Beirat in Mümmelmannsberg hat an Bedeutung verloren

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Mümmelmannsberg ist seit 1991 Sanierungsgebiet Foto: sos

Entwicklung im Stadtteil stagniert. Sanierungsbeirat vor Auflösung

Von Sonja Schmidt
Mümmelmannsberg
Der Sanierungsbeirat Mümmelmannsberg macht keinen Sinn mehr. So zumindest sieht es Thorsten Kunde. Der Leiter des örtlichen Jugendkellers engagiert sich seit 29 Jahren für die Weiterentwicklung des Stadtteils. In dieser Woche will er seinen Rücktritt aus dem Beirat vermelden und dessen Auflösung beantragen, verkündete er gegenüber dem Wochenblatt. In einem langen Brief übt der 53-Jährige harte Kritik. Die Liste unerledigter Aufgaben und nicht erreichter Ziele sei lang. „Wir stellen laufend Anträge und setzen uns stark für den Stadtteil ein. Aber viele Projekte wurden auf die lange Bank geschoben oder abgeblockt. Der Sanierungsbeirat hat an Bedeutung verloren.“ Seit 1987 beteiligt sich der Beirat, bestehend aus Mitgliedern von Behörden, Institutionen, Vereinen und Wohnungsgesellschaften, an der Umsetzung des groß angelegten Sanierungskonzeptes. In den Anfangsjahren sei noch viel passiert, so Kunde. Bauspielplätze und Vereinshäuser wurden gebaut, Wohnungen saniert und energetisch aufgewertet. „Aber dann war die Luft raus und es gab allerlei Rückschritte.“ Im Rahmen des Erneuerungskonzeptes habe es zwar bauliche Verschönerungen gegeben, „aber es wurde auch viel dicht gemacht, wie zum Beispiel die Außenstelle des Ortsamtes oder die ehemalige Mütterberatungsstelle.“ Als Beispiel für das „erschreckende Ausmaß der Versäumnisse“ nennt er verfallene Spielplätzen und Freizeitanlagen, die gescheiterten Finanzierungen geplanter Kunstprojekte und einer längst überfälligen neuen Turnhalle. Besonders auffallend sei „der Zusammenbruch des Stadtteillebens“. Die Lebensqualität in Mümmelmannsberg habe in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. „Vor 30 Jahren tobte hier das Leben, es gab Restaurants und Gaststätten. Aber jetzt gibt es kaum noch Angebote für Erwachsene. Die Lebensqualität hat trotz der Sanierungsmaßnahmen im Grunde verloren.“ Zwar sei aus einem ehemals sozialen Brennpunkt ein ruhiger, stabiler Wohnort geworden, aber „aus Sicht von Politik und Verwaltung bedarf Mümmelmannsberg anscheinend keiner größeren Aufmerksamkeit mehr“, so Kunde. Zukünftig will Thorsten Kunde neue Wege gehen. Der Beirat könne zum Beispiel durch einen Tageskonvent ersetzt werden, schlägt er vor. Politiker und Behördenvertreter würden so direkt mit den Belangen des Stadtteils konfrontiert. Das Ende des Stadtteilbeirats ist aus seiner Sicht nicht das Ende der Stadtentwicklung. Die Zusammenarbeit solle weitergehen. Thorsten Kunde bleibt zuversichtlich: „Mümmelmannsberg ist gut vernetzt. Wir geben nicht auf.“
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2 Kommentare
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Erich Heeder aus Billstedt | 17.02.2016 | 15:52  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.02.2016 | 09:43  
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