Bewegende Erinnerungen in Horn

Anzeige
In der Snitgerreihe Nummer 9 liegen Stolpersteine Foto: Grell

Angehörige aus Israel besuchen Stolpersteine in der Snitgerreihe

Von Karen Grell
Horn
In der Snitgerreihe Nummer 9 liegen Stolpersteine, die an Angehörige der Familie Hamburger erinnern, von denen mehrere in der Nazi-Zeit ermordet wurden. Nachkommen der Familie, die heute zum größten Teil in Israel leben, haben sich jetzt auf eine Reise in die Vergangenheit gemacht und auch die Stolpersteine ihrer Großeltern und Großtanten- sowie Onkel gemacht. Obwohl einige von ihnen nie nach Deutschland kommen wollten, hat das Projekt Stolpersteine sie am Ende davon überzeugt, diesen Schritt doch gemeinsam mit den Geschwistern und Cousins zu unternehmen. Hildegard Thevs, die sich seit zwölf Jahren in Hamburg um das Projekt kümmert und Pastorin Susanne Juhl aus Horn haben den Gang der Familie zu den Stolpersteinen begleitet und auch geschichtliche Hintergründe verlesen. Michael war das Familienmitglied, das den Kontakt nach Hamburg hergestellt hat und sogar einen Cousin aus zweiter Generation aufgetan hat, der bei dieser Reise dabei war. „Das erste Mal vor den Steinen zu stehen, ist dann für viele ein sehr emotionaler Moment“, weiß Hildegard Thevs. Die Gewissheit, mit der eigenen Vergangenheit gesehen zu werden, machte den Nachkommen der Familie Hamburger Hoffnung. „Wichtig ist, dass es Menschen gibt, die sie wahrnehmen“, weiß Thevs, die schon viele Familienangehörige zu den Steinen begleitet hat. „Es ist für die Nachkommen, die ihre ermordeten Familienmitglieder nie kennenlernen durften, sehr bewegend hier bei den Steinen zu stehen.“ Das Projekt Stolpersteine gibt es schon seit 2002. Immer wieder werden neue der kleinen Erinnerungstafeln vor den Häusern verlegt, wo Menschen, die durch den Nationalsozialismus ihr Leben verlieren mussten, zuletzt gelebt haben. Stein für Stein lesen die Besucher aus Israel die Namen ihrer Angehörigen vor, legen eine Rose nieder und nennen zuletzt deren Todesursache. Meistens steht auf diesen Steinen: „erschossen“. Trost kann es für die Familien nicht mehr geben, aber mit den Stolpersteinen ist vielleicht ein kleines Zeichen gesetzt, dass hier nicht vergessen, sondern die Trauer geteilt wird.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige