1000 Flüchtlinge kommen

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In diesem Gebäude an der Eiffestraße sollen Flüchtlinge unterkommen. Gerade wird es umgebaut Foto: fbt
 
Bezirksamtsleiter Andy Grote beantwortete die Fragen aus dem Publikum Foto: fbt

Behörde plant Unterbringung für rund zehn Jahre im Quartier

Von Frank Berno Timm
Hammberbrook
In Hammerbrook und Borgfelde werden in den nächsten Wochen weitere Flüchtlingsunterkünfte in Betrieb gehen, die teilweise langfristig diesem Zweck dienen sollen. Das haben jetzt Vertreter des Bezirks Mitte und der beteiligten Behörden im Rahmen einer Infoveranstaltung in der Handelsschule an der Wendenstraße erklärt. Der Abend selbst war nur mäßig besucht – deshalb blieben Kontroversen auch aus. Wer sich bislang noch nicht damit beschäftigt hatte, wie und wo nach Hamburg kommende Flüchtlinge untergebracht, wie sie betreut und versorgt werden, konnte bei der Veranstaltung des Bezirks Mitte eine Menge lernen.

Nach sechs Monaten endet die Vollbetreuung


Ein Flüchtling wird zunächst in einer Zentralen Erstaufnahme beherbergt, in der er sich bis zu sechs Monate aufhält. Dort gibt es Gemeinschaftsverpflegung, medizinische Untersuchungen, das Asylverfahren beginnt. Für diese Erstaufnahmen ist die Innenbehörde zuständig. Zweiter Schritt ist die Folgeunterbringung: Hier lebt der Ankommende wieder mehr für sich, es gibt keine Gemeinschaftsverpflegung mehr, der Weg ins „normale“ Leben beginnt. Für diese Folgeunterbringung ist die Sozialbehörde zuständig, außer dem städtischen „fördern und wohnen“ arbeiten nun auch andere Träger. Daneben gibt es vielfältige ehrenamtliche Aktivitäten, die der Bezirk ebenfalls unterstützt.
In der Aula der Handelsschule wurden eine Reihe neuer beziehungsweise umgebauter Unterkünfte vorgestellt. Andrea Stolpmann von der Sozialbehörde (BASFI) sagte, derzeit gebe es 14.000 Plätze in mehr als 85 Einrichtungen. Nach ihren Worten wird an der Eiffestraße im Februar ein Heim in Betrieb genommen, das für zehn Jahre vorgesehen ist, „fördern und wohnen“ als Betreiber wird etwa 334 Personen ein Zuhause auf Zeit geben. Ein zweites Gebäude, knapp 400 Hausnummern weiter, wird mit voraussichtlich 300 Personen für ebenfalls zehn Jahre belegt werden. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die der Landesbetrieb Erziehung und Beratung dort bislang betreut, werden ausziehen.
Nach Angaben von Karin Edler-Wölper (BASFI) befindet sich an der Friesenstraße ein vierstöckiges Bürogebäude gerade im Umbau. Es soll ab Februar für rund 354 Menschen Platz bieten und zehn Jahre lang betrieben werden. Für unbestimmte Zeit werden auf einem zweiten Grundstück in derselben Straße zwei- bis dreigeschossige Containerwohnungen errichtet. Die ehemalige Winternotprogramm-Anlaufstelle am Grünen Deich wird ebenfalls für Unterbringung von 178 Menschen hergerichtet, der Umbau soll bis Januar abgeschlossen sein. Hier ist ein Betrieb bis Ende 2019 vorgesehen.

Syrer, Afghanen und Iraker in der Mehrzahl


Gunnar Eisold (Innenbehörde) erläuterte die Unterschiede zwischen Erstaufnahme und Folgeunterbringung. An der Harburger Poststraße befinde sich die Zentrale Erstaufnahme, sie habe inzwischen mehr als 30 Außenstellen, eine davon an der Wendenstraße in einer Sporthalle. Seit Sommer gebe es den Trend, dass vor allem Syrer, Afghanen, Iraker und Eritreer nach Hamburg kämen, sie hätten „gute Aussichten, zu bleiben“. Die Wendenstraße sei ein „Notstandort“, betonte Eisold. Derzeit seien dort 246 Menschen untergekommen, Betreiber seien die Johanniter. Der Platz sei mit Dixitoiletten etwas ertüchtigt worden, ein Sanitärcontainer soll noch kommen. Die Fragerunde, zu der dann auch Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) stieß, befasste sich vor allem mit den Möglichkeiten der Flüchtlinge, die in den neuen Quartieren leben werden. Es gebe zu wenig Geschäfte und zu wenige Busverbindungen, so die Kritik. Die Schwierigkeit sei – so Grote – dass es in Gegenden mit besserer Infrastruktur „fast keine Flächen“ gebe. Im Publikum gab es Engagierte, die wissen wollten, wie Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingsbetreuung engagierten, versichert seien. Bereichsleiterin Sabine Winter (Fördern und Wohnen) sprach von einem Ehrenamtlichenvertrag, der das sicherstelle und einem erweiterten Führungszeugnis, das vorgelegt werden muss.
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