Bauspielplatz „Kuhle“: Eine Heimat für alle

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Es herrscht eine ausgelassene Stimmung – vor allem wegen der vielen Kinder Foto: fbt
 
Über der Fahrradwerkstatt liegt die Bibliothek – „wie in einem Baumhaus“, sagt Kauczor. Dort kann man sich zum Lesen zurückziehen Foto: fbt
Hamburg: Rantumer Weg 15 |

Die „Kuhle“ in Billstedt bietet besonders Kindern und Jugendlichen viele Angebote



Von Frank Berno Timm
Billstedt
Der letzte Sonnabend im Monat ist in der „Kuhle“, die mitten in Kaltenbergen liegt, immer ein besonderer Tag. Jung und Alt treffen sich zum gemeinsamen Mittagessen. Das Haus hat Charme, das Essen ist ausgezeichnet. Der Platz ist ein besonderer. Die Brokkoli-Rahm-Suppe schmeckt. Viele Menschen sitzen an einfachen Tischen, es gibt Wasser und Weißbrot dazu. Kinder, Alte, Junge – oft kennen sie sich. „Das lassen wir uns nicht nehmen“, sagt Dieter Kauczor, Geschäftsführer der „Kuhle“ mitten in Kaltenbergen, „dass wir gut miteinander umgehen – egal aus welchen Ländern wir kommen!“ Kauczors kleine Rede ist kurz – dann ist längst eine fröhliche Mahlzeit im Gang. So eine Gelegenheit zum (kostenfreien) gemeinsamen Mittagessen ist an jedem letzten Sonnabend im Monat und heute sind nur deswegen weniger Leute da, weil der islamische Fastenmonat Ramadan begonnen hat.

Mehr als ein Spielplatz


Die „Kuhle“, offiziell ein Bauspielplatz, ist viel mehr. Ziegen und Schafe, Hund „Emma“, und Hühner laufen umher. Die jüngsten sind Neugeborene, die ältesten Besucher über 80. Wo einmal Lehm abgebaut wurde, können Kinder sich jetzt selbst ein Holzhaus bauen. Gemeinsam haben sie einen Hühnerstall gebaut und eine Werkzeugausgabe. Die Bibliothek sieht aus wie ein verträumtes Baumhaus. Ziegen werden schon mal gebürstet oder auf dem selbstgezimmerten Melkstand gemolken. Kauczor erklärt eindrücklich, wie es ihm und seinen Mitarbeitern um Langfristigkeit geht – und nicht nur „die Hilfe für ein Problem“. Heute sind unter den 70 bis 100 Kindern, die jede Woche in die „Kuhle“ kommen, auch solche dabei, deren Eltern Kauczor schon betreut hat; er arbeitet seit 1980 hier.

Es gelten feste Regeln


Dieses Leben hat seine Regeln. Es gibt kein Treten, kein Beleidigen. „Dafür fliegt man schon mal raus“, sagt Kauczor und solche, die rausgeflogen seien, „stehen am nächsten Morgen als erste wieder da.“ Werkzeuge gebe es nur mit einem „Bitte“, fügt der Sozialpädagoge noch hinzu. Beliebigkeit, so sein Credo, gehe mit einem Bedeutungsverlust einher. Kauczor sagt, er wolle Zusammenhänge wieder herstellen. Als Besucher begreift man schnell: Hier können Kinder einfach lernen, woher die Milch kommt, die Weintrauben, und wofür man arbeitet. Der kleine Rundgang über das Gelände zeigt schnell, wovon der Sozialpädagoge spricht. Kinder haben ganze Reihen von Holzhäusern aufgerichtet – wenn sie eine gewisse Zeit nicht darin spielen, werden sie wieder abgerissen, um Platz für neue zu schaffen. „Morgens mit der Kaffeetasse“ macht Kauczor Sozialberatung, Fachleute kommen dafür auch noch ins Haus.

Freiräume für Besucher aus 45 Ländern


In der Nachbarschaft gibt es ein Büro, in dem Jugendlichen beim Weg in den Beruf geholfen würde. Sie dürften auch zwei- und dreimal scheitern, sagt Kauczor, „wir lieben sie trotzdem“. Mit Leidenschaft plädiert er dafür, dass Kinder wieder Kinder sein dürften – wenn man sie morgens auch noch zur Schule fahre, ginge das letzte Stückchen Freiraum verloren. Zusammen mit seinen Mitarbeitern weiß Kauczor sehr wohl, dass in der Nachbarschaft viele Leute wohnen, die von Hartz IV leben oder aufstocken müssten. Ausdrücklich lobt Kauczor die Zusammenarbeit mit den benachbarten Baugenossenschaften – da sei manches noch möglich, was bei anderen Vermietern nicht gehe. Am Eingang wehen 45 Fahnen, die für die Länder stehen, aus denen die „Kuhle“-Besucher kommen – und „alle Fahnen hängen an einem Mast“. Sie zeigen gleichzeitig, dass das Gelände offen ist. Am Mittagstisch ist immer noch Trubel – es gibt Eis am Stiel als Nachtisch. Jeder bringt seinen Teller zum Geschirrwagen, wenn er fertig ist. Dieter Kauczor sitzt schon wieder draußen in der Sonne.

Bauspielplatz „Kuhle“, Rantumer Weg 15, 22117 Hamburg; Di-Fr: 13.30 Uhr bis 18 Uhr, Sa: 11.30 bis 16 Uhr; Öffnungszeiten in den Schulferien: Mo-Sa 12-19 Uhr. Weitere Infos: www.handelndsein.de
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