„Unterwasser-Wolken“ in Billstedt

Wann? 21.02.2017 bis 11.04.2017

Wo? Möllner Landstraße 31, Möllner Landstraße 31, 22111 Hamburg DE
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Zur Ausstellung „Unterwasser-Wolken“ ist ein gleichnamiges Buch erschienen Foto: to
 
Gerda Bartel zeigt die Bilder ihres verstorbenen Mannes Foto: to
Hamburg: Möllner Landstraße 31 |

Bücherhalle zeigt in Ausstellung Bilder von Heinz Bartel, der als Alzheimer-Patient zum Künstler wurde

Von Thomas Oldach
Billstedt
Er hatte sich zuvor nie mit Pinsel und Farben beschäftigt. Doch als die Alzheimer-Krankheit immer mehr von ihm Besitz ergriff, wurde er zum Künstler. Heinz Bartel hat farbenfrohe, intensive Aquarelle geschaffen, die man gesehen haben sollte. Dies ist jetzt in der Bücherhalle Billstedt möglich. 30 Arbeiten, die den Krankheitsverlauf zeigen, von viel Mut zeugen und Mut machen. Heinz Bartel stand mit beiden Beinen als Speditions- und Reedereikaufmann voll im Leben, hatte in seinem Beruf fast alle Ecken der Welt gesehen – als sich plötzlich über Nacht alles schlagartig änderte. 2003 wurde er in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert. Was zunächst nach Erschöpfung und Depression aussah, entpuppte sich 2006 als Alzheimer-Erkrankung. Von 2007 an malte Heinz Bartel, brachte ihm sichtlich Entspannung und Freude. „Sein Leben mit der Krankheit wurde dadurch erträglicher und sogar sichtlich bereichert“, sagt Gerda Bartel. Und ihr Mann sagte noch 2008: „Das Schlimmste ist, dass ich noch lange nicht alles vergessen habe. Dass ich mich noch erinnern kann, wie es war, mich erinnern zu können.“

Ausstellung soll Mut machen

Doch Anfang 2011 war der Malvorgang, den Pinsel in Wasser und Farbe zu tauchen, wie über Nacht weggefegt. Die Krankheit hatte ihrem Mann eine weitere Fähigkeit geraubt – „er wurde traurig und schweigsam“, sagt Gerda Bartel. Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend, er musste ins Pflegeheim – wo er im Dezember 2015 mit 70 Jahren in den Armen seiner Frau starb. Die 77-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Gedenken an ihren Mann wach zu halten, sondern eben auch darauf hinzuweisen, dass Alzheimer zwar eine schwere Erkrankung mit einem stetig wachsenden Gedächtnisverlust und seelischen Schwankungen sowie körperlichen Einschränkungen ist – sie aber auch in vielen Menschen Eigenschaften aus den Tiefen der Seele hervorlockt, die jahrzehntelang offenbar verschollen waren und nur darauf gewartet haben, erweckt zu werden. „Die Motivation für die Ausstellung seiner Arbeiten ist nicht nur das Bedürfnis anderen Menschen zu zeigen, dass selbst Krankheit noch Kreativität wachrufen kann, sondern um Erkrankten Mut zu machen, selbst zu Stift oder Pinsel zu greifen“, sagt Gerda Bartel. Aber sie gibt auch zu: „Es gab Momente, da wollte ich alles hinwerfen. Momente, wenn mein Mann mich nicht erkannte, mich wie eine Fremde behandelt und beschimpft hat. Ich habe es einfach laufen lassen. Denn ich wusste: Nach einer kurzen Pause ist er wieder mein Mann, mit dem ich bereits seit 44 Jahren glücklich verheiratet bin.“ Die Ausstellung unter dem Titel „Unterwasser-Wolken“ in der Bücherhalle Billstedt ist bereits die siebte ihrer Art. Zuvor war sie in den Räumen der Alzheimer Gesellschaft und diversen Kirchengemeinden zu sehen. Dazu gibt es auch ein gleichnamiges Buch zum Preis von 25 Euro mit vielen Fotos und Geschichten.

Ausstellung in der Bücherhalle Billstedt: bis 7. März (11 bis 18 Uhr), Eintritt frei, Möllner Landstraße 31, Telefon 732 52 20; Buchbestellung unter Telefon 511 40 12 oder www.unterwasser-wolken.de
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