Politiker streiten über geplante Ausstellung

Anzeige
Das Plakat zur Ausstellung, die nach Hamburg kommen soll Foto: wb
Anlässlich des 100. Jahrestags der russischen Oktoberrevolution ist eine Schau in Hamburg geplant

HamburgHamburg Mit teilweise scharfen Worten haben die Abgeordneten der Bezirksversammlung Mitte in ihrer Mai-Sitzung über die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ gestritten, die aus Anlass des 100. Jahrestags der russischen Oktoberrevolution nach Hamburg geholt werden soll. Sie stammt von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Historischen Museum. Matthias Lloyd (CDU) stellte das Projekt vor: 25 Tafeln mit über 200 historischen Fotos, Dokumenten und über Links verbundenen Filmdokumenten aus dem Internet im Format DIN A 1 sollen nach Hamburg geholt und an einem geeigneten Ort ausgestellt werden. Lothar Knode (Grüne) signalisierte Zustimmung, forderte aber, die Verwaltung mit den Vorbereitungen nicht allein zu lassen, es sei „eine Menge Arbeit“.

Nur Maoismus und Stalinismus

Stefan Dührkop (Die Linke) löste mit seinem Redebeitrag eine Kontroverse aus: Die Ausstellung reduziere den Kommunismus auf den Maoismus und Stalinismus, auf historische Bezüge, auf das „Kommunistische Manifest“ und „Das Kapital“ werde nicht eingegangen. Dührkop betonte auf entsprechende Zwischenfragen, er habe sich alle Tafeln angesehen, man merke, dass sie die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitet habe, „das ist mir zu wenig“. Tobias Piekatz (SPD) meinte etwas ironisch, Dührkops Beitrag sei ein Plädoyer gewesen, „dass wir die Ausstellung brauchen“. Sonja Lattwesen (Grüne) machte darauf aufmerksam, dass Historiker Gerd Koenen, der an den Tafeln beteiligt war, ein wichtiger Vertreter sei. Es sei klar, dass eine Ausstellung verkürze. Kay Gottschalk (AfD) kritisierte den „Relativismus des Kollegen Dührkop“, erinnerte an viele Tote und fand, die Geschichte habe gezeigt, dass der Sozialismus kein menschliches Antlitz habe.
Stefan Dührkop entgegnete, eine Erweiterung des Konzepts der Ausstellung, die man machen solle, sei vernünftig, Friedrich Engels und Karl Marx, Ur-Theoretiker des Marxismus würden in England mehr in Ehren gehalten als hierzulande. Klaus Lübke (SPD) fiel es in Bezug auf Dührkop schwer, seinen „Gefühlen Ausdruck zu geben, wie unterirdisch Ihr Beitrag ist“. Dührkop würde nie gegen eine Ausstellung argumentieren, die die Verfolgung der Sinti thematisiere. Letztlich beschlossen die Abgeordneten, den Beschluss, diese Ausstellung zu veranstalten, in ihren Kulturausschuss zu überweisen – dort sollen Vorbereitung und Organisation laufen.

Weitere Infos zur Ausstellung: Der Kommunismus in seinem Zeitalter
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige