Ärger über Mini-Wache

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Perfekte Lage, aber viel zu klein: die Wache der Freiwilligen Feuerwehr Kirchsteinbek Fotos: Betz

Neuer Anlauf für die Helfer der Feuerwehr Kirchsteinbek

Von Malte Betz
Billstedt. Wenn es brennt, sind die Hamburger Feuerwehren innerhalb von acht bis 13 Minuten vor Ort. Wenn die Helfer selbst einmal Hilfe aus Verwaltung und Politik benötigen, vergehen bisweilen zehn Jahre und mehr. Solange schon kämpft die Freiwillige Feuerwehr Kirchsteinbek um eine größere Fahrzeughalle und damit um einen neuen Standort ihrer Wache. Nach einem parteiübergreifenden Beschluss im Regionalausschuss Billstedt (auf Antrag der SPD) soll jetzt dafür ein neuer Anlauf genommen werden. Doch nach über einem Jahrzehnt des Wartens bleiben die Helfer skeptisch. „An dem Thema ist schon mein Vorgänger verzweifelt“, sagt Wehrführer Harald Wegner, der seit zwölf Jahren Chef der 27 Männer und einer Feuerwehrfrau ist.

Schmal und zu eng

Ihre aktuelle Wache ist 53 Jahre alt und hat die Größe eines Bungalows. Der Backsteinbau mit dem grauen Rolltor im Brockhausweg zählt zu den kleinsten der 87 Wachen der Freiwilligen Feuerwehr in Hamburg. „Bei uns stehen die zwei Fahrzeuge noch hintereinander, in einer Halle die kaum breiter ist als die Lkw selbst“, erklärt Wegner. Letzteres ist unübersehbar: Die beiden Löschfahrzeuge müssen direkt an der Mauer parken, damit den Feuerwehrmännern auf der anderen Seite noch ein knapp 80 Zentimeter breiter Gang bleibt. Dort hängen unter anderem die Schutzausrüstungen, in dem schmalen Gang wird sich im Einsatzfall umgezogen. „Wenn die Dieselmotoren laufen, rußen die alles in der Halle sofort ein“, erklärt Wegner. „Um wenigsten die Ausrüstung der Jugendfeuerwehr zu schützen, haben wir sie in einen Container ausgelagert, der hinter dem Haus steht.“
Die Feuerwehr Kirchsteinbek hat auch außerhalb des Gebäudes ein Platzproblem. Das Grundstück misst nur 600 Quadratmeter – zu klein für einen funktionalen Neubau, samt vorgeschriebener zwölf Pkw-Parkplätze für die freiwilligen Retter.
„Kirchsteinbek steht bei uns auf der Warteliste an erster Stelle“, versichert Andre Wronski, Landesbereichsführer der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg. „Die nächsten freiwerdenden Finanzmittel sind für diesen Wachen-Neubau. Aber bis dahin muss die schwierige Grundstücksfrage geklärt sein“, erklärt der ranghöchste freiwillige Feuerwehrmann der Stadt.
Ein Grundstück mit knapp 3000 Quadratmeter Fläche haben er und Wegner bereits lange im Auge: Die Grün- und Parkplatzfläche an der Ecke Kapellenstraße/Sonnenland, die nur 350 Meter vom alten Standort entfernt liegt. Doch die jüngste Stellungnahme vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung durchkreuzt jetzt ihre Pläne: Laut dem Papier ist eine Feuerwache „im reinen Wohngebiet nicht zulässig (auch nicht ausnahmsweise).“ Zudem sei ein Teil der Fläche am Wunschstandort ein Landschaftsschutzgebiet.

Abgelegen nützt nichts

Das Amt prüfte auf Antrag der Bezirkspolitiker auch die Lage von weiteren Freiflächen in und um Kirchsteinbek. Von fünf leeren Grundstücken sei einzig die Brachfläche an der Billstedter Hauptstraße, gegenüber der Einmündung Schleemer Weg, geeignet für eine Feuerwache. „Diese Lage ist völlig indiskutabel“, sagt Wehrführer Wegner. „Wir sind doch keine Spedition, für die man irgendwo eine freie Fläche sucht.“ Ein Blick auf die Karte zeigt: Abgelegener kann ein Wachen-Standort kaum sein, denn er liegt an der südwestlichen Grenze des Einsatzgebietes (Bille). „Das Areal ist außerdem zu weit entfernt von den Wohnungen der Kameraden, die müssten dann über eine oft verstopfte Hauptstraße mit ihren Pkw anfahren – das würde unsere Einsatzfähigkeit gefährden“, ist Wegner überzeugt. Er hofft auf mehr Verständnis bei den Behörden und mehr politischen Druck.

Die FF Kirchsteinbek wurde 1877 gegründet und ist die älteste Wehr Hamburgs. Sie fährt rund 150 Einsätze pro Jahr. Im Einsatzgebiet zwischen Möllner Landstraße und Bille sowie dem Schiffbeker Weg und der Stadtgrenze leben rund 40.000 Menschen
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