Abrissvilla kurz besetzt

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Die „Villa Behnke“ steht in der Horner Landstraße 369 nur wenige hundert Meter vom Zentrum Horns und Billstedt entfernt. Seit mehreren Jahren steht sie leer. Foto: Röhe

Behörde: Altes Haus passt nicht mehr in Bebauungsplan

Horn. Der Wohnraum in Hamburg wird knapper und unbezahlbar. Es herrscht Wohnungsnot in der Hansestadt. Erst vor einigen Wochen berichtete das WochenBlatt über den Notstand bei den Studenten, die in einer Turnhalle schlafen müssen. Händeringend versucht die Politik, Wohnraum zu schaffen. Vorwürfe werden gegen Vermieter laut, die ihre Häuser leer stehen lassen. Aber verhält sich die Stadt vorbildlich – wohl kaum, sie ist selbst nicht besser: Immerhin steht seit mehreren Jahren die „Villa Behnke“ an der Horner Landstraße 369 leer. Eigentümer ist die Finanzbehörde, die städtische Wohnungsgesellschaft SAGA-GWG agiert als Verwalter. Leerstand trotz Wohnungsnot? Das nahmen vergangene Woche fünf Hausbesetzer zum Anlass, in die alte Villa einzudringen. Dabei wurden Holzverkleidungen beiseite geschaffen, Transparente durch die Fenster entrollt und das mehrstöckige Haus in Beschlag genommen. Etwa 80 weitere Protestler standen vor der Villa am idyllischen Horner Berg. Die Besetzung dauerte allerdings nur etwa eine Stunde. Dann rollte eine Hundertschaft der Polizei mit  Wasserwerfen, Räumpanzern und Festnahmeeinheit an, um die Demonstranten aus dem Haus zu treiben. Die historische Villa gehört zu Hamburgs letzten Gebäuden in Horn, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Warum lässt die Stadt es so verkommen und über Jahre leer stehen? „Das Gebäude gehört der Hamburger Finanzbehörde. Wir verwalten es nur“, teilt Michael Ahrens, Sprecher der SAGA-GWG mit. Das Unternehmen verhindere, dass Unbefugte Zutritt zum Gebäude bekommen. Strom, Wasser und Gas wurden bereits vor einiger Zeit abgeschaltet worden. „Da der gültige Bebauungsplan des Bezirks das Grundstück an der Horner Landstraße als Grünfläche ausweist, ist eine sinnvolle Nutzung – insbesondere zu Wohnzwecken – nicht zulässig. Das Gebäude soll daher abgerissen werden“, teilt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde mit.  (mr)

Der Direktor einer Chemischen Fabrik in Billwerder, Johann Heinrich Carl Behnke, hatte im Jahr 1883 das Gebäude errichten lassen. Ein herrschaftlicher Sitz mit mehreren Salons. Diese waren über so genannte „Sprachrohre“ mit der Küche verbunden. Im Dachgeschoss soll sich ein Geheimzimmer befunden haben, das sich hinter einer Tapetentür befand. Seit einigen Jahren steht die historische Villa leer.
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