Als Pelikane in Horn lebten

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Damals: Der Eingang in das Lokal „Horner Park“ Foto: Gerd von Borstel
 
Heute: Nichts erinnert mehr an das Lokal und den ersten Zoo Deutschlands Foto: Gerd von Borstel

Am Ausflugslokal „Horner Park“ eröffnete 1841 Deutschlands erster Zoo. Teil 3 der Serie

Horn Horn war nicht nur – wie im Teil 2 der Serie beschrieben – ein Hamburger Villenvorort. Auch der „normale“ Hamburger fuhr mit einer eigens eingerichteten Pferdeomnibuslinie am Wochenende hierher, um eines der beiden großen Vergnügungslokale zu besuchen.
Bereits im 17. Jahrhundert gab es gleich hinter der Hamm-Horner Grenze in der Horner Landstraße den „Schinkenkrug“. Er war wegen seiner Blutegelbörse weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt. Im Herbst kamen Franzosen, Engländer, Holländer, Belgier, Schweden, Nord- und Südamerikaner, um hier ihren Bedarf an guten Blutegeln sicherzustellen, die die Fänger anlieferten. Die Blutegel waren damals in der Medizin hoch geschätzt.
Einige hundert Meter weiter in Richtung Osten lag an der heutigen Ecke „Horner Landstraße/Horner Brückenweg“ das Lokal „Zum letzten Heller“. Seit 1460, als Holstein dänisches Herzogtum wurde, verlief hier die Grenze mit Schlagbaum und Zollhäuschen.
Ende des 17. Jahrhunderts erwarb ein gewisser Johann Clamer das Eckgrundstück und nutzte es zuerst nur als Sommersitz. Der Horn-Chronist Gerd Rasquin recherchierte, dass vermutlich die Clamers entbehrliche Räumlichkeiten auf ihrem Grundstück an einen Gastwirt vermietet hatten, der sein Lokal „Letzter Heller“ nannte, weil seit 1687 gegenüber ein Wachthäuschen mit Schlagbaum stand, wo alle Fuhrleute Wegegeld zahlen mussten. Später sprach man nur noch von der „Wache beym Letzten Heller“.

Horner „Thiergarten“


Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb 1841 der Menagerist Schardel Heinrich Berg das Lokal und gestaltete den angrenzenden zwei Hektar großen Park zu einem Zoo um. Am 30. Mai 1841 eröffnete er seinen „Thiergarten“. Bisher gab es eine solche stationäre Ausstellung von Tieren nur in Wien, Paris und London. Somit war der Zoologische Garten in Horn der erste in Deutschland. Der Berliner Zoo, der dieses Prädikat benutzt, wurde aber erst am 1. August 1844 eröffnet. Über den Tierpark in Horn schrieb 1843 das Hamburger Adressbuch: „Die Bemühungen des Eigentümers sind bis jetzt eben nicht vom besten Erfolge gekrönt worden, weil die Witterung für den Aufenthalt im Freien keine günstige und einem häufigen Besuche hinderlich war. Dennoch muss jeder Unparteiische gestehen, Herr Berg hat schon sehr viel geleistet und zeigt fortwährend das löbliche Bestreben, das Institut mit neuen Exemplaren verschiedener Thiergattungen zu bereichern. Auf dem in der Mitte des Gartens befindlichen Teiche ist eine Insel. Beide werden durch eine Menge verschiedenartiger Schwimmvögel, größtenteils ausländischen Ursprungs, belebt. Und der Pelikan spielt hier die Hauptrolle. Speciellere Auskunft gibt der Catalog Führer durch den Zoologischen oder Thiergarten, welcher mit Sachkenntnis abgefasst ist und bereits seine dritte Auflage erreicht hat. Seine Vorderseite ziert eine fauchende Raubkatze. Omnibusse und Journalièren fahren sowohl von Hamburg als vom Letzten Heller während der Sommertage stündlich ab und befördern so die Frequenz, welche mit Frühlingsbeginn gewiss bedeutend zunehmen dürfte“.

1.800 Sitzplätze im Biergarten


Kurze Zeit nachdem Schardel Heinrich Berg das Lokal 1847 aufgab, ist es vermutlich abgebrannt. Flurkarten aus dieser Zeit zeigen hier kein Gebäude mehr.
Erst die Gebrüder Stockmeyer errichteten ein zweistöckiges Hotel und nannten das Gesamtobjekt nebst Festhalle und großem Außenbereich „Horner Park“, ein Vergnügungs-Etablissement, das schon zur Sommersaison 1881 eröffnet werden konnte und seinerzeit als das größte Hamburgs galt. Eine Postkarte aus der Zeit um 1900 spricht von 1.800 Sitzplätzen im Biergarten. Im „Horner Park“ fanden Volks-, Tanz- und Kinderfeste statt, sowie sonntags und mittwochs Vorstellungen im Theatersaal. Für sonntags, mittwochs und freitags plante man Konzerte und allsonntäglich einen „Großen Ball“ in der Festhalle. Die Stockmeyer Brüder warben mit 26 Fremden- und mehreren Clubzimmern, Billard, zwei guten Kegelbahnen, Stallungen für dreißig Pferde und zwölf Boxen für Rennpferde.
Bis zur Ausbombung im Juli 1943 wechselten mit den Besitzern auch die Namen des Lokals: Vom „Horner Park“ wurde es zum „Horner Volkspark“ und letztlich zum „Hamm-Horner-Gesellschaftshaus“. Das historische Foto zeigt das Lokal in einer Aufnahme von 1912. Ganz rechts ist ein Stück vom heute noch existierenden Haus Nr. 324 zu sehen.
Die Geschichtswerkstatt Horn öffnet ihr Archiv wieder am 13. Mai von 16.30 bis 19.30 Uhr. Am 30. Mai sollten sich Interessierte den Rundgang „Horner Weg“ vormerken. Start ist um 15 Uhr am Eingang der Wichern-Schule, Horner Weg 164. (gvb/wb)

Lesen Sie auch: Die Geschichte vom Horner Berg. Teil 1

Lesen Sie auch: Villen in Blohms Park. Teil 2
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