Adieu Straßenbahn

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So sah es noch in den 1970iger Jahren aus Foto: Uwe Klaus
 
So hat sich das Erscheinungsbild bis heute verändert Foto: Foto: Gerd von Borstel, Geschichtswerkstatt Horn

Als sich der Nahverkehr in Hamburg drastisch veränderte. Teil 14 der Serie

Von Gerd von Borstel
Horn
In der 14. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn greifen wir ein Ereignis auf, das ziemlich genau 40 Jahre zurück liegt: Am 7. März 1976 fuhr in Horn die letzte Straßenbahn. Anlass für das Stadtteilarchiv, heute die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs auf der Horner Geest vorzustellen. Obwohl die Horner Landstraße mit der Innenstadt schon seit 1835 zuerst durch eine Pferde-Omnibuslinie und später durch die Straßenbahn verbunden war, gab es eine Straßenbahn auf dem Geestrücken erst seit dem 18. Juni 1932. Die Linie 17 fuhr damals über die gerade neu angelegte Sievekingsallee bis zur Endhaltestelle bei der heutigen Hausnummer 209. Ein Blick auf Landkarten oder Luftaufnahmen erklärt die 100-jährige „Verspätung“: Es gab hier oben zwischen dem Horner Weg und dem Tribünenweg schlichtweg keine Wohnbebauung. Noch bis in die frühen 1950er Jahre überwogen Felder und Kleingärten. Nur ein damaliger Senatsbeschluss, die großen Sportstätten in Hamburg – unter anderem auch die Horner Rennbahn – mit eigenen Straßenbahntrassen an die Innenstadt anzubinden und die neu entstandenen Arbeiterwohnungen rund um die Washingtonallee, bescherte uns neben den Linien in der Horner Landstraße eine weitere Straßenbahnanbindung. Die Endhaltestelle verfügte 1932 noch nicht über eine Wendeschleife – die Triebwagen fuhren „rückwärts“ wieder in Richtung Stadt. Erst mit Einführung modernerer Fahrzeuge wurde die Linie im November 1936 über die Kreuzung der Rennbahnstraße bis zum heutigen Einkaufszentrum verlängert. Die Kehrschleife entstand hinter den Häusern Hermannstal 10-14, bis in die 1960er Jahren umgeben von Kleingärten. Da kam es dann schon mal vor, dass die Gänse zwischen den Gleisen liefen. Mit dem Bau der U-Bahn-Haltestelle wurde die Kehre Mitte der 1960er Jahre in den Bereich des heutigen Parkhauses verlegt und wurde im Innenraum als zusätzlicher Parkplatz genutzt. Nach den Luftangriffen 1943 musste die Linie 17 eingestellt werden. Ab 24. Juni 1951 fuhr dann die Linie 16 bis Borgfelder Straße, ab 28. Oktober 1952 die Linie 2 bis Niendorf. 1955 entstand an der Endhaltestelle auch der Vorläufer des heutigen Einkaufszentrums: In einem U-förmigen Flachbau gab es eine Drogerie, eine Gaststätte, einen Textilwarenladen, eine Blumen- und eine Kaffeehandlung, eine Wäscherei, eine Konditorei, einen Damenfrisör und eine Fahrradhandlung. Natürlich durfte auch ein Tabakwaren- und Zeitschriftenladen nicht fehlen. Mit Inbetriebnahme der U-Bahnlinie nach Horn am 2. Januar 1967 nahm die Bedeutung der Straßenbahn rapide ab, zumal ihre Einstellung im gesamten Stadtgebiet schon seit 1958 beschlossene Sache war. Die Linie 2 nach Niendorf endete am ZOB, dafür fuhr ab Burgstraße die „5“ im Pendelbetrieb zur Rennbahn. Aus dieser Zeit stammt das heutige historische Foto. Am 28. September 1968 wurde der Betrieb der Linie 1 in der Horner Landstraße eingestellt. Und auch der „5“ war nur ein kurzes Leben beschert: Sie befuhr am 26. September 1971 ein letztes Mal die Kehrschleife und wurde durch Verlängerung der „15“ ersetzt. Aber auch ihr Ende war abzusehen, da das Netz der Straßenbahn in Hamburg immer weiter ausgedünnt und durch Busse ersetzt wurde. Am 7. März 1976 hieß es dann zum letzten Mal „Horner Rennbahn – Endhaltestelle – Bitte alle aussteigen.“


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