Achse von der City bis zum Stadtrand

Anzeige
Achsenmodell auf der Grundlage des hamburgischen Oberbaudirektors Fritz Schumacher aus den 1920er-Jahren Visualisierung: Breimann & Bruun
 
Die bislang lose verbundenen Grünbereiche sollen zu einer mehr als neun Kilometer langen Landschaftsachse vom Hauptbahnhof bis zum Öjendorfer Park entwickelt werden Visualisierung: Breimann & Bruun

Fünf Millionen Euro-Projekt: Grünbereiche vom Hauptbahnhof bis nach Öjendorf miteinander verbinden

Von Annette Luckey
Billstedt-Horn
Entlang der Alster, der Wandse oder am Elbhang gibt es sie schon: Grüne Achsen , die vom Stadtkern bis zum Stadtrand führen. Für fünf Millionen Euro entwickelt Hamburg parallel zum Wohnungsbau im Hamburger Osten eine neue Landschaftsachse vom Hauptbahnhof bis nach Öjendorf: den Grünzug Horner Geest. Bislang reihen sich auf der Strecke von der Adenauer Allee bis zum Öjendorfer See lose Grünbereiche: Straßenalleen, kleine Parks, baumbestandene Geesthangflächen vorbei an der Horner Rennbahn bis zum Öjendorfer Friedhof mit dem benachbarten See. Diese Grünbestandteile sollen verbunden und weiterentwickelt werden. „Hamburg wächst, auf immer mehr Brach- und Gewerbeflächen oder Baulücken entstehen Wohnungen. Allein im Osten sollen in den nächsten Jahren 20.000 Wohnungen hinzukommen“, erklärt Umweltsenator Jens Kerstan. Um die Lebensqualität trotz Verdichtung zu erhalten, will die Stadt neue Wege in der Grünplanung gehen. Die von den Landschaftsarchitekten Breimann & Bruun entwickelten planerischen Vorüberlegungen sehen eine durchgängige Rad- und Fußgängerverbindung vom Stadtkern bis zum Stadtrand vor. Unter Beteiligung der Bürger aus den Stadtteilen St. Georg, Borgfelde, Hamm, Horn und Billstedt sollen entlang der Strecke entsprechend den umliegenden Nutzerinteressen neue Bäume und Wiesen, Spielplätze, Freizeit- und Aufenthaltsflächen für alle Altersgruppen angelegt werden. Schon im Sommer fällt der Startschuss mit einer Auftaktwerkstatt zur Beteiligung der Öffentlichkeit, die auf vielen Ebenen angeboten wird: Ideenaufrufe im Internet, Projektdarstellungen und Einzelskizzen. Daraus sollen einzelne Bürgerprojekte identifiziert und von Experten wie zum Beispiel Architekten, Landschaftsplanern, Garten- und Landschaftsplanern sowie Freiraumplanern ausgestaltet werden.

Künstlerisch erkunden


Parallel dazu sind zahlreiche Aktionen vorgesehen, um die Anrainer nicht nur planerisch einzubinden: Picknickaktionen, Fackellauf, Entdeckungstouren, Pflanzaktionen und der Einsatz eines Wanderschäfers. Schriftsteller, Fotografen, Comic-Zeichner sollen die Strecke künstlerisch erkunden – in Kooperation mit der Kunsthochschule. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 4,95 Millionen Euro hat bundesweit Vorbildcharakter und wird aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit 3,3 Millionen Euro gefördert: für Planung und Investitionen sowie Personalmittel für 1,5 Stellen. Bis Ende 2019 soll die mehr als neun Kilometer lange Landschaftsachse mit Grün-, Biotop-, Erlebnis- und Mobilitätsverbindung realisiert sein. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund) begrüßt die Pläne. Mit dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ werde eine bereits im Freiraumverbundsystem benannte „Grünachse“ der Hansestadt nochmals aufgewertet. Die Maßnahme kann aus Sicht des Bund sowohl dem Naturschutz als auch der Naherholung zugutekommen. „Wir gehen davon aus, dass dieses Projekt die Landschaftsachse dauerhaft sichert“, so Manfred Braasch, Geschäftsführer des Bund in Hamburg. Auf Kritik stößt die aktuelle Planung, am östlichen Ende am Öjendorfer See unter anderem für Flüchtlingsunterkünfte „massiven“ Wohnungsbau auf zwei Flächen im Landschaftsschutzgebiet zu betreiben. Diese Projekte lehnt der Bund grundsätzlich ab.

Grüne Achsen:
Die Entwicklung eines Freiraumkonzeptes für Hamburg hat eine lange Geschichte. Ausgangspunkt ist das Achsenmodell des hamburgischen Oberbaudirektors Fritz Schumacher. Bereits in den 1920er-Jahren führte Schumacher ein Sternsystem aus strahlenförmigen Siedlungsachsen und grünen Achsenzwischenräumen als Leitbild für die Entwicklung Hamburgs und seines Umlandes ein, um die Bevölkerung mit wohnungsnahen Grün- und Freiflächen zu versorgen. Auf seine Planung gehen die Parks in Winterhude, Altona und Harburg zurück. In den Nachkriegsjahren wurde sein Konzept verfeinert. Heute besteht das Freiraumverbundsystem aus Achsen und den zwei grünen Ringen, sowie aus einem Netz von schmalen Grünverbindungen, die die Lebensqualität der „grünen Metropole Hamburg“ ausmachen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige