Von Schönheit und anderen Werten

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Schneewittchen (Lilly Kramer) kümmert sich um die sieben Zwerge Foto: fbt

Die Laienspielgruppe Oststeinbek spielt „Schneewittchen“ mit Kindern und Erwachsenen

Von Frank Berno Timm
Oststeinbek
Sie spielen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht – die Kinder und Erwachsenen der Laienspielgruppe Oststeinbek. Ende November hat „Schneewittchen“ Premiere: ein Lehrstück über den „Nutzen“ äußerer Schönheit. Das Wochenblatt hat eine Probe im Oststeinbeker Bürgersaal besucht. Nein, sagen Mariebelle Otte und Becky Bänsch, mit dem Textlernen hätten sie keine Probleme gehabt. Gut 30 Seiten stark ist das Textbuch von „Schneewittchen“, um 16 Uhr beginnt die Probe. „Sucht Ihr Euch mal eben die Mützen raus? Und die Bärte?“ Regisseurin Gabi Fitzner bereitet die Bühne im Bürgersaal vor. Es „macht Spaß, anderen Leuten Freude zu bereiten“, erklärt Mariebelle überzeugend, als sie über ihre Motivation spricht, Theater zu spielen.
Hiltrud Wittke, auch sie führt Regie, berichtet, „Schneewittchen“ sei eines der ersten Oststeinbeker Stücke gewesen, das nun in einer „entgruselten“ Fassung auf die Bühne kommt. Zuschauerkinder hatten sich vor der bösen Hexe gefürchtet, selbst dann noch, als die „Frau dahinter“ vorgestellt worden war. Die Werbekauffrau hat ihre eigene Geschichte mit der Gruppe, wie viele hier: Ihr Vater hat sie gegründet. „Das mit den Kindern, das macht einfach Spaß!“, sagt sie.
Dann nimmt der Grimm-Klassiker auf der Bühne seinen Lauf. „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Einer der Zwerge hat schon wieder Gold statt Kohle gefördert, moniert der wunderbar altkluge Knaux (Becky Bänsch). Die Szene wechselt an den Hof, und dessen Marschall Holger Stark, ein sichtlich geübter Theatermann und Komödiant, erscheint: Sein immer wiederkehrender Satz „Das is‘ aber merkwürdig!“ wird, kein Zweifel, in den Aufführungen zu viel Gelächter führen.
„Schneewittchen“ ist auch in der Oststeinbeker Fassung ein wunderbares Lehrstück über den Wert äußerer Schönheit. Die Königin (Jessica Kramer), zugleich selbstverliebt und an ihrer Schönheit zweifelnd, macht sich bekanntlich abhängig vom „Spieglein an der Wand“, das bald offenbart, Schneewittchen sei viel schöner als sie. Die Herrscherin versucht, das Mädchen, das sich zu den sieben Zwergen geflüchtet hat, zu töten, am Ende siegt die wirkliche Liebe, weil ein Prinz (Kjell Saß) und Bolke der Bär (Peter Kolkmann) die Märchenschönheit retten.
Die Darstellern spielen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Regisseurin Gabi Fitzner beschränkt ihr Eingreifen darauf, ihr Ensemble immer wieder darauf hinzuweisen, dass zum Publikum hin gesprochen werden muss. Fast alle sind textsicher, nur wenige ein bisschen schüchtern, Insgesamt wird ein Theaternachmittag entstehen, den das Publikum begeistert und angetan verlassen wird. Märchen sind, so scheint es, trotz Fantasy, Smartphone-Wahn und Reality-TV, immer noch aktuell.

Termine: 28.+29.11, 5.+6.12., jeweils 15 Uhr, Eintritt: 8 €, Bürgersaal im Kratzmannschen Hof, Möllner Landstraße 22, Oststeinbek
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