Aus für „Schrotträder“ in Hamburg

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Abgestellt und nicht wieder benutzt: Auch dieses Damenrad ist für den Abtransport und die spätere Verschrottung vorgemerkt Foto: to

Kampf gegen „Fahrradfriedhof“: Im April entsorgt die Stadtreinigung wieder alte Rostlauben

Von Thomas Oldach
Hamburg
Die Hansestadt entwickelt sich immer mehr zu einer Fahrradstadt. Das ist gut so. Doch Hamburg entwickelt sich auch immer mehr zu einem „Fahrradfriedhof“. Und das ist die Schattenseite der Öko-Entwicklung im Nahverkehr. Denn immer mehr untaugliche „Drahtesel“ werden an öffentlichen Stellplätzen offenbar regelrecht entsorgt – natürlich fest verschlossen. In nahezu allen Hamburger Bezirken können aktive Radfahrer davon ein Lied singen: Wer sein Zweirad an ausgewiesenen Stellplätzen „festmachen“ will, hat oft keine Chance, weil die Plätze seit Wochen und Monaten belegt sind von Radbesitzern, die ihr „Fahrzeug“ offenbar längst abgeschrieben haben, es verrotten und auf Kosten der Steuerzahler entsorgen lassen. Denn wie kann es sonst angehen, dass Räder mit abgerissener und verrosteter Kette, ohne Sattel und mit platten Reifen dort stehen? Überwintern geht anders.

Schlösser werden aufgeflext

Die Bezirksämter greifen jetzt zum Beginn der Fahrradsaison gemeinsam mit der Behörde für Umwelt und Energie sowie der Stadtreinigung wieder durch. Teilweise wurden an den „Schrotträdern“ bereits die im Behörden-Deutsch genannten „organgenen Entfernungsmitteilungen“ angebracht. Wer so einen Zettel vorfindet, hat zwei bis maximal vier Wochen Zeit, seine „Fahrradleiche“ zu entfernen. Doch die wenigsten Besitzer kümmert das – haben Fahrräder doch kein Kennzeichen, das auf den Besitzer verweisen könnte. Also rückt die Stadtreinigung an. Die Schlösser werden aufgeflext, die Räder verschrottet. Im April soll es nach Behördenangaben den „Schrotträdern“ wieder an den Kragen gehen. Die Aktion im vergangenen September brachte mehr als 1000 Alträder als „Beute“. Doch es gab zuvor auch schon Jahre mit mehr als 3000 Rädern. Jede Aktion bringt auf jeden Fall mehr „Luft“ für Fahrrad-Nutzer, die ihr Eigentum korrekt und sicher abstellen wollen – und es nicht vergammeln lassen.

Der Radreporter vom Wochenblatt

Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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1 Kommentar
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Kurt Hoffmann aus Hamm | 27.03.2017 | 14:53  
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