Auf dem Weg in den Beruf

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Hellge Groß (Mitte) zeigt Nicolas Banke (l.) und Simon Berliner ein paar Kniffe an der Werkbank Foto: ms
 
Peter Bakker an der Kompetenztafel in der Produktionsschule Horn Foto: ms

Produktionsschule macht benachteiligte Jugendliche fit für die Ausbildung

Von Mathias Sichting
Horn
„Wir wollen keinen zurücklassen“, so die Strategie von Bürgermeister Olaf Scholz. Durch verschiedene Maßnahmen in der Bildungslandschaft wird diese Vorgabe in Hamburg erfolgreich umgesetzt. Seit 2009 gibt es in jedem Bezirk Produktionsschulen. Die Bürgerschaft hatte die Einrichtung und Finanzierung von Produktionsschulen in freier Trägerschaft als schulpflichtergänzendes Angebot beschlossen. Mit acht Einrichtungen, in Hamburg-Mitte sind es zwei, und insgesamt 400 Plätzen, gilt die Produktionsschullandschaft deutschlandweit als Vorzeigeprojekt. Die Idee dazu kommt aus Dänemark. Dort ist das System bereits seit 1985 Teil der vorbildlichen Bildungslandschaft.
Kindern zwischen 15 und 18 Jahren, idealerweise mit Schulabschluss, soll innerhalb eines Jahres der Übergang von der Schule in den Beruf erleichtert werden. „Zu uns kommen benachteiligte Jugendliche aus einem schwierigen sozialen Umfeld. Es geht im Alltag der Produktionsschule um soziale Kompetenz, Stabilisierung, Aufbau von Persönlichkeit und Berufsorientierung“, so Peter Bakker, Geschäftsführer der Sprungbrett Dienstleistungen gGmbh. Sein Unternehmen ist freier Träger der Produktionsschulen in Horn und Bergedorf.
An der Horner Landstraße werden 60 Schüler innerhalb eines Jahres fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht. Besonderes Augenmerk wird auf Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft und Selbstständigkeit gelegt. „Wenn der Schüler die Einrichtung verlässt, soll er so gefestigt sein, dass er ohne weitere Probleme die Lehre in einem Betrieb durchsteht, da er sich benehmen kann, pünktlich ist, weil er Autorität kennt und Interesse am Job hat“, so Bakker. Fünf Werkstattpädagogen betreuen die Schüler aus Horn, Hamm und Billstedt. Sie durchlaufen innerhalb eines Jahres einen der vier Werkstattbereiche Malerei und Lackiererei, Raumausstattung, Tischlerei und Hauswirtschaft und lernen so im Produktionsprozess ihre Stärken kennen.

Auftragsarbeiten


Das Besondere: Die Kinder lernen durch die Arbeit an echten Kundenaufträgen. Jedermann kann in der Produktionsschule Möbel bestellen, einen Maler für die Renovierung der eigenen vier Wände buchen oder ein Carport in Auftrag geben. Die Schüler haben laut Bakker eine Produktivität von zehn Prozent. „90 Prozent der Zeit in der Schule geht für Pädagogik drauf. Kein Betrieb auf dem ersten Arbeitsmarkt muss uns als Konkurrenz ansehen.“
Die Leistungen der Produktionsschüler werden an Kompetenztafel visualisiert. Kleine Holztafeln in Grün (Experte), Gelb (auf Kurs) oder Rot (Kompetenzen erkennbar) stellen die Leistungen transparent dar. Neben einer Selbsteinschätzung gibt die Produktionsgruppe eine monatliche Bewertung für jeden Schüler ab. Es gibt auch eine Motivationsprämie von 2 Euro pro grünem Schild. Die Schüler können so theoretisch bis zu 120 Euro im Monat verdienen“, so Bakker. Ist die Praktikumsreife bei möglichst vielen grünen und gelben Tafeln erreicht, gehen die Schüler ins Praktikum. „Der Schüler soll im Idealfall nach einem erfolgreichen Praktikum einen Arbeitsvertrag in der Tasche haben.“ Die Produktionsschule ist für viele die letzte Chance vor dem Jobcenter. „Wer hier durchrasselt, weil er nicht mitspielt, der hat eigentlich schon verloren. Hier kann man noch etwas drehen. Das gelingt den meisten auch, darauf kann man stolz sein“, sagt Peter Bakker.
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