Beratung in Platz-Not

Anzeige
Katja Middendorf (l.) und Jeanette Heiligenmann müssen umziehen – aber wohin? Foto: fbt

Nach fristgerechter Kündigung ist die Schuldnerberatung auf Raumsuche

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Mehr als 100 Menschen holen sich jeden Monat Rat in der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks am Schiffbeker Weg. Doch die vier Mitarbeiterinnen müssen zum Jahresende ausziehen und suchen jetzt in Billstedt neue Räume. Im Büro von Jeanette Heiligenmann kann man sich schnell wohlfühlen – es wirkt durch die vielen Zimmerpflanzen angenehm „grün“. Bürohund Maitje beschnüffelt schwanzwedelnd den neuen Besucher und lässt sich dann gemütlich neben der Fototasche des Reporters nieder. Aber das Gefühl, es sei alles in Ordnung, mag sich nicht so recht einstellen. Die vier Mitarbeiterinnen der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks, die seit rund zehn Jahren in einem schmucklosen Bürogebäude am Schiffbeker Weg Menschen aus finanziellen Schwierigkeiten helfen, müssen ausziehen: Die Kündigung des Mietvertrags zum Jahresende liegt auf dem Tisch. „Es ist alles rechtens“, sagt Verwaltungsmitarbeiterin Gerlinde Timm (nicht verwandt mit dem Autor). Dass sich die Diakoniefrauen gewünscht hätten, nach so langer Zeit anders aus ihrem Büro verabschiedet zu werden, ist deutlich zu spüren. Der bisherige Vermieter hat verkauft und vorher gekündigt, berichtet Jeanette Heiligenmann. Der neue Eigentümer habe „eigene Interessen“, ergänzt Gerlinde Timm.

Notfallsprechstunde


Aber warum ist die Schuldnerberatung wichtig? Können ihre Klienten nicht auch anderswo Hilfe finden? Dagegen sprechen Zahlen: Zwischen 100 und 130 Leute kommen im Monat, sagen die Frauen, die meisten aus der Gegend. Zweimal in der Woche findet eine Notfallsprechstunde statt, auf andere Termine muss man lange warten. Schuldnerberaterin Anja Steenbuck betont, es sei ja „gerade der Sinn“, dass eine solche Beratung wohnortnah existiere. Und Erfolg stellt sich schon ein, wenn die Leute „wieder ruhig schlafen“ könnten, weil sich die Schuldnerberatung aktiv in ihre Probleme einschaltet und entsprechende Briefe direkt dorthin gehen. Es gehe darum, Ängste abzubauen – vor dem Besuch des Gerichtsvollziehers, vor drohendem Wohnungsverlust. Schuldenprobleme, sagen die Beraterinnen, haben vier Hauptgründe: Arbeitslosigkeit, Trennung, langfristig geringes Einkommen. Es sei schon wichtig, die Menschen wieder zu stabilisieren: „Wie sollen die Leute wieder arbeiten können, wenn sie krank sind?“
Es gehe nicht nur darum, bei Schulden zu helfen. Wie läuft es im Haushalt, wie wird richtig gewirtschaftet, gibt es zu viele Versicherungen? Sollte man, fährt Anja Steenbuck fort, vielleicht mal einen Job annehmen? Die vier Schuldenexpertinnen suchen Platz in Billstedt, der mindestens 100 Quadratmeter umfasst, es können auch 150 Quadratmeter sein. Die bisherigen Besitzer der Räumlichkeiten wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Schuldnerberatung des Diakonischen Werks, Schiffbeker Weg 20 (bis 31.12.) , Notfallsprechstunde Montag, 10 – 12 Uhr, Donnerstag 14 – 16 Uhr, Anmeldung zur Beratung unter Telefon 414 39 79 60 (Montag 10-12 Uhr, Donnerstag 14-16 Uhr)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige