Auf Pokémon-Jagd in Barmbek

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Direkt an der T.R.U.D.E. geht die Pokemon-Suche los Fotos: Daniela Barth
 
Der Elbbohrer funktioniert bei Pokemon-Go als sogenannter„Pokestop“

Die Monster haben Hamburg voll im Griff – Ein Selbstversuch

Von Thore Albertsen
Hamburg-Barmbek
Pikachu, Bisasam, Glumanda – was klingt wie die Namen japanischer Computerfirmen ist momentan ein weltweiter Hype: das Handyspiel Pokemon-Go. Bereits vor dem offiziellen deutschen Start glühten viele Smartphones der Region, hunderte Menschen rannten zombieartig durch die Straßen mit nur einem einzigen Ziel: Pokemon fangen. Seit 13. Juli ist die App nun auch für Android und Iphone in Deutschland erhältlich. Und wurde bereits unzählige Male runtergeladen. Die ersten Facebook Gruppen zu gemeinsamen Pokemon Nachtwanderungen haben sich gebildet und die Pokemon-Freunde sind nahezu täglich auf den Titelseiten. Grund genug, das Spiel einmal selbst auszuprobieren. Rein zu Recherchezwecken, versteht sich. Als Startpunkt habe ich mir die S-Bahn in Barmbek ausgesucht und bin hier anscheinend in guter Gesellschaft. Scharen von Pokemon-Jägern tummeln sich auf dem Platz vor der Zinnschmelze, Kopf starr auf den Smartphone-Bildschirm gerichtet. Auch mein Handy vibriert sofort, als ich die App einschalte. Ein „Glumanda“, das aussieht wie ein kleiner Drache mit großen Augen erscheint auf der Karte, die die App mir anzeigt. Kaum drücke ich mit dem Finger auf die entsprechende Stelle in meinem Smartphone, koppelt sich das Spiel mit meiner Kamera, das Pokemon wird mir nun in meiner wirklichen Umgebung angezeigt. Genau über dem Kopf eines anderen Pokemonspielers. Mit Bällen, die automatisch auf meinem Handy angezeigt werden und die ich mit einem Fingerwisch auf das Pokemon schmeißen kann, muss das Tier gefangen werden. Ein Wurf, ein Treffer – schon gehört er mir. Mein Gegenüber muss grinsen, da er gerade genau die gleiche Bewegung macht.

Sehenswürdigkeiten im Vorbeigehen


Die Bälle muss ich immer wieder neu aufladen – an virtuellen Pokestops, die in dem Spiel an den Orten unterschiedlicher Sehenswürdigkeiten platziert sind: Am Barmbeker Bahnhof gleich an mehreren Plätzen: Der Wasserturm, die alte Eisenbahnlock und der Elbbohrer T.R.U.D.E. rücken so in den Fokus des Jägers und bringen gleich noch kleine Informationen mit – immerhin weiß ich jetzt, dass T.R.U.D.E. ein Akronym für „Tief runter unter die Elbe“ ist. Mein Jagd geht weiter: Runter zum Osterbekkanal. Hier treffe ich auf Sascha und Jana, denen es sichtlich peinlich ist, als ich sie auf ihr Spiel anspreche und sie verwirrt von ihren Bildschirmen aufschauen. In ihren Businessanzügen wirken sie auch nicht wie man sich die typischen Gamer vorstellt. „Man ist einfach mehr unterwegs und kann wirklich abschalten“, gibt Jana mir als Erklärungsversuch und Sascha fügt hinzu: „Außerdem kommt man so an Orte, an denen man sonst nicht ist, auch gern mal in ein Industriegebiet.“ Im Gegenzug für diese Spielfreude hat die App Zugang zu den Google-Konten der Spieler, laut Hersteller Niantic Labs werden jedoch nur die User-ID und E-Mail-Adresse verwendet werden.

Spielfreuden und Server-Probleme


1,5 Stunden bin ich so unterwegs und laufe in Schlangenlinien über den Wiesendamm durch die Saarlandstraße, das Kaemmererufer entlang, durch die Großheidestraße bis hin zum Goldbekufer. Ergebnis: Mehrere Pokemons gefangen, unterschiedliche Pokestops gesehen, drei Mal gestolpert, zwei Serverabstürze – so ganz scheint das Spiel dem Ansturm noch nicht gewachsen zu sein - ein Mal gegen einen anderen Pokemon-Spieler gerannt, Straßen gesehen, die ich vorher noch nicht kannte und ein Café in Winterhude entdeckt, das ich unbedingt mal ausprobieren muss. Gerade als ich auf meinem Rückweg die App wieder anschalten will, bemerke ich mein blinkendes Batteriesymbol auf dem Bildschirm. Die App hat in kurzer Zeit fast meinen gesamten Akku leer gesogen und auch von meinem Datenvolumen scheint einiges weg zu sein. Bleibt mir für den Rückweg also nur mein Buch, um mich zu beschäftigen, oder ich unterhalte mich mit meinem Sitznachbarn einfach über Pokemon-Go, immerhin hat er gerade ein Pikachu an der Haltestellte entdeckt.
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