem Opfer noch einen geringen Puls und eine schwache Atmung fest. Doch gleich danach,um 4.04 Uhr, trat der Tod ein“, berichtet die Polizistin Janine R. dem Gericht.
Zu dem Streit mit dem Barkeeper, einem 25-jährigen Familienvater, soll es wegen der Bezahlung der Liebesdienste gekommen sein. Angeblich ging es dabei um einen „Liebeslohn“ von nur 40 Euro. Baftjar H. räumt in einer Erklärung die Tat ein. Der Angeklagte behauptet jedoch, sich an viele Einzelheiten in der Tatnacht nicht mehr erinnern zu können.

Alkohol in Strömen


Am Nachmittag vor der Tat hatten Baftjar H. und seine Familie ein freudiges Ereignis gefeiert. Der Angeklagte: „Meine Schwester hatte einen Sohn bekommen. Abends habe ich dann mit Freunden in einem Lokal gefeiert. Eigentlich trinke ich als Moslem keinen Alkohol.“ Doch an diesem Abend floss der Alkohol in Strömen. Gegen 1.30 Uhr fuhr der Angeklagte mit einem seiner Freunde zum Bordell. „Dort saßen wir zunächst im Aufenthaltsbereich und haben noch zwei Bier getrunken. Dann kam eines der Mädchen. Sie nahm mich an die Hand und führte mich auf ihr Zimmer. Ich habe keine großen sexuellen Erfahrungen und weiß auch nicht mehr, ob es auf dem Zimmer zu Sex kam,“ berichtet der Angeklagte.
Danach muss es zu dem Streit mir dem Barmann gekommen sein. Der Angeklagte: „Er beleidigte mich, sprach schlimm über meine Mutter und meine Schwester.“ Dann verspottete ihn auch noch der angebliche „Freund“. „Erst hast du keinen richtigen Sex und dann lässt du dich auch noch beleidigen,“ soll der Kumpel gesagt haben. Durch einen Zufall will der aufgebrachte Baftjar H. dann an die Waffe gekommen sein. „Mein Freund hatte mich allein in dem Auto gelassen. Ich war wütend, trommelte auf das Handschuhfach. Es öffnete sich und ich sah darin die Waffe“, erinnert sich der Angeklagte. Mit dem Revolver ging er zurück ins Bordell und feuerte auf den Barmann. Der Prozess wird fortgesetzt.
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