Als Post aus der Röhre kam

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Das Post-Provisorium 1948-54 Foto: Archiv der Postfiliale
 
Ein Kindergarten ist heute in den ehemaligen Posträumen Foto: GvB

Die Geschichte der Post in Horn reicht bis 1906 zurück. Teil 8 der Serie

Horn In der heutigen achten Folge dieser Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn begeben wir uns auf den Vorplatz der Martinskirche. Hier stand von 1948 bis 1954 die behelfsmäßige Postfiliale „Hamburg 34“, in der die Postein- und Auslieferung abgewickelt wurde.
Die Geschichte der Post in Horn begann 1906 mit einer ersten Postfiliale im Haus Horner Landstraße 172 – dem sogenannten Störtebekerhaus. Kurz vor dem 1.Weltkrieg erfolgte eine Verlegung in Hausnummer 193, bevor dann 1933 im Neubau Horner Landstraße 206 Räume angemietet wurden. Durch den Luftangriff am 28. Juli 1943 brannte die Zweigstelle 34 völlig aus. Nach dem Wiederaufbau zog eine Gaststätte in die Räumlichkeiten und erinnerte mit dem Namen „Zur Postkutsche“ an die alte Nutzung.
Die Post eröffnete ihre Filiale 34 ab August 1943 provisorisch in der Pachthof-Schule (damals „Ostlandschule“), die sie aber 1945 wieder räumen musste. Als nächstes wurde man Untermieter in den Räumen der Billstedter Poststelle.
Am 27.8.1948 pachtete die Post im Schatten der Martinskirche den heutige Vorplatz und Parkplatz. Darauf setze man drei posteigene Nissenhütten. Diese halben Röhren aus Wellblech dienten den ausgebombten Hamburgern in erster Linie als Notunterkünfte.

Rampe zum Entladen


Zwei Röhren standen parallel zur Straße und waren mit einem massiv gemauerten quadratischen Bau verbunden. Von ihm zweigte – wie bei einem „T“ – eine dritte Röhre in Richtung auf das Gemeindehaus ab. Hierdurch wurden Räumlichkeiten für die Schalteranlagen und den Zustellersaal geschaffen. Zur Straßenseite erhielt der Mittelbau eine Rampe, um das Entladen der Post-Laster zu erleichtern. Durch gemauerte Wände an den Giebelseiten bekamen die Nissenhütten eine ansprechende Form.
Allerdings stellte sich schon bald heraus, dass die Räumlichkeiten für die rasch wachsende Bevölkerungszahl nicht ausreichten. In einem Bericht vom März 1952 heißt es: „Das ZwPA 34 leidet seit der Inbetriebnahme 1948 unter großen Raumschwierigkeiten. Zurzeit sind 18 Zusteller vorhanden. Der Zustellerraum reicht nicht aus, um den Dienstbetrieb ordnungsgemäß durchzuführen …“ Hinzu kam, dass sich die Hütten in einem schlechten baulichen Zustand befanden. An vielen Stellen hatte sich das Wellblech bedrohlich gesenkt; bei der Schornsteinreinigung drohte es sogar einzustürzen. Die Raumnot zwang dazu, die Paketannahme in den abseits liegenden Fahrradschuppen zu verlegen, was die Diebstahlsgefahr für die nun im Freien stehenden Dienst- und Privatfahrräder erhöhte.Im März 1952 kam es zu einem Einbruchsversuch in den Paketraum; die Bevölkerung beschwerte sich über die unhaltbaren Zustände während der Rentenauszahlungen und sogar der Bürgerverein forderte eine schnelle Beseitigung des „Nissenhütten-Postamtes“ im Interesse des Ansehens der Deutschen Bundespost.
Da passte es gut, dass der Dipl. Ing. Hellmers – Besitzer des Grundstückes mit der Hochzeitsbuche am Bauerberg – den Neubau eines Wohnhauses auf seinem Gelände plante. So entstanden dann im dreigeschossigen Anbau an der Ecke Bauerberg/Beim Rauhen Haus auf 439qm neue Räumlichkeiten für das Postamt 34, einschließlich einer Dienstwohnung für den Filialvorsteher. Das neue Postamt wurde am 10. November 1954 eingeweiht. Die Nissenhütten wurden noch bis 1956 von der Kirchengemeinde – u.a. den Pfadfindern – genutzt, bevor das Ensemble dann endlich abgerissen wurde.

2008 war Schluss


In den neuen Räumlichkeiten gab es eine großzügige Schalterhalle, an deren Stirnseite sich die Paketannahme und –ausgabe befand. Nachdem die Rentenzahlungen nicht mehr bar bei der Post abgeholt werden mussten, waren ein Teil der Schalter entbehrlich. Nach der Privatisierung der Deutschen Bundespost wurde das Postamt zu einer modernen Filiale mit Papierwarenshop umgebaut. Die zunehmende Verbreitung von Postagenturen sorgte im Sommer 2008 auch für das Ende der Postfiliale an der Ecke Bauerberg/Beim Rauhen Haus. Nach längerem Leerstand mietete ein Kindergarten die ehemaligen Posträume. (Text: Gerd von Borstel, nach Unterlagen des postgeschichtlichen Archivs )

Lesen Sie auch: Die Geschichte vom Horner Berg. Teil 1

Lesen Sie auch: Villen in Blohms Park. Teil 2

Lesen Sie auch: Als Pelikane in Horn lebten. Teil 3

Lesen Sie auch: Wie Horn nach 1945 neu entstand. Teil 4

Lesen Sie auch: (Fast) auf dem Trockenen. Teil 5

Lesen Sie auch: Das Horner Grün ist noch jung. Teil 6

Lesen Sie auch: Nahverkehr im Wandel. Teil 7

Weitere Infos zum Stadtteil Horn und seiner Historie gibt es online auf www.geschichtswerkstatt-horn.de
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